Eindrucksvolle Feierstunde zur Woche der Brüderlichkeit in der Flosser Synagoge
Der Zukunft ein Gedächtnis geben

Lokales
Floß
18.04.2013
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Einmal mehr wurde die Feierstunde in der Synagoge zur "Woche der Brüderlichkeit" zum gemeinsamen, tiefen Bekenntnis des Miteinanders zwischen Juden und Christen. Sie stand unter dem Motto "Sachor (Gedenke): der Zukunft ein Gedächtnis."

"Das ist eine Forderung an die nachfolgende Generation, die Erinnerung an die schrecklichste und dunkelste Zeit der deutschen Geschichte wach zu halten", sagte Monika Ilg von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Weiden. Tag für Tag gebe es immer weniger Zeitzeugen. "Wir bemühen uns seit 60 Jahren, gegen den immer wieder in erschreckendem Maße aufflammenden Antisemitismus, gegen Fremdenfeindlichkeit und jede Form der Menschenverachtung Stellung zu beziehen."

Seit 25 Jahren

Ihre Freude drückte Ilg auch über das 25-jährige Bestehen der Weidener Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit aus. Damals trafen sich im Haus des früheren Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Weiden, Hermann Brenner, der frühere Kaplan und heutige Pfarrer in Michldorf, Alfons Forster, und Herbert Albrecht, von dem die Initiative ausgegangen war.

Bei einem zweiten Treffen kam der frühere Dekan Rudolf Zeller, Brenners Sohn Michael, heute Professor für jüdische Geschichte und Kultur in München und Dr. Andreas Angersdörfer aus Regensburg hinzu. Im Evangelischen Vereinshaus trafen sich etwa 60 Personen zur Gründungsversammlung, von denen 42 der Gesellschaft beigetreten sind. Noch heute sind im Vorstand der Gesellschaft Pfarrer Forster und Werner Friedmann tätig. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch Bürgermeister Fred Lehner aus Floß.
Zwei feste Veranstaltungen im Jahr sind neben Vorträgen, Konzerten, Lesungen und Ausstellungen die Gedenkfeier zum Novemberpogrom in der Konrad-Adenauer-Anlage in Weiden und die Feierstunde zur Woche der Brüderlichkeit in der Flosser Synagoge. Ilg hieß Oberbürgermeister Kurt Seggewiß aus Weiden, Bezirkstagsvizepräsidenten Lothar Höher, MdB Werner Schieder, MdL Petra Dettenhöfer, zweiten Bürgermeister Werner Bock und Bürgermeister a. D. Fred Lehner aus Floß willkommen. Ihnen allen dankte sie für die treue und zuverlässige Teilnahme an den Veranstaltungen der Gesellschaft. Ein besonderes Willkommen entbot die Vertreterin der Gesellschaft den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Weiden, Leonid Schaulov mit weiteren Vertretern. Ihre Dankbarkeit über die Mitwirkung an der Feierstunde von Rabbiner Dannyel Morag aus Regensburg würdigte Ilg durch Überreichung eines Bildbandes, der anlässlich der Verabschiedung des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig erschien und Morag im Gespräch mit Papst Benedikt XVI beim Besuches in Regensburg zu bewundern ist.
Die Feierstunde erfuhr durch die musikalische Umrahmung der erstmals in Floß auftretenden Klezmerband "Carl-s-son" vom Neustädter Gymnasium (die einzige dieser Art in Deutschland) unter Leitung von Musiklehrer Andreas Kraus einen besonders würdigen Rahmen. In die Feierstunde wurden auch die zahlreichen Gäste durch den gemeinsamen Gesang eingebunden. Bei der Einführung wurde das Volkslied aus Israel "Kommt herbei, singt dem Herrn, ruft ihm zu, der uns befreit" angestimmt.

Vergessen ein Schutzschild

In seinen Gedanken über das Motto der Woche der Brüderlichkeit sah Pfarrer Peter Peischl keinen Widerspruch. Er fragte sich, wer sich noch erinnere, was war. "Deshalb müssen wir aufpassen, dass sich die Zeit von 1933 bis 1945 nicht wiederholt. Dazu haben wir eine Chance, wenn Gott nicht vergessen und das Miteinander gelebt werde." Auch Rabbiner Morag hielt fest, dass Vergessen ein Verbot sei. Umkehr sei das Vergessen ein Schutzschild. In den Gebeten, vorgetragen von Pfarrer Forster, Rabbiner Morag und Pfarrer Peischl hieß es: "Du bist Vater und Mutter alle Stämme und Kulturen. Alle haben in dir ihren Ursprung. Alle Menschen sind dein Ebenbild. Dich bezeugen alle, die sich füreinander öffnen. Du bist der Urgrund jeder menschlichen Begegnung, Grund und Ziel jeder Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit."
Bewegend waren die Gebete und hebräischen Gesänge von Dannyel Morag. Noch vor dem gemeinsam gesungenen Lied "Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit" dankte Pfarrer Forster allen Mitwirkenden, besonders den Schülern mit Leiter Kraus, die nach Schluss der Feierstunde für ihre eindrucksvollen Musikbeiträge freudigen und spontanen Applaus erhielten sowie allen Gästen für eine eindrucksvolle Stunde des Miteinanders. So könne der Zukunft ein Gedächtnis gegeben werden.
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