30.06.2017 - 19:28 Uhr
FloßOberpfalz

Langsames Internet bremst Gewerbe Notfalls Leitung selber graben

300 Haushalte in Floß haben seit einigen Wochen Zugang zu schnellem Internet. Sie liegen zufällig in der Nähe der Verteilerstationen. Das weckt Unmut bei Bürgern und Gewerbetreibenden, die leer ausgehen.

Die mickrige Übertragungsrate in Teilen Floß' bereitet dem Spediteur Jan Sommer Kopfzerbrechen. Bild: Gabriele Schönberger
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Für den Spediteur Jan Sommer wird das langsame Internet in Floß zum Problem: Er hat eine Telefonanlage bei der Telekom. Im nächsten Jahr sollen alle Haushalte und Geschäftskunden aufs Telefonieren übers Internet umgestellt werden. Die Telefonanlage nimmt viele Anrufe gleichzeitig an. Seine Übertragungsgeschwindigkeit von 14 M-Bit reicht dafür nicht aus.

Der Spediteur befürchtet Verbindungsprobleme bei Telefonaten und einen Schaden für sein Geschäft. Auch ein Anbieterwechsel hilft nicht. Sommer kommt nicht über 16 M-Bit. 50 M-Bit für jeden Haushalt hatte die Große Koalition in Berlin bis 2018 als Ziel ausgegeben. Seit Einrichtung der Vermittlungsstelle im Ortsteil Grafenreuth können auch die Flosser schneller surfen. Wenn sie Nahe genug dran wohnen. Bis zu 50 M-Bit werden erreicht.

Unterschied von Stunden

Erwin Stich profitiert davon nicht. "Mich ärgert das", sagt der Inhaber von Elektroanlagenbau Stich. "Wir haben nur 8 M-Bit, das ist ein Drama. Bei uns haben sie das Glasfaserkabel in 25 Meter Entfernung Richtung Flossenbürg gelegt." In den Ortsteilen Hardtheim und Ziegelhütte sei die Geschwindigkeit unter 10 M-Bit, erklärt der Unternehmer. "Bei uns laufen Bestellungen ein, E-Mails, Pläne von Architekten und die ganze Software. Wenn sie ein Gigabyte herunterladen, müssen sie ein bis zwei Stunden warten. Mit 50 M-Bit ist das in zehn Minuten erledigt."

Sommer ist zu drastischen Maßnahmen bereit: "Der Notfallplan Ende 2018 ist, selber eine Leitung zum Wohnhaus zu graben", sagt der Spediteur. 50 Meter weiter liege die Übertragungsrate bei 40 M-Bit.

Keine Förderung für Markt

Bürgermeister Günter Stich versucht, die Aufregung zu erklären. Es habe beim Netzausbau vom Heimatministerium eben nur eine Förderung für Gebiete gegeben, die noch überhaupt kein DSL haben. "Der Ortsteil Schlattein war unter 1 M-Bit. Das war Steinzeit. Die haben jetzt eine Aufwertung erfahren. Wenn Floß zu 99 Prozent mit DSL versorgt ist, wird's schwierig." Warum der Netzausbau im Markt nicht gefördert werde, da müsse man den Heimatminister Söder fragen. "Leute, das war jedem klar, jedem Marktgemeinderat", sagt Stich. "Wir hatten eine Ausschreibung, wir haben für 600 000 Euro einen Förderbescheid bekommen. Diejenigen ohne DSL bekommen einen schnelleren Internetanschluss, und der einzige Anbieter, der da war, war die Telekom." Im Markt hätten sie eine Vermittlungsstelle aufgestellt, weil es ja sonst überhaupt keine Verbesserung gegeben hätte.

Die Staatsregierung arbeite derzeit an einem Nachfolgeprogramm. "Da würde unsere Gemeinde noch einmal fast 1 Million Euro Förderung bekommen", sagt Stich. "Aber auch das gilt wieder nicht für den Markt Floß, sondern für noch unterversorgte Ortsteile."

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Offener Brief von Oliver Mutterer zum Netzausbau in Floß:

http://tinyurl.com/y8a5c3dc

Der Notfallplan Ende 2018 ist, selber eine Leitung zum Wohnhaus zu graben.Spediteur Jan Sommer

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