Welche Fensterbacher Feuerwehr soll welche Ausrüstung haben?
Plan mit Überraschungen

Politik
Fensterbach
16.12.2016
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Sie waren ausgerückt. Diesmal allerdings nicht zum Einsatz. Mitglieder der Feuerwehren Wolfring, Dürnsricht und Högling kamen ins Rathaus, um die Diskussion des Gemeinderats über einen von fachlich versierter Seite her erarbeiteten Bedarfsplan zu hören.

Drei Feuerwehren im Gemeindegebiet, drei Gerätehäuser und die seit langem immer mal wieder auftauchende Frage: Braucht man das alles? Um genaue Erkenntnisse und damit gleichsam einen Leitfaden für künftige Entscheidungen zu haben, hatte das Plenum heuer im Frühjahr die Ausarbeitung eines sogenannten Bedarfsplans beschlossen und damit den in Maxhütte-Haidhof ansässigen Markus Dechant beauftragt. Dechant ist Sachverständiger, er dient in seiner Freizeit als Kreisbrandmeister für den Bereich Burglengenfeld. Er kam zur Jahresschlusssitzung ins Rathaus und stellte seine bei mehreren Ortsterminen und Besprechungen gewonnenen Erkenntnisse vor.

Dabei, so unterstrich er, sei nach diversen Kriterien vorgegangen worden. Der Experte nannte die flächenmäßige Ausdehnung der Gemeinde, die Einsatzzahlen, die Bevölkerungsstruktur, das Vorhandensein von Industrieansiedlungen. Die Autobahn A 6, fügte Dechant hinzu, führe zwar durch das Gemeindegebiet. Doch dort kämen die lokal angesiedelten Wehren nicht zum Einsatz. Zudem floss laut Dechant auch die Löschwasserversorgung mit in den Bedarfsplan ein.

LF 20 für Wolfring

Als Schwerpunkte bei den größeren Betrieben führte Markus Dechant die Unternehmen Buchtal, Godelmann und Tyczka an. Das Tyczka-Gaslager bei Freihöls nannte der Gutachter einen mit Blick auf mögliche Störfälle hoch angesiedelten Betrieb. Was folgte, war die erste Überraschung seines Vortrags: Angesichts möglicher Einsätze riet er dazu, die am nächsten gelegene Wehr Wolfring mit einem LF 20 auszurüsten. Über solche Fahrzeuge verfügen im Regelfall nur größere Feuerwehren.

Dechant kam auch auf sogenannte Rettungssätze zu sprechen, die beispielsweise bei Verkehrsunfällen gebraucht werden. Die Feuerwehr Dürnsricht verfügt über eine solche Gerätschaft. Nach Dechants Erhebungen wäre aber dieser Rettungssatz besser bei der FFW Högling aufgehoben. Danach wandte sich der Experte den drei Feuerwehrhäusern zu und beschrieb, dass dort baulicher Nachholbedarf besonders im Hinblick auf die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften bestehe. Angesichts immer größer werdender personeller Schwierigkeiten bei Alarmierungen untertags empfahl Dechant, mit Blick auf Einstellungen von Gemeindebediensteten darauf zu achten, "dass sie Feuerwehrdienst leisten wollen und womöglich über nötige Führerscheine verfügen".

Dabei blickte Markus Dechant auf den südlichen Kreis Schwandorf und berichtete, dass sich dort unterdessen sechs Feuerwehren aus der Tagesalarmierung wegen fehlender Kräfte abgemeldet haben.

Noch kein Beschluss

Das Fazit von Bürgermeister Christian Ziegler lautete nach über einer Stunde: "Das alles muss nicht morgen umgesetzt werden. Wir lassen es sacken und denken nach." Zur Eile könne die Gemeinde niemand antreiben und auch nicht befehlen, plangemäß zu handeln. Gleichwohl fügte Gemeinderat Franz Ziegelmeier hinzu: "Der Bedarfsplan ist eine Grundlage. Wir sollten uns daran halten." Die Beschlussfassung über das von Markus Dechant vorgelegte Papier bleibt nun einer der nächsten Plenumssitzungen vorbehalten.

Wärmebildkameras: Vier GegenstimmenUnter der Führung des 2015 verstorbenen Bürgermeisters Hans Schrott hatte der Gemeinderat den Beschluss gefasst, den drei Feuerwehren im Gebiet von Fensterbach künftig nicht mehr zu erlauben, Ausrüstungsmittel aus der eigenen Vereinskasse zu beschaffen. Damit sollte nach Schrotts Auffassung eine Art "Wettrüsten" unterbunden werden. Das ist nun hinfällig.

Weil in einem dem Plenum vorgelegten Bedarfsplan empfehlend steht, die Wehren Högling, Wolfring und Dürnsricht sollten Wärmebildkameras bei Brandeinsätzen mit sich führen und es dafür bis um Jahresende staatliche Zuschüsse gibt, empfahl Bürgermeister Christian Ziegler, die nötigen Anträge zu stellen und den Wehren zu gestatten, die Kameras aus Eigenmitteln zu kaufen. Das stieß auf Widerspruch.

Vizebürgermeister Josef Sturm wunderte sich: "Damals ging es um eine solche Kamera und wir haben nicht zugestimmt. Jetzt sind es auf einmal drei. Was macht das für einen Sinn?" Trotzdem nahm die vom Bürgermeister vorgeschlagene Verfahrensweise die Hürde des Plenums. Allerdings mit vier Gegenstimmen. (hou)


Das alles muss nicht morgen umgesetzt werden. Wir lassen es sacken und denken nach.Bürgermeister Christian Ziegler
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