Expertengutachten zur Feuerwehr
Plan mit Überraschungseffekten

Vermischtes
Fensterbach
17.12.2016
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Sie waren ausgerückt. Diesmal allerdings nicht zum Einsatz. Mitglieder der Feuerwehren Wolfring, Dürnsricht und Högling kamen ins Rathaus, um die Diskussion des Gemeinderats über einen von fachlich versierter Seite erarbeiteten Bedarfsplan zu hören.

Drei Feuerwehren im Gemeindegebiet, drei Gerätehäuser und die seit langem immer mal wieder auftauchende Frage: Braucht man das alles? Um genaue Erkenntnisse und damit gleichsam einen Leitfaden für künftige Entscheidungen zu haben, hatte das Plenum im Frühjahr die Ausarbeitung eines sogenannten Bedarfsplans beschlossen und damit den in Maxhütte-Haidhof ansässigen Markus Dechant beauftragt.

Kein Einsatz auf der A 6

Dechant ist Sachverständiger, er dient in seiner Freizeit als Kreisbrandmeister für den Bereich Burglengenfeld. Er kam zur Jahresschlusssitzung ins Rathaus und stellte seine bei mehreren Ortsterminen und Besprechungen gewonnenen Erkenntnisse vor. Dabei, so unterstrich er, sei nach diversen Kriterien vorgegangen worden. Der Experte nannte die flächenmäßige Ausdehnung der Gemeinde, die Einsatzzahlen, die Bevölkerungsstruktur, das Vorhandensein von Industrieansiedlungen. Die Autobahn A 6, fügte Dechant hinzu, führe zwar durch das Gemeindegebiet. Doch dort kämen die lokal angesiedelten Wehren nicht zum Einsatz. Zudem floss laut Dechant auch die Löschwasserversorgung in den Bedarfsplan mit ein.

Als Schwerpunkte bei den größeren Betrieben nannte Markus Dechant die Unternehmen Buchtal, Godelmann und Tyczka. Das Tyczka-Gaslager bei Freihöls nannte der Gutachter einen mit Blick auf mögliche Störfälle hoch angesiedelten Betrieb. Was folgte, war die erste Überraschung seines Vortrags: Angesichts möglicher Einsätze riet er dazu, die am nächsten gelegene Wehr Wolfring mit einem LF 20 auszurüsten. Über solche Fahrzeuge verfügen im Regelfall nur größere Feuerwehren.

Dechant kam auch auf sogenannte Rettungssätze zu sprechen, die beispielsweise bei Verkehrsunfällen gebraucht werden. Die Feuerwehr Dürnsricht verfügt über eine solche Gerätschaft. Nach Dechants Erhebungen wäre aber diese besser bei der Feuerwehr Högling aufgehoben. Danach wandte sich der Experte den drei Feuerwehrhäusern zu und machte baulichen Nachholbedarf besonders im Hinblick auf Unfallverhütungsvorschriften aus.

Tagsüber fehlen Kräfte

Angesichts immer größer werdender personeller Schwierigkeiten bei Alarmierungen untertags empfahl Dechant, mit Blick auf Einstellungen von Gemeindebediensteten darauf zu achten, "dass sie Feuerwehrdienst leisten wollen und womöglich über nötige Führerscheine verfügen". Dabei blickte er auf den südlichen Kreis Schwandorf und berichtete, dass sich dort unterdessen sechs Feuerwehren aus der Tagesalarmierung wegen fehlender Kräfte abgemeldet haben.

Das Fazit von Bürgermeister Christian Ziegler lautete nach über einer Stunde: "Das alles muss nicht morgen umgesetzt werden. Wir lassen es sacken und denken nach." Zur Eile könne die Gemeinde niemand antreiben und ihr auch nicht befehlen, plangemäß zu handeln. Gleichwohl fügte Gemeinderat Franz Ziegelmeier hinzu: "Der Bedarfsplan ist eine Grundlage. Wir sollten uns daran halten." Der Beschluss über das von Dechant vorgelegte Papier bleibt einer der nächsten Sitzungen vorbehalten.

Drei WärmebildkamerasUnter der Führung des 2015 verstorbenen Bürgermeisters Hans Schrott hatte der Gemeinderat den Beschluss gefasst, den drei Feuerwehren im Gebiet von Fensterbach nicht mehr zu erlauben, Ausrüstungsmittel aus der eigenen Vereinskasse zu beschaffen. Damit sollte nach Schrotts Auffassung eine Art "Wettrüsten" unterbunden werden. Das ist nun hinfällig.

In einem dem Plenum vorgelegten Bedarfsplan steht empfehlend, die Wehren Högling, Wolfring und Dürnsricht sollten Wärmebildkameras bei Brandeinsätzen mit sich führen. Weil es bis zum Jahresende staatliche Zuschüsse gibt, empfahl Bürgermeister Christian Ziegler, die nötigen Anträge zu stellen und den Wehren zu gestatten, die Kameras aus Eigenmitteln zu kaufen.

Das stieß auf Widerspruch. Vizebürgermeister Josef Sturm wunderte sich: "Damals ging es um eine solche Kamera und wir haben nicht zugestimmt. Jetzt sind es auf einmal drei. Was macht das für einen Sinn?" Trotzdem nahm die vom Bürgermeister vorgeschlagene Verfahrensweise die Hürde des Plenums. Allerdings mit vier Gegenstimmen. (hou)
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