02.02.2018 - 10:04 Uhr
Floß

Roland Meißner tauscht in seiner Freizeit den Kochlöffel gegen den Pinsel Zwischen Kunst und Küche

Wenn Roland Meißner einen Teller anrichtet, spielen Farben für ihn eine große Rolle. "Das ist wie ein Bild malen. Das Auge isst mit", erzählt der gelernte Koch. Der 30-Jährige weiß, wovon er spricht. In seiner Freizeit tauscht er Herd und Kochlöffel gegen Staffelei und Pinsel.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Floß/Kalmreuth. Seit einem Jahr beschäftigt sich Meißner intensiver mit Kunst. "Kreativ war ich eigentlich schon immer", blickt er zurück. Aber erst der Tod seines Vaters 2014 macht ihn sensibler für die Malerei. "Von meinem Dad habe ich das Fantasievolle. Er hat mir viel beigebracht", sagt er und klingt ein kleines bisschen traurig. "Er ist auch der Grund, warum ich weitermale."

In seinem Elternhaus in Kalmreuth hängen viele seiner Werke. "Meine Mutter ist mein größter Fan", gibt Meißner zu. Die Bilder zeigen hauptsächlich Landschaften. Markante Berggipfel, Sonnenuntergänge und Seen ziehen die Blicke des Betrachters auf sich. Der 30-Jährige liebt kräftige Farben. Pastelltöne kommen bei ihm nicht vor. Abendrot lässt er mal in sämtlichen Pinkvariationen schimmern, mal in einem Orange, das an sonnengereifte Früchte erinnert. Das Meer auf einem Bild glänzt, als ob tiefblauer Badezusatz hinein gekippt worden wäre. "Ich mag kraftvolle Bilder und kraftvolle Farben", beschreibt Meißner seine Werke. Auch Berge zählen für ihn zu den Kraftorten.

Das kommt nicht von ungefähr. Der Koch arbeitet überwiegend in Österreich und verbringt die Wintersaison in Hotels mit gehobener Gastronomie. Viel Freizeit bleibt ihm da nicht. Dass er mal Skifahren oder Wandern geht, kommt selten vor. "Ich habe eine 6-Tage-Woche und muss dafür viel Energie aufbringen."

Erst vor wenigen Tagen kehrte er aus Hinterglemm zurück. Zwischen seinen Saisonjobs nimmt sich Meißner die Zeit zu malen. Zuhause kann er die Eindrücke aufarbeiten, die er zuvor aufgenommen hat. "Meine Bilder sind von der Umgebung inspiriert", erzählt er. Einen kleinen Anbau nutzt er als Atelier. Manche seiner Werke entstehen auch mit Hilfe von Spraydosen. "Als Jugendlicher habe ich mit Graffiti angefangen", schmunzelt er. "Das ist die Jugendmalerei in diesem Alter."

Seine künstlerischen Wurzeln kamen ihm im vergangenen Sommer zu gute, als ihn das Flosser Tiefbauunternehmen Gollwitzer beauftragte, Teile der langen Mauer entlang des Bocklradwegs mit Graffiti zu verschönern. Während er an der Betonwand beschäftigt ist, bekommt er einen weiteren Auftrag. "Plötzlich hat ein Auto angehalten", erinnert sich Meissner. Die Frau, die ausstieg, sei ganz begeistert gewesen und habe ihn gebeten, ihre Garagentore zu verschönern.

Diese Arbeit kommt dem Künstler gerade recht. "Umso größer desto besser", lautet seine Devise. "Mir sind große Flächen lieber als Leinwände. Bei kleinen Bildern braucht man mehr Fingerspitzengefühl." Dennoch möchte er die Leinwand nicht missen, denn sie eignet sich vor allem für seine Speedpainting-Projekte. Als Vorbild dient ihm der amerikanische Maler Bob Ross. Während Meißner versucht ein Bild in möglichst kurzer Zeit zu malen, läuft eine Kamera mit. Diesen Film komprimiert er dann auf zwei Minuten Länge und stellt ihn ins Netz (zu sehen auf seiner Facebook-Seite Ruli Revoluzzer). Der Erfolg gibt ihm recht. "Die Videos werden viel geklickt." Verkauft hat er deswegen noch nichts. Der Kalmreuther nimmt's gelassen. "Als Künstler muss man sich erst einen Namen machen." Um auf seine Werke aufmerksam zu machen, plant er in Nürnberg oder Regensburg auszustellen. Meißner denkt dabei an einen Stand in der Fußgängerzone. "Das ist wie bei den Straßenmusikern. Pro Stunde zahlt man soundsoviel Euro." Für Regensburg habe er schon eine Zusage. "Ist es nicht das Ziel von jedem Künstler, seine Bilder rund um die Welt zu bringen?"

Seine Ausbildung machte er in einem "Meister Bär"-Hotel in Marktredwitz. Der Koch könnte zwar auch in der Region arbeiten, aber es zieht ihn immer wieder die Ferne. "Ich bin ein Reisender", beschreibt er sich selbst. Seine Stationen lesen sich wie aus dem Urlaubskatalog: Kitzbühel, Stubaital, Bodensee. Ein weiterer Vorteil: Als Saisonkoch verdient er gutes Geld und kann sich die künstlerischen Auszeiten locker leisten.

"Malen ist Freiheit, Kunst macht frei", beschreibt er seine Gefühle. "Man kann machen, was man will, das gibt mentale Kraft." Der Kalmreuther kennt auch Zeiten, in denen es nicht so läuft. "Es gibt immer wieder Höhen und Tiefen." Deshalb erinnert er sich gerne an ein Zitat von Picasso, das irgendwie zu seiner Lebenssituation passt: "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele."

Malen ist Freiheit, Kunst macht frei.Roland Meißner

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