Josef Hannig zum Ehrenbürger ernannt
Boder und Beichtvater

Im Februar 1948 fand Josef Hannig (rechts) beim "Mühlwastl" (Familie Zrenner) vorübergehend eine neue Bleibe. "Das Haareschneiden wurde für die Miete angerechnet", erinnert sich der Altbürgermeister der Gemeinde und "Mühlwastl"-Nachkomme Eduard Zrenner (links). Als junger Bub durfte er den späteren "Boder" kennen und schätzen lernen. Mit im Bild (Mitte) Bürgermeister Herbert Bauer. Bild: wro
Vermischtes
Falkenberg
05.01.2017
145
0

hat seit Mittwochabend einen weiteren Ehrenbürger: Josef Hannig. Bürgermeister Herbert Bauer überreichte die Ehrenurkunde in einer Sondersitzung des Marktrates. Hannig hatte vor wenigen Tagen geistig und körperlich frisch 90. Geburtstag gefeiert.

Der Sitzungssaal des Rathauses war am Mittwochabend voll besetzt. Besondere Rechte seien damit aber nicht verbunden, auch keine Geldzuwendungen, hob Herbert Bauer schmunzelnd zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde hervor. Der Bürgermeister erinnerte an die Oktobersitzung und den einstimmig ergangenen Beschluss, dem beliebten "Boder" die Ehrenbürgerrechte der Gemeinde zu verleihen. "Ich bin überwältigt, fast sprachlos über die große Ehre, die mir heute mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes gegeben ist", freute sich der vitale, aus Schlesien stammende 90-Jährige. Bewegt ergänzte Hannig: "Ich bin mir dessen sehr bewusst, bedanke mich auf das Herzlichste und sage Vergelt's Gott." Hannig blickte zurück: "In einer unseligen Zeit heimatlos geworden, traf ich Ende Mai 1945 auf gute Menschen und fand in Gumpen eine Bleibe." Arm wie eine Kirchenmaus, mit einer zerlumpten Uniform am Leib, ein großes Taschentuch und 1000 wertlose Reichsmark in der Jackentasche, fühlte er sich glücklich, den schrecklichen Krieg überlebt zu haben. Josef Hannig weiter: "Durch meinen Friseurberuf lernte ich später Land und Leute kennen. War Bader und Beichtvater zugleich, brachte im Ort meine erworbenen Talente ein." Geheiratet habe er 1955, nachdem die größere Wohnung bezugsfertig war. "Nachwuchs stellte sich ein, ich hatte eine Familie." Nach dem Mauerfall - so Hannig - habe er seinen schlesischen Heimatort noch einmal besuchen wollen. "Ich stand da, wo wir als Kinder spielten, zur Schule gingen, wo wir groß geworden sind." Der von ihm geäußerte Wunsch, den Geburtsort wiedersehen zu dürfen, wurde erfüllt. "Gedanken der Wehmut gab es jedoch nicht." Hannig schilderte den Ort als heruntergekommen, vieles sei verfallen. "Gerne ging ich wieder zurück in die Oberpfalz, wo ich ein neues Zuhause gefunden hatte."

"Heimat hat etwas mit Liebe zu tun", würdigte Bürgermeister Herbert Bauer die Verbundenheit Hannigs zur Marktgemeinde Falkenberg. "Heimat ist dort, wo man sich wohlfühlt." In einer Familie, in einem Ort. "Mit den Menschen im Ort." Dafür ausschlaggebend sei nicht das "Sofagefühl", wie sich der Bürgermeister ausdrückte. "Mehr die Zuneigung zu den Dingen und den Menschen in seiner Welt." Ergänzend erinnerte Bauer auch an Hannigs künstlerische Talente, an die zahlreichen Theaterauftritte, schließlich auch an die vielen Mitgliedschaften in den örtlichen Vereinen (Josef Hannig ist DJK-Gründungsmitglied). Unvergessen seien seine Büttenreden bei den Faschingszügen; auch seine Schriftführertätigkeiten beim OWV und die Musikbeiträge bei Josefifeiern.

Josef HannigJosef Hannig kommt am 30. Dezember 1926 in Lassoth (Schlesien) zur Welt. Bereits mit acht Jahren verliert er seinen Vater, erlernt später das Friseurhandwerk. Im August 1943 wird er zum Arbeitsdienst nach Polen einberufen, danach zur Division Hermann Göring in die Niederlande versetzt. Von dort aus wird Josef Hannig mit 40 Rekruten zur Wolfsschanze (Ostpreußen) geschickt. Nach dem Attentat auf Hitler werden alle Einheiten in die Eifel, später nach Pommern verlegt. 1945 wird Josef Hannig in Jägerndorf (Sudetenland) durch einen Granatsplitter verwundet. Hannig wird zunächst in einem Lazarett in Brünn gesund gepflegt, mit einem Lazarettzug über Prag, Eger und Wiesau dann nach Tirschenreuth gebracht, wo er in amerikanische Gefangenschaft gerät. Nach der Entlassung kommt er schließlich in Gumpen beim "Stoffel" (Eugen Schuller) unter, findet 1948 eine Wohnung in Falkenberg beim "Mühlwastl" (Familie Zrenner). Hannig bezieht zunächst beim "Seger" (Familie Haberkorn) eine Baderstube, später beim "Hansgierch" (Kunz). 1960 erwirbt Hannig das "Doktorhaus" am Marktplatz, wo er eine neue Heimat findet. Fast ein halbes Jahrhundert lang wirkt der "Hannig Boder" als Damen- und Herrenfriseur in Falkenberg. Er beteiligt sich rege am Gemeindeleben und bringt, neben seiner beruflichen Leidenschaft, auch die musikalischen und malerischen Talente ein. 2007 veröffentlicht Josef Hannig unter dem Titel "Aus der Baderstube" ein Buch. Darin berichtet er mit ureigenem Humor vom "Boderleben" und schildert amüsant das Drumherum in der Landgemeinde. "Es gibt wohl keinen Handwerksberuf, der so viel Nähe zum Kunden mit sich bringt", kommentiert Hannig den Inhalt seines "Bücherls", mit dem er die Leser eigentlich nur zum Schmunzeln anregen wollte. (wro)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.