13.10.2017 - 21:38 Uhr
FloßOberpfalz

Spezialtiefbau-Unternehmen Gollwitzer setzt sich gegen internationale Konkurrenz beim Schacht ... Oberpfälzer Technik für Endlager

Nach dem Aus für Gorleben ist der Schacht Konrad in Salzgitter das bisher einzige atomrechtlich genehmigte Endlager in Deutschland. Auch wenn es sich "nur" um schwach- und mittelradioaktive Abfälle handelt: Der Umbau gestaltet sich knifflig. Technik der Oberpfälzer Spezialtiefbau-Firma Gollwitzer ist gefragt.

Den Oberpfälzer Spezialtiefbauern der Firma Gollwitzer kommen bei der Baugrube für das künftige Lüftergebäude des Endlagers die Erfahrungen bei einem technisch ähnlichen Projekt im Europaviertel Frankfurt (Bild) zugute.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Salzgitter/Floß. In einer europaweiten Ausschreibung kam das Unternehmen aus Floß (Kreis Neustadt/WN) unter die letzten sechs Teilnehmer - und überzeugte letztlich mit seiner Konzeption und Erfahrung. "Das Projekt stellt Hightech im Spezialtiefbau dar", sagt Harald Gollwitzer, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Gollwitzer. Der Fünf-Millionen-Auftrag durch die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE) gilt unter Fachleuten der Branche als äußerst anspruchsvoll. Für das künftige Lüftergebäude über dem Schacht Konrad 2 erstellt Gollwitzer die riesige Baugrube von 50 Meter Länge, 34 Meter Breite und 11,5 Meter Tiefe.

250 Mikro-Bohrpfähle

Bei dem Super-Loch handelt es sich um eine sogenannte "Trog-Baugrube" mit wasserdichten Spundbohlen und einer 1,5 Meter mächtigen Betonsohle (Fundament) unter Wasser. Gollwitzer: "Das Grundwasser steht sehr hoch - und muss aus der Baugrube heraus gehalten werden." Damit die Unter-Wasser-Betonsohle nicht "auftreibt", wird sie mit 250 Mikro-Bohrpfählen verankert.

Auch der Aushub von wenigstens 25 000 Kubikmetern erfolgt "unter Wasser". Und selbst der Verbau mit Spundbohlen gestaltet sich aufwendig, da wegen der Nähe zur bestehenden Schachtanlage kein übliches Rammen möglich ist. Harald Gollwitzer spricht von einem technisch komplexen und komplizierten Unterfangen, vor dem ihm jedoch nicht bang ist. Er kann sich dabei auf Erfahrungen bei einem ähnlichen, nur in der Dimension deutlich kleineren Projekt in Frankfurt stützen: Die Spezialtiefbauer aus der Oberpfalz errichteten mit gleicher Technik im Europaviertel eine wasserdichte Baugrube für die Zentrale der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen.

"Sicheres Fundament"

Dem künftigen Lüftergebäude mit Diffusor (Umkehrung einer Düse) wird für die Sicherheit des Betriebs des Endlagers eine wesentliche Bedeutung zugeschrieben: Es braucht deshalb ein besonders sicheres Fundament. Harald Gollwitzer freut sich über das Vertrauen des Betreibers: "Wir haben uns gegen internationale Konkurrenz durchgesetzt. Ich bin stolz auf unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter."

Endlager Schacht Konrad

Mit einem Volumen von mindestens 3,4 Milliarden Euro - Tendenz steigend - läuft seit 2007 der Umbau des ehemaligen Eisenerz-Bergwerks im Stadtgebiet Salzgitter zum "Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung". Rund 90 Prozent der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle gehören in die Kategorie "schwach- und mittelradioaktiv". Im Endlager Schacht Konrad dürfen laut Planfeststellungsbeschluss einmal 303 000 Kubikmeter solch radioaktiver Abfälle eingelagert werden. Als Termin für die Fertigstellung des Projekt wird (unter Vorbehalt) das Jahr 2022 genannt. Im April 2017 ging die Verantwortung vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auf die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) über. Die Gesamtkosten für das Endlager Konrad sollen zu etwa einem Drittel durch die öffentliche Hand und zu rund zwei Dritteln durch die Energieversorgungsunternehmen finanziert werden.

Die Betreiber sprechen von einer "wartungsfreien und sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen, stabilen geologischen Formationen" mehrere Hundert Meter tief: Sie seien von der Biosphäre über lange Zeiten isoliert. (cf)

Das Projekt stellt Hightech im Spezialtiefbau dar.Harald Gollwitzer, Geschäftsführer und Inhaber der Baufirma Gollwitzer, Floß (Kreis Neustadt)

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