Interview zum Frauenliteraturkreis
Einer Meinung sind wir selten

Gudrun Nachbauer (links) und Sabine Müller gehören seit der Gründung dem Flosser Frauenliteraturkreis an. Bild: esa
Kultur
Floß
22.08.2017
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Mit "Bruder Feuer" fing alles an. Seit 1991 gibt es in Floß den Frauenliteraturkreis. Alle paar Wochen treffen sich die Damen und besprechen ihre Lektüre. So manches Werk wird zerrissen.

In der Zoiglstube "Zum Gogerer" in Floß sitzen die Damen am Fenster. Neun Frauen kommen an diesem Tag, um sich über ihre Meinungen zu "Die Schuld der anderen" von Gila Lustiger auszutauschen. Bankkauffrau Gudrun Nachbauer und die selbstständige Sabine Müller sind seit der Gründung der Gruppe am 1. November 1991 durch Gunthild Schroeter und Doris Kirschner dabei. Die Flosserinnen Müller und Nachbauer berichten unter anderem, was passiert, wenn eine Lektüre nicht gut ankommt.

Wie viele Bücher haben Sie seit der Gründung gelesen?

Gudrun Nachbauer: 25 Jahre, 10 Bücher pro Jahr... Ich denke mal, 200 bis 250 Bücher haben wir sicher schon gelesen.

Wie wird die Lektüre ausgewählt?

Nachbauer: Es werden bei jedem Treffen verschiedene Bücher vorgestellt und dann wählen wir aus.

Sabine Müller: Dann bestimmt die Mehrheit. Nicht immer ist das, was den Kritikern gefällt, etwas für uns. Was einer von uns nicht gefällt, liest sie manchmal trotzdem. Es gibt auch Leute, die nicht zum Frauenliteraturkreis kommen, aber unsere Bücher mitlesen. Es wird schon wahrgenommen, was wir lesen.

Was ist, wenn einer Teilnehmerin ein Buch nicht gefällt? Muss sie es trotzdem bis zu Ende lesen?

Nachbauer: Bei uns besteht kein Zwang. Es gibt wenige Frauen, die zwingen sich, es bis zum Schluss zu lesen. Das kann aber jede entscheiden, wie sie will.

Wie schnell lesen Sie mit der Gruppe eine Lektüre?

Nachbauer: Wir treffen uns alle vier bis fünf Wochen. Für ein dickeres Buch lassen wir uns etwas mehr Zeit, für ein dünneres weniger. Die Treffen richten wir auch danach, wie wir Zeit haben.

Wer kommt zum Frauenliteraturkreis?

Müller: Die Damen sind aus Weiden, Altenstadt/WN...

Nachbauer: ... und Flossenbürg. Okay, der Großteil ist aus Floß. Eine kommt auch aus Pleystein.

Und alle sind Leseratten?

Nachbauer: Wir lesen schon gerne und lassen uns ständig zu neuen Büchern anregen.

Müller: Und wir haben großes Interesse daran, wie die anderen das Buch fanden. Die Diskussionen über ein Buch sind immer gut. Unsere Diskussionskultur gefällt mir. Es gibt selten ein Buch, bei dem wir einer Meinung sind.

Nachbauer: Manchmal hat eine Teilnehmerin das Buch nach der Diskussion erst gelesen, weil es ihr anfangs nicht gefiel und sie nach unserer Besprechung unter anderen Gesichtspunkten sah.

Welches ist Ihr Lieblingswerk?

Müller: Es gibt so viele Bücher, die ich ein zweites Mal lesen würde. Mir gefällt, dass man durch das Lesen einen weiten Blick auf das Leben bekommt. Man erhält Lebenserfahrung, die man nicht selbst macht, aber die man durchs Lesen bekommt.

Nachbauer: Das kann ich gar nicht sagen. (überlegt) In letzter Zeit war es "Altes Land". Und was mir auch gut gefallen hat: "Effi Briest". In der Schule habe ich es gehasst, aber als wir es im Frauenliteraturkreis gelesen haben, fand ich es sehr gut.

Dürfte auch ein Mann zu Ihrer Gruppe kommen?

Müller: Nein. Nein, das wollen wir nicht, weil es sich so bewährt hat.

LiteraturkreiseDer Frauenliteraturkreis Floß ist offen für Interessierte. Die Gruppe liest aus Preisgründen nur Werke, die es als Taschenbuch gibt. Ihr nächstes Treffen ist im September. Der Termin wird im "Neuen Tag" bekanntgegeben. Diesmal haben die Teilnehmerinnen kein Buch ausgewählt, das sie beim nächsten Treffen besprechen. Jede liest, was ihr gefällt. Kontakt: Gudrun Nachbauer, Telefon 09603/2151. In Weiden gibt es am Maria-Seltmann-Haus zwei ähnliche Angebote, die sich an Frauen und Männer richten. Mehr Infos im Internet unter www.maria-seltmann-haus.de/veranstaltungen.php. (esa)
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