achtfacher Deutscher und vielfacher Bayerischer Meister im Skilauflauf
Haferflocken statt Doping

Sport
Fichtelberg
02.02.2018
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Wenn am kommenden Freitag, 9. Februar, die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang beginnen, wird ein Mann den deutschen Skilangläufern besonders die Daumen drücken. Edgar Eckert aus Neubau. Der ehemalige Spitzensportler war selbst einmal in der olympischen Spur. Der achtfache deutsche und vielfache Bayerische Meister krönte 1972 in Sapporo seine Karriere.

Fichtelberg/Neubau. Bereits mit vier Jahren stand der Spitzensportler aus Neubau auf Skiern, baute mit seinen Kameraden Sprungschanzen auf Bergen und Hügeln rings um Fichtelberg und Neubau. "Außer der Schule und dem Sport hatten wir ja sonst nichts. Damals gab es weder Lifte noch Fernsehen. Wir waren den ganzen Nachmittag draußen, fuhren Ski, sprangen und tollten im Schnee herum."

Vielleicht war das bereits einer der Grundsteine für seine erfolgreiche sportliche Laufbahn. Denn wer in der Chronik des Skiclubs Neubau blättert, stößt schon in den Siegerlisten der Schülerklassen auf den Namen Edgar Eckert, eine Entwicklung, die sich in den Jugendklassen fortsetzte. Und bereits als 15-jähriger wurde er in Bischofsheim "Bayerischer Jugendbester."

Beim Bundesgrenzschutz konnte der gelernte Werkzeugmacher trainieren: "Für den, der Leistungssport betreiben will, ist das die einzige Möglichkeit, sonst bleibt man auf der Strecke". Eckert räumt aber auch ein, dass er schon "sehr großes Lauftalent" mitbrachte. " Als Nordischer Sportler muss man immer dem Schnee hinterherfahren, während andere Leistungssportler beim Training von den Gegebenheiten nicht so stark abhängig sind", sagt Eckert.

Kunststoff statt Holz

1974/75 ersetzten leichtere und schnellere Skier aus Kunststoff das Holz, was auch die Lauftechnik veränderte. Mit der Nummer eins im Deutschen Skisport, dem Bayreuther Walter Demel, zählte Eckert zu den besten Langläufern in der Nationalmannschaft des Deutschen Skiverbandes, wo die Oberfranken auch immer ganz vorne mitmischten.

1969/70 ist der erfolgreichste Winter für seinen Heimatverein, den SC Neubau. Bei den Deutschen Meisterschaften erringt Eckert den Titel des Vizemeisters über 30 Kilometer, über 15 Kilometer gelingt ihm dann sogar das Kunststück, den damals legendären Bayreuther Spitzensportler zu schlagen und Deutscher Meister über diese Strecke zu werden.

Essen mit dem König

"Bei internationalen Wettbewerben aber hatten es die Deutschen sehr schwer", erinnert sich Eckert. "Wir mussten uns mit gedopten osteuropäischen Sportlern messen und konnten denen aber nur Haferflocken entgegensetzen", schmunzelt er, "Die sind zwar gesund, aber man läuft damit keine Sekunde schneller." Deshalb ist Eckert besonders stolz auf den siebten Platz beim Weltcup in Nordfinnland 1973 und auf den 29. Platz am Holmenkollen, wo er anschließend mit weiteren erfolgreichen Skilanglaufsportlern sogar vom norwegischen König zum Essen eingeladen wurde.

Doch zurück zur Winterolympiade im Jahr 1972: "Wir waren aufgeregt und sehr nervös, als wir nach einem langen Flug - mit einer Rast am Nordpol, denn über Russland durfte man nicht fliegen - in Sapporo ankamen, begrüßt von überaus freundlichen Hostessen und beobachtet und begleitet von vielen Presseleuten." Dann hieß es akklimatisieren im olympischen Winterdorf, die Strecke im 30 Kilometer von Sapporo entfernten Skigebiet kennenlernen und Training, Training, Training. Eckert konnte sich bei den Wettbewerben im ersten Drittel platzieren, "obwohl 30 und 50 Kilometer, die ich zu laufen hatte, nicht meine Paradestrecken waren, sondern 15 Kilometer", bedauert er noch heute. Anschließend ging es gleich weiter zu Weltcups in Skandinavien.

In seinem Sportfachgeschäft in Neubau hat der rote Ski, (der zweite existiert leider nicht mehr) der die olympischen Spiele mit "bestritt", natürlich einen Ehrenplatz. Mindestens dreimal wöchentlich ist Eckert noch mit Langlaufskiern auf der Loipe unterwegs, privat oder als Skilanglauflehrer.

Das Langlauf-Gen hat er zwar an seine Kinder vererbt: Tochter Anja wurde zweimal Bayerische Meisterin im Skilanglauf, Sohn Jens Bayerischer Meister im Biathlon. Beide wollten aber eine sportliche Karriere nicht weiter verfolgen.

Und dass Edgar Eckert vor zwei Wochen seinen - sage und schreibe - 70. Geburtstag feierte - nimmt ihm wohl keiner ab. "Ich hab'auch mein Gewicht gehalten" schmunzelt er.
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