21.02.2018 - 19:26 Uhr
Falkenberg

Halbzeit beim Bundesprojekt "Demokratie leben": In diesem Jahr mehr Fördergelder Gemeinsam gegen rechte Szene

Es gibt Geld, immerhin 40 000 Euro. Und es dient dem Kampf gegen Rechtsextremismus: Das bundesweit geförderte Projekt "Demokratie leben" ist im Landkreis Tirschenreuth bereits angekommen. Und das ist wichtig. Denn auch hier gibt es eine rechte Szene.

Das Interesse ist enorm: Unter den Aktivisten des Bundesprojekts "Demokratie leben in der Mitte Europas" befinden sich die unterschiedlichsten Gruppierungen, begonnen von Schulen über karitative Einrichtungen und Jugendgruppen bis hin zu Bürgermeisterin und Einzelpersonen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Stefan Denzler, Nicole Janka und Anne Franziska Taubert von der Koordinierungs- und Fachstelle "Demokratie leben" aus Alexandersbad luden die bisherigen und mögliche neue Mitstreiter zu einem Workshop auf die Burg Falkenberg ein. Die Teilnehmer zeigten sich hochmotiviert und stellten in einem Bewegungsspiel ihre Gründe für die Mitarbeit am Bundesprojekt "Demokratie leben" vor.

Westen schwach vertreten

Demnach wurden die Fördermittel bislang hauptsächlich genutzt, um mit Aktionen in Vereinen, Schulen, Kommunen und Organisationen gelebte Demokratie zu stärken. Auffallend: Nahezu alle Projektteilnehmer stammen aus dem Osten des Landkreises. Der Westen ist kaum vertreten. "Das muss sich ändern", wünscht sich Anne Franziska Taubert. Sie wollte beim Treffen wissen, "wer hauptamtlich hier ist und wer ehrenamtlich". Es bildeten sich zwei etwa gleich große Gruppen.

Zu den bereits aktiven Teilnehmern gehören zum Beispiel der Rektor des Stiftland-Gymnasiums Tirschenreuth, Georg Hecht, der Archäologe des Geschichtsparks Bärnau, Stefan Wolters, der Krummennaaber Bürgermeister Uli Roth, die Integrationskoordinatorin Sonja Schmid, Jürgen Kundrat, Geschäftsführer der Caritas, sowie Jürgen Preisinger, Geschäftsführer des Kreisjugendrings. Eine junge Lehrerin erzählte von einem Theaterprojekt gemeinsam mit dem Landestheater Oberpfalz aus Leuchtenberg. Als wohl älteste Teilnehmerin war Dorothea Woiczechowski gekommen. Sie ist Jüdin. "Populismus und Antisemitismus nehmen zu", sagte die pensionierte Kinderärztin. "Deshalb habe ich Ja gesagt, als ich gefragt wurde, ob ich mich beteiligen würde." Einige wollten sich "das erst mal anschauen", bevor sie über eine Teilnahme entscheiden.

Nicole Janka stellte die "Hintermänner" des Projekts vor. Im Jugendausschuss gibt es auch eine junge Frau, welche die Fäden zieht: Andrea Wurm. Sie berät gemeinsam mit Tobias Weiß und Fabian Ernstberger interessierte Jugendliche über "Demokratie leben". Sie erläutert, wie man sich einbringen kann und wie man an einen Antrag für Fördergelder herankommt. "Das ist kein Hexenwerk", betonte Anne Franziska Taubert. Der Förderantrag bestehe nur aus drei Seiten und die Koordinierungsstelle helfe selbstverständlich beim Ausfüllen.

Den Topf ausschöpfen

Nicole Janka stellte Fabian Ernstberger, Pressesprecher des Jugendforums, besonders vor. Er zählt gerade mal 15 Lenze und war der Jüngste beim Workshop. Und er mache seine Sache sehr gut, wurde Fabian Ernstberger gelobt. Theresa Kunz vom Jugendamt am Landratsamt Tirschenreuth erinnerte daran, dass es Halbzeit sei und in diesem Jahr 40 000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung stünden. "Das hat sich gesteigert!", betonte sie. Sie appellierte an die Anwesenden, diesen großen Topf unbedingt auszuschöpfen. Kunz ist die Sprecherin des 13-köpfigen Begleitausschusses, deren Mitglieder sie ebenfalls vorstellte. "Es können gerne mehr werden", lud sie weitere Interessierte zur Mitarbeit ein.

Auch Profjekt-Coach Arno Speiser aus Wunsiedel war da. Er ist einer von bundesweit 51 Coaches, die in Deutschland als mobile Berater gegen Rechtsextremismus unterwegs sind. Leider sei auch im Landkreis Tirschenreuth eine rechtsextreme Szene tätig, klärte Speiser auf: Für viele ist dies ein Grund mehr, "Demokratie leben" zu unterstützen.

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