04.03.2018 - 17:44 Uhr
Fichtelberg

Dr. Stefan Pecher berichtet über Olympische Winterspiele in Pyeongchang Piste statt Praxis

Turin, Vancouver, Sotschi: Die Olympischen Winterspiele in Südkorea waren für Dr. Stefan Pecher nicht die ersten. Trotzdem sind sie für den Mannschaftsarzt der deutschen Nordischen Kombinierer und Skispringerinnen außergewöhnlicher als alle anderen.

Zeit für ein Selfie! Ab und zu hatte Sportmediziner Stefan Pecher (rechts) bei den Olympischen Spielen Zeit, mit Björn Kircheisen (links) und Eric Frenzel Langlauf-Runden zu drehen. Bilder: exb (2)
von Marion Espach Kontakt Profil

In Pyeongchang hat Dr. Stefan Pecher etwas erlebt, was er vorher noch nie gespürt hat. "Unglaublichen Team-Spirit", schwärmt der Sportmediziner aus Fichtelberg (Kreis Bayreuth). "Was aber auch mit den Erfolgen unserer Athleten zu tun hatte", ergänzt er.

Aber nicht nur: Die Koordination der Winterspiele sei top gewesen, die Organisation des Deutschen Hauses perfekt. "Das ist eine Art Treffpunkt für Sportler, Trainer und alle, die dazugehören", erklärt der 51-Jährige. Normalerweise - wie der Name vermuten lässt - nur für Beteiligte aus Deutschland, bei der Feier am Ende der Olympiade aber auch für Norweger, Finnen und Österreicher. "Da haben wir richtig groß mit vielen Leuten gefeiert."

Und vor allem lange. "Bis sieben Uhr morgens ging es. Der Olympiasieger wollte mich nicht eher ins Bett gehen lassen", sagt Pecher und lacht. Eine ausgiebige Feier, die gerechtfertig war. "Unsere Athleten haben in Pyeongchang ja auch starke Leistungen abgeliefert." Pecher hat die Nordischen Kombinierer und Springer-Damen betreut, sie jeden Tag durchgecheckt und mit ihnen gesprochen - er weiß also, was sie geleistet haben.

Eigener Koch

Damit die Sportler ihre Bestleistung abrufen konnten, gab es für sie auch nur das Beste. Statt im Olympischen Dorf quartierten sich unter anderem die deutschen Slalom-Fahrer, Nordischen Kombinierer und Skispringer in einem Hotel ein. "Das Dorf war viel zu klein und die Sauberkeit mangelhaft. Wir wollten vermeiden, dass sich irgendjemand mit irgendwas ansteckt", erklärt Pecher die Entscheidung.

Ein eigener Koch sorgte jeden Tag für genügend Obst, Gemüse und frische Gerichte auf dem Teller. Außerhalb des Hotels zu speisen war tabu. "Dafür hat nach Eric Frenzels erstem Sieg jeder ein richtig gutes Steak bekommen." Extra aus Deutschland eingeflogen: Fleisch in Südkorea enthält Stoffe, die einen Doping-Test positiv ausfallen lassen würden.

Stressiger Spaß

Konferenzen, Doping-Kontrollen und Gesundheits-Checks: Pecher war jeden Tag bis abends auf den Beinen. Für ihn sei Pyeongchang kein Urlaub gewesen, auch wenn das viele meinten. "Meine Frau sagt immer, dass ich nach einer Winter-Olympiade gestresster ausschaue als vorher", erzählt der Arzt. Pecher ist schon längst wieder im Alltag ohne Olympische Winterspiele angekommen. "Aber klar, am Anfang fehlt was", gibt er zu. Dafür hat er Erlebnisse, die er mit anderen teilen kann. So wie die Begegnung von Skispringern und Bobfahrern im Kraftraum. Alle machen Beinpressen, jeder mit 250 Kilogramm. "Eigentlich meint man, dass die muskelbepackten Bobfahrer das leichter stemmen als die großen, schlanken Springer." Falsch gedacht. Die Fliegengewichte zogen die 250 Kilo locker weg. "Da haben die anderen ganz schön geschaut."

Gefühlsbeladene Momente hat es während der Winterspiele genügend gegeben. Der emotionalste für Pecher war aber, als Eric Frenzel seine erste Goldmedaille holte. "Ich kenne ihn seit 15 Jahren und weiß, dass das sein größter Traum war." Es sei schon etwas Besonderes gewesen, dabei zu sein, als der Traum endlich wahr wurde.

So geht's weiter

Kaum sind die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang vorbei, geht es für Sportmediziner Stefan Pecher auch schon wieder weiter.

Von 16. bis 18. März steht der Kombinations-Weltcup in Klingenthal im Vogtlandkreis an. Beim FIS-Weltcup Nordische Kombination am 24./25. März kämpfen die Athleten um den Schwarzwald-Pokal. "Und im April starten auch schon wieder die Vorbereitungen für die Winterspiele 2019", ergänzt Pecher. Ob er da wieder dabei ist? "Mal schauen." (esm)

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