26.03.2018 - 20:00 Uhr
Fichtelberg

christliche Volksbräuche in der Karwoche 150 Jahre alte Karfreitagsratschn

Mindestens 150 Jahre alt ist die große Karfreitagsratschn, die ich schon als zehnjähriger Ministrant betätigen durfte", erinnert sich Hans Wolf (80). "Und da gab's oft kleine Kämpfe und Raufereien, wer als Erster dran kommt - um dann mit viel Schwung und Freude an dem Gerät zu drehen."

Einen Blick in die Vergangenheit warfen (von links) Hans Wolf, Pfarrgemeinderatssprecher Joachim Rubenbauer und Pfarrer Ferdinand Weinberger. Bild: gis
von Gisela KuhbandnerProfil

"Gerne macht er schon mal einen Probeversuch, ob die Ratschn noch funktioniert. Tut sie. Einwandfrei, laut und nicht zu überhören. Während des Jahres steht sie auf dem Kirchenboden oder im Turm, "kommt aber in wenigen Tagen wieder zu Ehren, wenn sie das Glockenläuten am Karfreitag bis zum Ostersamstag ersetzt" sagt Pfarrer Ferdinand Weinberger.

Mit der Karfreitagsratschn ist einer der alten christlichen, bis heute erhaltenen Volksbräuche in der Karwoche verbunden, wovon es in der Region allerdings nur wenige gibt: So sollte am Gründonnerstag auf alle Fälle "wos Gräins" gegessen werden, Salat oder Kräuter, die man unter den Kartoffelsalat oder das Spiegelei mischte.

Die an diesem Tag gelegten Eier wurden mit einem Kreuz gekennzeichnet, das auch nach dem Färben noch sichtbar war, um die "Gräidorschta-Oia" herauszufinden, die nur von Männern gegessen wurden - als Kraftspender für dass ganze Jahr.

Die Karfreitags-Eier dagegen gehörten den Frauen. Am Gründonnerstag im Gottesdienst nach dem Gloria verstummen die Glocken bis zur Osternacht und kündigen strenges Fasten an. "Sie schweigen aus Trauer und fliegen nach Rom", heißt es im Volksmund," um sich den Segen des Papstes zu holen". In Mehlmeisel rufen die Ministranten allerdings nur mit kleinen Ratschn zum Gottesdienst. Die große Karfreitagsratschn ist nicht mehr auffindbar. Das System der kleinen und großen Ratschn beschreibt der Kultur- und Volksmusikwart und Vorsitzender des Heimat- und Volkstrachtenvereins "d'Fichtelseer" so. "Federnd zu spannende schmale Leisten, aufgenagelt auf einem schräg aufgebockten Brett, die mit einer Kurbelwinde von Hand wechselweise wie Hämmerchen herabschnellen und dann weithin ratschen. Laut, vernehmlich und unüberhörbar - bis in der Osternacht dann die Glocken wieder klangvoll und mächtig das Alleluja verkünden: "Christus ist auferstanden". Frohe Ostern.

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