26.01.2018 - 13:04 Uhr
FichtelbergOberpfalz

"Gleißinger Fels" wird saniert Das Tor ins Erdinnere

Ein Edelstein, der seine Natürlichkeit nicht verliert: So bezeichnet José-Ricardo Castro-Riemenschneider den "Gleißinger Fels". Der Vorsitzende erzählt, was mit dem ehemaligen Bergwerk ab dem Frühjahr passieren wird.

So soll das Besucherbergwerk nach Sanierung und Erweiterung aussehen. Bild: exb/ghswArchitekten, Klaus Greim
von Gisela KuhbandnerProfil

Das älteste und größte Eisenerzbergwerk Nordostbayerns, der "Gleißinger Fels" wird erweitert und saniert. Es zählt zu einem der interessantesten historischen Besucherbergwerke in ganz Deutschland und ist sommers wie winters eine große Attraktion weit über die Grenzen Fichtelbergs hinaus. Die Kosten von circa eineinhalb Millionen Euro werden von der Regierung von Oberfranken mit 85 Prozent mit Mitteln aus der Europäischen Union des Programms zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit Freistaat Bayern - Tschechische Republik gefördert.

Bauträger, Eigentümer und späterer Betreiber ist die Montan-Stiftung Nordostbayern mit ihrem Vorsitzenden, dem ehemaligen Bürgermeister von Fichtelberg, José-Ricardo Castro-Riemenschneider. Die Stiftung ist Partner der grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit der Tschechischen Republik mit Eger und Franzensbad (das Soos und Kammbühl).

Wer sich auf Abenteuerreise in die Unterwelt des wuchtigen Ochsenkopfmassivs begibt, durch uralte handgeschlagene Stollen, vorbei an einem 35 Meter tiefen senkrechten Schacht, erreicht bald schwindelerregende, riesige aus silberglänzendem Erz bestehende Hohlräume, kann bei den "Höhlenmalereien" der Natur seiner Fantasie freien Lauf lassen, schaudert vor schwindelnden Höhen und gruselnden Tiefen, bekommt große Augen angesichts der vielen glänzenden, funkelnden, gleißenden Schätze ... Aber: Schon länger wurde dem Besucher das Gefühl einer langjährigen Zeitstarre in dem derzeit geschlossenen Bergwerk, an dem der Zahn der Zeit kräftig genagt hat, vermittelt.

Deshalb beginnen nun nach intensiver Vorbereitungs- und Planungsphase im Frühjahr mit dem ersten Spatenstich die Arbeiten für die Erweiterung und Sanierung des "Gleißinger Fels". Dieses "Tor ins Erdinnere", so der Name des Projekts, soll ein Leuchtturmprojekt werden, "das Kultur, Tradition und Bergbaugeschichte, mit der die Fichtelgebirgsgemeinde eng verbunden ist, an nachwachsende Generationen weitergibt und die Wichtigkeit des Bergbaus unterstreicht". Das ist die Philosophie des Projekts, wie Castro-Riemenschneider bei der Vorstellung der Pläne und Planungen sagt.

So ist im Anschluss an den kleinen Vorplatz, der zum zentralen Aufenthaltsbereich im Freien aufgewertet werden soll, in nördlicher Richtung der Anbau eines erdgeschossigen Funktionstrakts geplant. Dieses Betriebsgebäude ist mit dem oberirdischen Teil - Kaue und Vorraum zur Kaue - verknüpft. Mit dem Gebäude entsteht im Eingangsbereich eine transparente, Platz schaffende Aufenthalts- und Verweilzone für Besucher und Besuchergruppen - vor allem auch für Schulklassen - die sich unabhängig vom Wetter dort aufhalten können und sich aufgrund der Glaswände immer mit der Natur draußen verbunden fühlen.

Außerdem wird es barrierefrei ein "Klassenzimmer unter Tage" mit Vortrags- und Schulungsraum sowie Platz für Ausstellungen mit verstellbaren Wänden, Film und Infos geben. Auch das Umfeld wird ansprechender gestaltet. Wasserversorgung, Beleuchtungen mit speziellen Lichteffekten, sanitäre Anlagen und vieles mehr werden neu. Das Material - Holz, Glas, Granit - bestätigt den engen Kontakt zur Natur. Die Granitmauer bleibt erhalten. Von der Straße her ist das Gebäude nicht einsehbar, weil das Dach begrünt wird.

"Das Projekt wird sicherlich dem Tourismus über Grenzen hinweg förderlich sein", sagt Castro-Riemenschneider. Denn es soll ein Themenweg entstehen, der in Fichtelberg beginnt, über Bad Alexandersbad und Hohenberg nach Franzensbad und Soos, über Eger und zurück führt

Ziel ist eine enge, auf Nachhaltigkeit basierende Zusammenarbeit der Partner, die sich ergänzen und voneinander lernen. Dabei steht vor allem auch der Austausch von Schülern und Jugendlichen im Raum, sagt der Vorsitzende, dem der "europäische Gedanke über alle Generationen hinweg sehr wichtig ist". So sind unter anderem Besuchervermittlung, Veranstaltungen, Ausstellungen, Workshops, gemeinsames Marketing und Vernetzung der neuen Medien geplant.

Das Bergwerk ist auch ein gutes Winterquartier für Fledermäuse. Daher gilt dem Artenschutz vor jeder Baumaßnahme höchste Priorität. Denn Natur und Bergwerk sind eine Symbiose, sagt der ehemalige Bürgermeister. Das Bergwerk ist wie ein Edelstein, der seine Natürlichkeit nicht verliert.

Tschechisches Projekt

Das Soos ist ein bedeutendes nationales Naturreservat im Egerbecken. Hier werden ein Besucherzentrum und ein Schulungspavillion gebaut. Der zweite Baustandort in Tschechien befindet sich in Kammerbühl, dort soll der verschüttete Zugang freigelegt werden. (gis)

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