Matinee in der Gedenkstätte Flossenbürg: Maria von Wedemeyer hat mir ihren Briefen Dietrich ...
Eine ganz große Liebe am Rand des Abgrunds

Kultur
Flossenbürg
16.04.2013
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Herbert Sörgel, evangelischer Pfarrer in Flossenbürg, muss nicht viele Worte machen, als er an diesem Sonntagmorgen zu einer Bonhoeffer-Matinee begrüßt. Sie findet in der ehemaligen Kommandantur des KL Flossenbürg statt, wenige Schritte entfernt von dem Raum, in dem am 8. April 1945 ein Standgericht Dietrich Bonhoeffer zum Tode verurteilte - auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers.

Am 9. April hingerichtet

Im Morgengrauen des 9. April wird Bonhoeffer zusammen mit anderen Männern aus der Abwehrzentrale von Admiral Wilhelm Canaris im Gefängnishof des Lagers hingerichtet. Sieben Wochen zuvor hatte Maria von Wedemeyer, Bonhoeffers junge Braut, in Flossenbürg nach ihrem Verlobten gesucht - vergeblich.

Bonhoeffers letzte drei Jahre sind ohne die junge Frau, die er im Juni 1942 kennen und lieben gelernt hatte, nicht denkbar. Die Matinee erinnert an den ausgedehnten Briefwechsel des Paares, das sich nach dem 5. April 1943, dem Tag von Bonhoeffers Verhaftung und Einlieferung in das Militärgefängnis Tegel, nicht mehr in Freiheit sehen sollte. Ein intensiver Briefwechsel und gelegentliche Besuche in Tegel müssen die Perspektive für ein glückliches Leben in Freiheit ersetzen.
Matthias Winter und Doris Hoffmann, beide Schauspieler beim Landestheater Oberpfalz, schlüpfen an diesem Morgen in die Rollen der beiden Liebenden, lassen die gegenseitige Versicherung von Liebe und das Festhalten an der Hoffnung auf ein Glück in Freiheit lebendig werden.

Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer sind sich der besonderen Umstände ihrer Beziehung bewusst: "Es ist zu grausam," schreibt sie am 27. August 1943," an Dietrich, "wenn einem ein Mensch, an den man sich einbildet, schon ein Anrecht zu haben,, einfach weggenommen wird und man machtlos daneben stehen muss."

Jugendliche Sehnsucht

Und dennoch: Der Umstand, dass man Bonhoeffer einstweilen nicht mehr vorwirft als Wehrkraftzersetzung und Verwicklung in eine Devisenaffäre, lässt ihn auf ein Ende der Haft hoffen. Sie knüpft diese Erwartung an ihre Liebe zu diesem 17 älteren Mann und an ihre sehr jugendlich anmutende Sehnsucht , die von der nüchterner denkenden Mutter immer wieder in die Schranken verwiesen wird.
Es ist offensichtlich, dass ihre Besuche in Tegel, ihre Briefe Bonhoeffer Auftrieb geben auch auf seinem Weg in "die Wirklichkeit des Lebens", die zu zentralen Gedenken seiner Theologie geworden ist. Wenn Bonhoeffer auch von tröstenden und ermutigenden Sätzen abgesehen, Maria nicht in seine theologischen Gedanken im Rahmen der von ihm "bekennenden Kirche" hineinzieht, die fast schon bedingungslose Zuwendung der jungen Frau, ihr stets wiederholtes Treueversprechen, stützen ihn, lassen, wie er in einem seiner Briefe schreibt, die Gitter vor seinem Fenster in Zelle 92 unsichtbar werden.

Solange Bonhoeffer noch in Tegel war, ist Maria so hoffnungsfroh, dass sie beispielsweise in einem Brief am 12. Oktober 1943 von ihrer Hochzeit schreibt. Sie hat genaue Vorstellungen davon, welche Blumen auf dem Tisch stehen, welches Buch auf seinem Nachttisch liegt, wie die Reihe der Brautführerpaare ist. "Es ist immer ein bisschen, als erzählte ich aus einem Märchenbuch," schriebt sie ihm, "Aber es gibt so viele Märchen, die wahr sind. Warum sollte das unsere nicht auch wahr werden."

"Von guten Mächten"

Sein letzter Brief, der sie erreicht, ist datiert mit dem 12. Dezember 1944 und enthält jenes berühmte Gedicht von den guten Mächten. So steht am Ende der Matinee die Erinnerung an eine unauslöschliche Liebe, die inzwischen in zahlreichen schriftlichen Zeugnissen die Zeiten überdauert hat.
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