06.09.2017 - 16:56 Uhr
FensterbachOberpfalz

Genehmigte Sandgruben-Erweiterung: Freihölser Bürger befürchten Sprengschäden Godelmann kauft Sandgrube

Mit diesem Besitzerwechsel hatte keiner gerechnet. Das Unternehmen Heidelberger Sand und Kies GmbH hat die heftig umstrittene Sandgrube bei Freihöls verkauft und das knapp 29 Hektar große Gelände an den Steinerzeuger Godelmann abgegeben. Der neue Eigentümer schildert, wie es in dem Tagebau "Amberg-Ost" weitergehen soll.

Die heftig umstrittene Sandgrube bei Freihöls: Sie gehörte einst dem Amberger Speditionsunternehmen Flierl, wechselte dann in den Besitz von Heidelberger Sand und Kies GmbH. Seit dem 1. September 2017 ist sie im Eigentum der Steinerzeugerfirma Godelmann mit Sitz in Högling. Der Rohstoff wurde dort bisher durch Eruptionen gewonnen, zu denen laut eines bestehenden Gutachtens bis zu 14 Zentner Sprengstoff verwendet werden. Bild: hou
von Autor HOUProfil

-Freihöls. Am 1. September wurden in Heilbronn bei einem Notar Verträge unterzeichnet, denen lange Verhandlungen vorausgegangen waren. Das Ziel dabei: Heidelberger Sand und Kies wollte die zunehmend mehr in den kritischen Fokus der Öffentlichkeit geratene Tagebaugrube westlich des Dorfes Freihöls (Gemeinde Fensterbach) nicht länger behalten.

Dazu muss man wissen: Eine von dem Unternehmen mit großem Aufwand betriebene Erweiterung der Grube um rund 24 Hektar war letztlich an einer formalen Grundvoraussetzung gescheitert. "Heidelberger bekam die zur Vergrößerung nötigen Grundstücke nicht", sagt der neue Eigentümer Bernd Godelmann. Damit sei klar gewesen: "Der ohne diese Areale vorhandene Sand reicht nur noch für sehr begrenzte Zeit." Also Rückzug für ein Unternehmen, das bei der Gemeinde Fensterbach und den Bewohnern von Freihöls in den Ruf der Arroganz geraten war.

Godelmann, nur knapp zwei Kilometer weg von der Grube in Högling ansässig, hatte in der Vergangenheit rund 70 Prozent des aus der Grube kommenden Rohstoffs bezogen. "Wir brauchen ihn dringend für unsere Produktion", beschreibt Bernd Godelmann das Interesse am Kauf der Liegenschaft. Jetzt haben er und sein Vater, Bernd Godelmann sen., das vorhandene Gruben-Areal erworben.

Neue Varianten

Die Heidelberger Sand und Kies GmbH aus Mecklenburg-Vorpommern hat am vergangenen Freitag das Gelände offiziell übergeben. Nun macht Godelmann weiter. Die Frage lautet: Gelingt es dem Unternehmen, verloren gegangenes Vertrauen bei der an die Sandgrube grenzenden Bevölkerung zurück zu gewinnen? "Wir sind ein in dieser Region tief verwurzelter Betrieb", unterstreicht Bernd Godelmann und fügt hinzu: "Unser Haus ist auf gute Nachbarschaft immer bedacht gewesen". Anders ausgedrückt: Keine Konfrontation mit Menschen, die sich, veranlasst durch teilweise massive Sprengungen, tiefe Sorgen um ihre Häuser machten und dies noch immer tun. Wird nach dem Besitzerwechsel weiter gesprengt? "Zumindest einmal wird es das noch geben", lässt Godelmann durchblicken. Parallel dazu aber seien intensive Prüfungen im Gange, ob man den Sand auch durch andere Vorgehensweisen gewinnen könne. Zum Beispiel durch Bagger mit sogenannten Reißzähnen. Im Fachjargon heißen sie "Ripper".

