Jacqueline Thoma spricht über ihr Casting für "The Voice of Germany"
Lied und Leid

Vermischtes
Floß
11.10.2017
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Der Weg in die TV-Show "The Voice of Germany" ist knallhart. Beim Casting wird Runde für Runde aussortiert. Jacqueline Thoma aus Floß weiß das genau. Ein Blick hinter die Kulissen der Talentsuche - mit Tränen, Aussetzern und bösen Blicken der Konkurrenz.

Heute kann Jacqueline Thoma darüber lachen. Damals, beim Casting in München, war das anders. Der Druck, die Anspannung, die Nervosität. Das Warten nach einem Auftritt. Bin ich weiter? Bin ich raus? Nach dem zweiten Vorsingen wird es der jungen Flosserin zu viel, sie flüchtet aus dem kleinen Raum. "Ich habe echt gezittert. Am liebsten hätte ich geheult", sagt Thoma heute. Die Tränen kommen dann erst eine Runde später.

"Nur die Besten"

Die 17-Jährige erinnert sich noch genau ans Casting für die Talentshow "The Voice of Germany" am 9. März in einem Münchener Hotel. "Nur die Besten bekommen eine Einladung", bemerkt Thoma. Per Video müsse man sich bewerben. "Da wird schon aussortiert." Die Flosserin wusste nichts von ihrem Glück. Eine Bekannte hatte sie angemeldet. Die junge Frau stammt aus einer musikalischen Familie. "Bei uns wird ständig gesungen." Beim Geschirrspüler-Ausräumen, beim Gassi-Gehen mit dem Hund, im Auto. Mit Schwester Vanessa tritt sie auch auf.

In München sind rund 500 Menschen beim Casting. "Lauter gute Musiker", findet Thoma. Mit 30 anderen sitzt sie in einem, für diese Anzahl von Menschen, viel zu großen Raum. Durch die Wand hört sie die Sänger, die gerade auftreten. "Ich war eingeschüchtert." Dass sie die jüngste Teilnehmerin war, macht die Sache nicht einfacher. "Aber die Leute waren echt nett." Das sollte sich bald ändern.

Nur 15 Sekunden Zeit

Erstes Vorsingen. In Fünfer-Reihen stellen sich die Casting-Teilnehmer vor eine dreiköpfige Jury. Die Zeit ist knapp. Jeder Musiker hat nur 15 Sekunden, mit seiner Stimme zu überzeugen. Sind sich die Experten nicht sicher, muss man ein zweites Lied anstimmen. "Da habe ich ein bisschen Angst gehabt." Plan B gibt's nämlich nicht. Und trotzdem: "Es war auch ein schönes Gefühl - irgendwie eine unangenehme Freude."

Thoma muss noch mal singen. Aber erst mal setzt der Kopf aus: "Ich kenne 10 000 Lieder, aber in dem Moment habe ich alle vergessen." Sie wählt ein Lied, das die Konkurrentin vor ihr bereits gesungen hatte. "Tat mir leid für die andere, aber das Lied kannte ich." Knallhart geht's weiter. Die Jury erklärt, dass nur vier Kandidaten weiterkommen. Drei sind bereits aufgerufen. Thoma greift zu ihrer Tasche, denkt: "Jetzt ist es vorbei." Dann fällt ihr Name.

Kurz vorm Heulen

Direkt weiter. Zweites Vorsingen. Ein helles Zimmer mit einer Bühne, zehn Stühlen und einer neuen Jury. Und zwei Kameras, die alles aufnehmen. "Da ist die Spannung größer geworden." Auch in der Gruppe. "Das hat man schon an den Blicken gesehen. War unangenehm." Aber da müsse dann halt jeder auf sich schauen. Nach ihrem Auftritt huscht die 17-Jährige sofort aus dem Zimmer. "Da hätte ich gerne jemanden gehabt zum Ausheulen." Nur eine qualifiziert sich direkt für die nächste Runde. Thoma muss in die Zwischenrunde. Nachsitzen.

Neuer Raum, überall Spiegel. Drittes Vorsingen. Diesmal im Duett, das vielmehr ein Duell ist - nur einer kommt weiter. Partner und Lied werden ausgelost. "Da sind mir die Tränen gekommen", gibt Thoma zu. "Was, wenn ich das Lied nicht kenne?" Kennt sie dann doch. "Ich hatte Glück. Den Song habe ich noch auf dem Weg ins Hotel gehört." Trotzdem läuft es nicht gut. "Das war nicht meine Bestleistung. Man konnte schlecht proben." Nach vier Stunden können die übriggebliebenen Kandidaten zum ersten Mal durchschnaufen, etwas essen. Dann die Entscheidung für Jacqueline Thoma: Ende, aus, vorbei. Zumindest fürs Erste.

Zweite Chance

Ein paar Tage später bekommt die 17-Jährige eine E-Mail der Produktionsfirma. Sie darf noch mal ran. "Die brauchten anscheinend noch Leute", versucht es die Flosserin zu erklären. Am 22. März fährt sie erneut nach München. Genau wie rund 150 weitere Nachrücker-Kandidaten. Viertes Vorsingen. "Da habe ich mich schon wohler gefühlt, nicht mehr so angespannt." Nach dem Auftritt heißt es wieder: warten. Nach zwei Stunden entscheiden die Verantwortlichen, dass nichts entschieden wird. Zwei Wochen danach kommt die nächste Mail. Der Jackpot! Die Einladung nach Berlin ins TV-Studio. Wird aber nichts. Es ist der Tag vor ihrer ersten Abschlussprüfung an der Wirtschaftsschule.

"Ich hätte mich gerne auf einen der roten Stühle gesessen", sagt Thoma. "Aber das hätte mich zu sehr abgelenkt." Statt nach Berlin ging's zum dritten Mal nach München. Wie es dort weiterging und ob sie es tatsächlich auf die große TV-Bühne geschafft hat, will sie nicht verraten.

Ich kenne 10 000 Lieder, aber in dem Moment habe ich alle vergessen.Casting-Teilnehmerin Jacqueline Thoma aus Floß


Die TV-ShowAm 19. Oktober startet die siebte Staffel von "The Voice of Germany". Das besondere an der Show: Die "Coaches" der Jury (Mark Foster, Yvonne Catterfeld, Samu Haber sowie Michi Beck und Smudo) sehen die rund 150 Talente zunächst nicht. In den "Bildauditions" hören sie nur deren Stimmen und entscheiden so, ob die Sänger eine Runde weiterkommen. Danach nimmt jeder "Coach" 16 Kandidaten unter seine Fittiche. In den nächsten Runden bestimmen neben den Stars auch die Zuschauer, wer "The Voice of Germany" wird. (jut)

Bild: Trager

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