23.08.2017 - 20:00 Uhr
FloßOberpfalz

Flosser Synagoge bekommt durch gemeinsame Kraftanstrengung Zukunft Denkmal der Versöhnung

1967 steht die Zukunft der Synagoge in Floß am Scheideweg. Die Frage lautet: Restaurierung oder Abbruch? Im Markt gibt es vor 50 Jahren weder eine jüdische Gemeinde noch jüdische Einwohner.

In würdevoller Pracht erstrahlt die Flosser Synagoge mit Blick auf den Thoraschrein nach der bislang letzten Restaurierung 2005. Bilder: le (2)
von Redaktion OnetzProfil

Der große Durchbruch kam am 7. Januar und 30. März 1971 bei den Verhandlungen des Marktes, vertreten durch Bürgermeister Hans Ruckdäschel und Amtsinspektor Fred Lehner, mit Diplomingenieur Stefan Schwarz aus München. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege München signalisierte positive Resultate, um das Oberpfälzer Kunstdenkmal zu erhalten.

Das bestätigte sich bei den Verhandlungen am 22. April 1971 mit Oberkonservator Hubert Bauch, Stefan Schwarz, Landrat Christian Kreuzer, Hans Ruckdäschel, Fred Lehner, Hermann Brenner von der Jüdischen Gemeinde Weiden und Architekt Hammerling aus Weiden. "Die Flosser Synagoge wird restauriert und entsprechend ihrer früheren Form gestaltet." Generalkonservator Torsten Gebhardt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege bestätigte diese Entscheidung.

Die Finanzierung sollte durch ein Schwerpunktprogramm des Marktes für die Jahre 1972 bis 1976 gesichert werden. Es war von 240 000 Mark die Rede. Am Ende wurden es über 600 000 Mark. Bund, Land, Bezirk, Landkreis und Kommune halfen mit, dass das Geld zusammenkam.

Die Kommune übernahm die Bauträgerschaft. Für die Verantwortlichen war es eine gewiss nicht leichte Entscheidung, zumal damit auch die Sicherung der Finanzierung verbunden war. Als Bauträger lag Bürgermeister Fred Lehner mit dem Landesamt für Denkmalpflege sehr daran, die Synagoge in ihrer Innenausstattung wieder so herzustellen, wie sie sich vor der Pogromnacht am 9. November 1938 präsentierte.

Foto aus New York

Der in Floß geborene Jude Ludwig David Bloch, der mittlerweile in New York verstorben ist, schickte Lehner nach seinem ersten Besuch 1976 in Floß ein Bild von der 250-Jahr-Feier des Gotteshauses 1934. Diese Aufnahme ermöglichte es, die Synagoge so zu gestalten, wie sie vor ihrer Zerstörung war.

Es war der ausdrückliche Wunsch von Bürgermeister Lehner, den Tag der Pogromnacht am 9. November 1938 durch den Einweihungstag der restaurierten Synagoge am 9. November 1980 in Erinnerung zu rufen. In den Tageszeitungen hieß es: "Großer Tag für Juden und Christen", den das Flosser Marktoberhaupt auch als "Versöhnungstag" bezeichnete. Eine symbolische Schlüsselübergabe des Bürgermeisters an Simon Snopkowski, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, erfolgte ebenso wie die Vorstellung der Thorarollen.

Zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens waren anwesend. "In der Synagoge mögen die jüdischen Beter mit dem Psalmisten sprechen können 'Ich aber werde jubeln für immer'", sagte Weihbischof Karl Flügel von der Diözese Regensburg als Grußbotschaft der bayerischen Bischöfe: Dekan Georg Wenzel aus Weiden vertrat die evangelische Kirche.

Glanz als Zeichen

Die zweite Restaurierung der Synagoge erfolgte 2001 bis 2005 durch den Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in München im Verbund mit dem Markt Floß, den Bürgermeister Günter Stich vertrat. Bei der zweiten Wiedereinweihungsfeier am 16. Oktober 2005 nahmen unter anderem der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein, der Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden, Josef Schuster und Regierungspräsident Wolfgang Kunert teil. "Die Juden als fünften Stamm Bayerns zu bezeichnen, ist berechtigt. Die in neuem Glanz erstrahlte Flosser Synagoge setzt dafür ein in die Zukunft weisendes Zeichen", sagte Beckstein in seiner Festansprache.

Das jüdische Gotteshaus ist mit Leben erfüllt mit einer Vielzahl an Vorträgen, Konzerten und Führungen für alle Bevölkerungsgruppen. Kirchliche Vereine und Verbände beider Konfessionen, Schulen und Studenten, Jugendgruppen und Seniorenkreise, Mandatsträger von Kommunen bis zum Bund und Europaabgeordnete zählen zu den Besuchern der Synagoge.

Tag der Toleranz

Konzerte von Künstlern aus aller Welt stehen Jahr für Jahr auf dem Programm. Im Mittelpunkt jeden Jahres steht die auf Anregung von Bürgermeister a. D. Fred Lehner als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Weiden veranstaltete Woche der Brüderlichkeit. Eine Stunde des Gebets und Gesangs, ein Tag der Toleranz, von Miteinander und Versöhnung zwischen Juden und Christen.

Der jüdische Kultus lebt und ist fester Bestandteil der Ortsgeschichte. Floß hat durch die 200-jährige Synagoge ein Kleinod und mit dem jüdischen Friedhof unauslöschliche Zeugen der Vergangenheit bewahrt.

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