07.05.2017 - 22:28 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands kritisiert Auswirkungen der ... Alters-Vorsorge als „neue soziale Frage“

93 Prozent der Kredite für das deutsche Handwerk kommen von den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken. "Der Erfolg des weltweit gepriesenen ,German Mittelstands' wäre ohne die Regionalbanken nicht denkbar", betont Georg Fahrenschon. Den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands treibt die Sorge um, dass die Kosten der "unfairen, unverhältnismäßigen" Regulatorik und die Auswirkungen der Niedrigstzins-Politik die kleineren Kreditinstitute zwingen, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Sollte es nicht gelingen, die Auflagen der EZB differenziert neu zu strukturieren ("die Sparkassen werden an der Bank of America gemessen"), "gehen die Lichter aus": "Als erstes stirbt die Bank vor Ort, dann die mittelständische Wirtschaft."

"Noch schaffen wir es, den Negativ-Zins von 0,4 Prozent für Einlagen bei der Zentralbank nicht an unsere privaten Kunden weiterzugeben", sagt Deutschlands Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Schicksal Mittelstand

Fahrenschon sprach am Freitagabend auf Einladung des CSU-Landtagsabgeordneten Tobias Reiß auf der Burg Falkenberg (Kreis Tirschenreuth) vor einem ausgewählten Kreis von Sparkassen-, Volks- und Raiffeisenbank-Vorständen sowie Unternehmern der Nordoberpfalz.

Bayerns ehemaliger Finanzminister (bis 2011) führte die Bedeutung des Mittelstands für das wirtschaftliche Schicksal Deutschlands vor Augen: Während die anderen westlichen Industrie-Nationen jeweils nur wenige 100 "Hidden Champions" - Branchen-Weltmarktführer - zählen, sind es in Deutschland rund 1300: Konzentriert vor allem in Süddeutschland. Eine "neue soziale Frage" sieht Georg Fahrenschon in einer "Versorgungs-Lücke", die sich infolge der Nullzinsen für junge Menschen auftun: Weil der Zins- und Zinseszins-Effekt ausbleibt. Eigentlich müsste Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen Gutteil der eingesparten Zins-Milliarden für den Bundeshaushalt den Bürgern wieder für eine direkte Altersvorsorge zugute kommen lassen: "Die Rechnung, hier womöglich Steuersenkungen anzubieten, geht nicht auf. Die betroffene Klientel zahlt kaum Steuern." Etwa 60 Prozent der Sparkassen-Kunden hätten am Monatsende nichts mehr übrig: "Die kann ich schlechterdings an die Börse bringen." Deutschlands oberster Sparkassen-Chef kritisierte die Riester-Verträge als "bürokratisches Monster".

Heftig missbilligte Georg Fahrenschon das Gebaren der Deutschen Bank ("verhagelt unsere Interessensvertretung") und der mit 14 Milliarden Euro vom Staat subventionierten Commerzbank (Gratiskonto). Fahrenschon rechnete vor, dass die deutschen Sparkassen 2,9 Milliarden Euro Ertragssteuern im Jahr zahlen, die Geschäftsbanken hingegen nur 40 Millionen Euro im Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre: "Von Konzernen wie Google und Amazon ganz zu schweigen."

Die Leute wollen Sicherheit, wenn es um das eigene Geld geht. Ich habe kein Verständnis für die Diskussion, das Bargeld abzuschaffen.Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands
Die Vorsorge-Lücke - ausgelöst durch die Niedrigzinsen - wird die neue soziale Frage.Georg Fahrenschon

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.