Laufende Verhandlungen

Auf dem momentan vorhandenen Betriebsgelände ist Sand zur Mangelware geworden. Ausreichend für vielleicht noch maximal zwei Jahre. Bernd Godelmann will also, wie seine Vorgängerfirma, erweitern. Ob er die dazu notwendigen Grundstücke erwerben kann, lässt der Unternehmer offen. Nur so viel dazu: "Es gibt Gespräche." Würde Godelmann die Wald- und Grasflächen tatsächlich in seinen Besitz bringen, könnte der 35 Meter tiefe Sandabbau bis auf rund 250 Meter an den westlichen Dorfrand von Freihöls heranrücken. Käme es dabei auch künftig zu Sprengungen, müsste er mit weiterem Widerstand der Bevölkerung rechnen. Das ist ihm bewusst. Eine zusätzliche Option für die Zukunft wäre eine Abbau-Erweiterung in westliche Richtung. Dort, auf dem Gebiet der Gemeinde Ebermannsdorf, wäre ebenfalls Sand im Boden. "Auch das prüfen wir", lässt der neue Grubenbesitzer durchblicken. Mit Widerstand hätte er in diesem Fall kaum zu rechnen. Denn dort gibt es keine Wohnbebauung. Aber: Das fragliche Waldgebiet gehört zu großen Teilen dem Staatsforst. Mit dieser Behörde seien ebenfalls Gespräche im Gang. Für ein solches Vorhaben müsste allerdings ein neues Planfeststellungverfahren anlaufen.

Besitzerwechsel und Folgen

Der neue Sandgrubeneigentümer Bernd Godelmann sieht sich vertraglich in die Pflicht genommen, den Abbaubereich sukzessive weiter aufzufüllen und zu rekultivieren. Das geschieht bereits seit längerer Zeit. Godelmann hat die bisher in der Grube beschäftigten drei Mitarbeiter übernommen und setzt eigene Fachleute hinzu. Er unterstreicht: "Wir werden überwachen, was dort hinein gekippt wird." Die Gemeinde Fensterbach hatte den damaligen Betreiber Heidelberger Sand und Kies GmbH nach einem Ratsbeschluss aufgefordert, einen ehedem von Freihöls aus hinüber und quer durch die jetzige Grube führenden Weg nach Diebis vertragsgemäß bis 2018 wieder herzustellen. Dazu gibt es nach Angaben des Bürgermeisters Christian Ziegler einen Brief des Unternehmens, dem sich entnehmen ließ, dass dies so stattfinden werde. Technisch aber wäre eine solche Wiederherstellung angesichts der Grubendimension niemals möglich gewesen. Nun sagt der neue Eigentümer: "Wir machen das. Aber es geht nicht bis zum nächsten Jahr." Aus seinem Urlaubsort in Italien hat sich Bürgermeister Ziegler zu dem Besitzerwechsel geäußert. Er ließ wissen: "Ich begrüße diese Entwicklung." Das Unternehmen Godelmann gelte als Wirtschaftspartner, "der sich an die Gepflogenheiten hält." Von daher, so das Gemeindeoberhaupt, "hoffe ich sehr darauf, dass die Bürger unseres Ortsteils Freihöls nicht länger unter Sprengungen zu leiden haben." (hou)

Die ersten Gerüchte zu einer Erweiterung der Sandgrube bei Freihöls waren vor fünf Jahren im Umlauf. Die Dorfbewohner, in der davor liegenden Zeit immer wieder durch massiv erfolgte Sprengungen tief besorgt um ihre Anwesen, wollten es genauer wissen. Daraufhin gab es an dem Tagebau eine spontane Informationsveranstaltung durch die Betreiberfirma Heidelberger Sand und Kies GmbH. Was die Freihölser dabei erfuhren, ließ sie auf die Barrikaden gehen. Denn es zeigte sich: Die Sandgrube sollte um das Doppelte ihrer damaligen Größe von 24,8 Hektar (plus vier Hektar Wald) erweitert werden, großteils in östlicher Richtung auf den Ort zu.

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