06.03.2018 - 10:40 Uhr
Floß

Drei Flosser brauen Bier nach altem schwedischem Rezept Brauen wie die Wikinger

Aus dem Kessel über dem Feuer dampft ein Gerstentrunk. Auf einer Steinmauer liegt ein Wikinger-Helm, daneben Lanze und Schild. Drei Männer haben die Flosser Zeit zurückgedreht - ins Mittelalter.

Warten auf die richtige Temperatur: Ludwig Koch und Stefan Forster müssen rühren, bis ihr Gebräu 76 Grad heiß ist. Bilder: Schönberger (3)
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

"Gemeinschaftliche Spinnerei" nennt er es. Ludwig Koch rührt mit einer großen Holzkelle im Kessel. Darin schwimmen Gerste, Malz und einige Wacholderbeeren. Zusammen mit Fabian Schnödt und Stefan Forster braut der Flosser Braumeister ein Bier, das eigentlich auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland zu Hause ist. "Gotlandsdricka", also "Gotlands Trunk", heißt es. Es ist ein obergäriges Bier. Zur Zeit der Wikinger, also im 9. und 10. Jahrhundert, war dieses auf der Insel fest etabliert. Sieben Prozent Alkohol sind drin und nach Birke und Wacholder soll es schmecken. "Trüb, bitter-süß und rauchig-würzig" sei es, steht im schwedischen Originalrezept. Die drei Bierkenner möchten zeigen, wie und dass man mit einfachsten Mitteln Brauen kann. "Das ist mein erstes Bier, das ich selbst über offenem Feuer braue. Im Mittelalter hat das jede Hausfrau selbst gemacht", sagt der Braumeister.

Stefan Forster ist Stammgast im Flosser Brauhaus, erzählt Koch. An einem Sommerabend entstand die Idee, ein echtes "Wikinger-Bier" zu brauen. "Richtig authentisch, draußen und über dem Lagerfeuer." Sagt Forster und mummelt sich tiefer in sein Fuchsfell. Deswegen hat er schon Vorarbeit geleistet und im Vorfeld das Malz über Birkenholz geräuchert. Nun muss das Gebräu immer in Bewegung bleiben, damit das Malz nicht anbrennt. Für die drei Männer bedeutet das: Rühren, rühren, rühren. "Die größte Herausforderung ist, mit dem Lagerfeuer die Temperatur zu halten", erklärt Koch. "Aber das ist ja gerade der Reiz an der Geschichte, dass es nicht ganz perfekt ist."

Das Thermometer zeigt 76 Grad: Zeit, den Trunk in den Läuterbottich zu füllen. Hier wird flüssig von fest getrennt. "Der Bottich stammt noch aus meiner Lehrzeit, den habe ich damals selbst gebaut - eine Hobbykonstruktion sozusagen", sagt der Flosser Braumeister.

Zwischenverkostung nach der Läuterung: "Wie ein flüssiger Honig-Müsliriegel", scherzt Stefan Forster. Noch schmeckt das Gebräu eher nach Malz-Zucker-Saft als nach Bier. Den Saft, die "Vorderwürze", füllen sie wieder in den Kessel und schüren das Feuer erneut an. Ludwig Koch streut 80 Gramm getrockneten Hopfen dazu. "Der ist aus meinem Garten." Für ganz besonderes Gebräu nutzt der Flosser seinen eigenen Anbau. "Rentabel ist das zwar nicht, aber es braucht ja jeder ein Hobby." Er lacht und schöpft ein wenig Flüssigkeit ab. "Jetzt sieht man die Farbe ganz schön: So rot-braun soll das Bier aussehen."

Mittags gibt es Wildschweinbraten, nach Wikinger-Art, versteht sich. "Und zur Feier des Tages zapfen wir dazu ein Fass Bier an", sagt Schnödt. Denn bis das Gebräu trinkbar ist, dauert es noch. 90 Minuten muss die Mischung kochen, danach eine Woche gären. "Im Anschluss müssen wir den Trunk mindestens sechs Wochen lagern. Je stärker das Bier, desto mehr Lagerzeit benötigt es", erklärt Koch. Doppelbock zum Beispiel lagere 12 Wochen.

Wie viele Liter Wikinger-Bier aus dem Gebräu entstehen, das ist noch unklar. "40 Liter", schätzt Koch. "Viel zu wenig", scherzt Forster. Er stand schon um 8 Uhr morgens bei minus 10 Grad im Garten und schürte das Lagerfeuer an. Ganz unten vergrub er einen Granitstein. Am Abend wird dieser rund 600 Grad heiß sein - dann legt ihn der Braumeister vorsichtig in den Kessel. "Durch die große Hitze soll das Bier ein wenig karamellisieren. Wir wohnen hier ja in einer Granit-Region, wieso also nicht einen kleinen Heimvorteil nutzen."

In ein paar Wochen wissen die Männer, ob ihr Experiment geglückt ist. Ludwig Koch hätte noch ein anderes Rezept im Hinterkopf: Er denkt an estnisches Bauernbier - für das nächste "ins Blaue brauen".

Kommentare

Um Kommentare vefassen zu können müssen Sie sich Anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.