Ausstellung im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel
Hymne auf die Schönheit des verfalls

Auf das Wesentliche beschränkt: Tisch, Stuhl, Ablage, Telefonanlage.
Kultur
Fichtelberg
18.05.2017
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Wunsiedel. (gis) Geht der Mensch, holt sich die Natur in wenigen Jahren das zurück, was ihr einmal genommen wurde. Links liegen gelassen, vergessen und den Elementen ausgeliefert, fristen diese "Lost Places" vielerorts ein einsames Dasein.

"Betritt man diese Gebäude jedoch wachsamen Auges, nimmt man den Geruch auf, verfolgt die Spuren des Verfalls, der hinterlassenen Gegenstände und lauscht den Geräuschen, dann eröffnet sich eine faszinierende Welt aus Farben, Strukturen und oft dem Untergang geweihter Bausubstanz", schildert Fotograf Jörg Schleicher seine Eindrücke. "Und wenn man sich mit allen Sinnen einlässt, fangen diese Gebäude an, ihre Geschichte zu erzählen, von dem, was hier geschehen ist, von den Menschen, die hier gelebt, gearbeitet oder gelitten haben."

Diese verlorenen oder vergessenen Orte, die dem Zerfall ausgesetzt sind und deren Zukunft im Ungewissen liegt, verewigte Jörg Schleicher mit künstlerischem Blick und außergewöhnlicher Perspektive. Er entführt mit seinen ausdruckstarken, anziehungskräftigen Bildern in eine vergessene Welt und erzählt die Geschichten. Gleichzeitig dokumentiert er dabei Orte, über die man sonst nichts erfahren würde. "Doch die Fotografien sind keine Mahnung, hier und dort mal wieder aufzuräumen", betont der Künstler. Es gehe vielmehr um morbide und skurrile Schönheiten, um die Schönheit des Alterns und des Verfalls.

In mehr als 30 Fotografien, teils als großformatige Werke zu sehen, zeigt die Ausstellung "Lost Places" im Fichtelgebirgsmuseum die schönsten vergessenen Orte in Deutschland und dem benachbarten Ausland, ein unwiederbringliches Zeitzeugnis in Bildern.

"Die Infanterieschule" ist einer von den Plätzen, die Jörg Schleicher am meisten beeindruckten. "Über 100 Jahre ist es her, dass dieser gewaltige Truppenübungsplatz der preußischen Armee errichtet wurde. Monströse Häuser entstanden und die Infrastruktur wurde ausgebaut. 1913 zogen die ersten Soldaten in Wünsdorf ein. Auch die Nazis und die Russen nutzten den Standort für ihre Zwecke. Mit dem Abzug der Sowjets 1994 endete die militärische Bedeutung. 60 000 Menschen machten sich auf den Weg zurück nach Russland und die Kasernen blieben still und einsam zurück.

Der FotografJörg Schleicher, geboren 1968 in Rehau, ist seit mehr als 25 Jahren künstlerisch aktiv. Er sieht sich als Wanderer zwischen den Welten. Zwischen 2000 und 2006 bewegte er sich weltweit in der Street-Art-Fotografie. Es folgten erste Ausstellungen in der Halunkenburg und in der Klostergalerie in Hof. Seine neueren Arbeiten spiegeln eindrucksvoll seine Liebe zur Lost Place- und Portrait-Fotografie wieder. (gis)
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