Floß blickt auf 1065 bewegte Jahre zurück - Historie ist geprägt von vielen Höhen und Tiefen
Urkunde, Schreck und Spatenstich

Lokales
Floß
26.04.2013
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Drei Ereignisse prägen die 1065-jährige, reiche und bewegte Ortsgeschichte des Marktes in diesem Jahr. Es sind unauslöschliche Jahreszahlen, die sich als geschichtlich bedeutsame Marksteine aneinanderreihen.

Zum einen ist es die Jahreszahl 948, als die erste urkundliche Erwähnung von Floß in den Annalen des Klosters St. Emmeram in Regensburg festgeschrieben ist, zum anderen das Jahr 1813, wo sich die Schauder- und Schreckensnacht vom 26. auf 27. April zum 200. Mal jährt und schließlich das jüngste Ereignis: Die Neugestaltung der Marktplatzanlage, wo am 6. April der Spatenstich durch den neu gegründeten Bürgerverein Flosser Marktplatz vollzogen wurde.

Den damaligen Bezirksamtmann und Landrichter Karl Reisner Freiherr von Lichtenstern ist es zu danken, dass nach dem Großbrand 1813 genügend freie Plätze im Marktzentrum, darunter der Marktplatz und der heute so bezeichnete Luitpoldplatz, ausgewiesen wurden.

In den Annalen des Klosters St. Emmeram in Regensburg ist neben der Jahreszahl 948 eingetragen: "Occisio paganorum ad flozzun". Übersetzt heißt das: "Der bayerische Herzog besiegt die Ungarn bei Floß." Wann und von wem Floß das Marktrecht verliehen erhielt, wurde bis heute noch nicht festgestellt. Doch im Salbuch (Verzeichnis der Einkünfte) des bayerischen Herzogs Ludwig des Strengen von 1280 sind die Renten (Gülten) von Floß erstmals aufgeführt. Es heißt dort: "Der markt Flozz 10 sol. den. (10 Schilling Weiß- oder Silberpfennige), 22 mutt chorn, 11 mutt habern".

Nachweis erbracht

Damit ist nachgewiesen, dass Floß schon 1280 ein Markt war. Im Wandfries des großen Sitzungssaales im Rathaus, wo die Ortsgeschichte mit ihren wichtigsten geschichtlichen Daten künstlerisch von Bildhauer Josef Gollwitzer aus München - einem Flosser - dargestellt wurde, kann man auch die Jahreszahl 1280 lesen.

Eine zweite markante und unauslöschliche Jahreszahl jährt sich in dieser Woche. Es ist die Schauder- und Schreckensnacht vom 26. auf 27. April 1813. Dem früheren Chronisten, Geschichtsschreiber und Ehrenbürger des Marktes, Oberlehrer Leonhard Bär, ist es zu verdanken, dass auf seine Aufzeichnungen im Büchlein "Der Markt Floß in Vergangenheit und Gegenwart", das beim ersten Heimatfest der Flosser 1926 herausgegeben wurde, zurückgegriffen werden kann. Bär hält fest, dass in wenigen Stunden 119 Häuser und 76 Stadel, ohne Stallungen und Schuppen eingerechnet, ein Raub der wütenden Flammen wurden. Sie vernichteten die meisten Habseligkeiten der unglücklichen Einwohner. Damals waren es kleine und mit Schindeln gedeckte, vielfach sogar aus Holz gebaute Bürgerhäuser. Deshalb konnte auch die Feuersbrunst nicht eingedämmt werden. Nicht nur das Marktzentrum, auch die damals schon auf dem Judenberg in den Jahren 1721/1722 aufgebaute, hölzerne Synagoge wurde und Asche gelegt.

Noch größeres Elend

Noch mehr betäubend waren die darauffolgenden Tage, an denen das grausige Elend erst recht offenbar wurde. Noch viel größer wäre die Not gewesen, hätte nicht Freiherr von Lichtenstern in väterlicher Fürsorge darauf eingewirkt, dass jedem Brandleider eine angemessene Unterstützung gewährt wurde, schreibt Bär. Interessant ist zu wissen, dass Floß schon in früheren Zeiten wiederholt in Kriegen und durch Brände zerstört wurde. Alte Chroniken berichten, dass Floß auch im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt worden ist. Die ungeheuere Machtfülle Freiherr von Lichtensterns machte es möglich, dass kurzerhand unter Niederwerfung aller Widerstände sämtliche Brandstätten samt den dazwischen gelegenen Gärten und sonstigen Grundstücken zugunsten der Gemeinde - allerdings nicht entschädigungslos - übergingen. Eine Kommission hatte einen geeigneten Bauplatz abgesteckt.

Historisch gewachsen

Für die Gewinnung ausreichender und schnurgerader Straßenstrecken wurden genügend freie Plätze und ein entsprechendes Rinnsal für den Floßbach durch den Markt ausgewiesen. Vor dem Großbrand 1813 schlängelte sich das Wasser durch den Ort. So kommt es nicht von ungefähr, wenn heute das historisch gewachsene und ansprechende Ortsbild des Marktes und des Judenberges, der Hinterhöfe und Städeln städtischen Charakter aufweist. Für das damals aktive Bürgermilitär hat Freiherr von Lichtenstern inmitten des Marktes einen "Paradeplatz" ausgewiesen und eingefriedet.
In den folgenden Jahrzehnten wurden auch die äußeren Teile des Marktes wiederholt von verheerenden Bränden heimgesucht, so 1878 die sogenannte Wieden - heute Schönbrunner Straße und Flossenbürger Straße. Dadurch konnte der Markt nach und nach zeitgemäß auf- und umgebaut werden - nach den eigenen Festlegungen von Landrichter Freiherr von Lichtenstern.

So ist der Markt durch eine offene architektonische Struktur gekennzeichnet. Es lassen sich zwei verschiedene Zonen voneinander unterscheiden. Im runden, ehemals befestigten Kirchhof mit seiner Umbauung (heute evangelisches Kirchenzentrum), in der unregelmäßigen Anlage des Luitpoldplatzes und im Bereich um das Alte Amtsgebäude an der Plößberger Straße ( früheres Rathaus).

Traditionelle Bebauung

Die Wirtschaftsgebäude im Markt sind durch Ökonomiewege erschlossen, die parallel zur Hauptstraße verlaufen. Eine weitere Zone bildet der heute noch so bezeichnete Judenberg, dessen Bebauung mit zweigeschossigen Traufseithäusern im Wesentlichen aus der Zeit nach dem Großbrand 1813 stammt. Von der Gesamtbebauung blieben der ehemalige Paradeplatz (Marktplatz) und der spätere Luitpoldplatz ausgespart.
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