Tomic-Vortrag bei Tagung in KZ-Gedenkstätte
Kunst des Erinnerns

Milica Tomic vor einer Illustration zum Projekt "Container", mit dem sie an ein Kriegsverbrechen in Nordafghanistan 2001 erinnert. Bild: exb
Kultur
Flossenbürg
03.04.2018
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Drei Tage lang diskutierten Historiker, Kunsthistoriker, Künstler, Architekten und Denkmalpfleger intensiv über Befunde, Positionen und Perspektiven im Umgang mit den Hinterlassenschaften früherer KZ-Steinbrüche: Der 80. Jahrestag der Gründung des Konzentrationslagers Flossenbürg war Anlass für eine interdisziplinäre Tagung in der Gedenkstätte zum Thema "Granit und Konzentrationslager". Kooperationspartner waren die Universität Wien und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Ein besonderer Höhepunkt war der öffentliche Abendvortrag von Milica Tomic. Die aus Belgrad stammende, vielfach ausgezeichnete Künstlerin leitet seit 2014 das Institut für Zeitgenössische Kunst an der Technischen Universität Graz. In ihren Arbeiten reflektiert sie Themen wie politische Gewalt, Nationalität und Identität und setzt sich in ergebnisoffenen, performativen Prozessen damit auseinander. Tomic ist Mitbegründerin der "Grupa Spomenik" (Denkmalgruppe), die den Völkermord in Srebrenica mit forensischen Methoden untersucht, aufarbeitet, im öffentlichen Raum sichtbar macht und in performative Kunst übersetzt.

In Flossenbürg stellte sie einige ihrer höchst spannenden Projekte wie "Four Faces of Omarska", "Take the place with you" oder "Container" vor. Sie machte deutlich, wie durch künstlerische, investigative Prozesse Erinnerungspraktiken und Alltag verschränkt und neue Wege und Methoden der Erinnerungskultur gefunden werden können - jenseits von erstarrten Ritualen und Rhetoriken der Betroffenheit. Ermöglicht wurde die Tagung durch eine Förderung aus Mitteln des Europäischen Kulturerbejahrs 2018.
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