Am 23. April 1945 kamen amerikanische Soldaten ins KZ Flossenbürg - Feierstunde am Dienstag
Befreiung jährt sich zum 68. Mal

Lokales
Flossenbürg
19.04.2013
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Nässe, Kälte und schier unbeschreibliches Elend, das bestimmte vor 68 Jahren die Szenerie. Bis zum 23. April dauerte das Grauen im KZ Flossenbürg an, dann befreiten die amerikanischen Streitkräfte das Lager. An den denkwürdigen Jahrestag, vor allem an die Opfer, erinnert am Dienstag mit einer Feierstunde der Förderverein für die KZ-Gedenkstätte.

Zu Auflösungserscheinungen kam es bereits Anfang April 1945. Gab es bis dahin schon mit Worten kaum zu beschreibende Zustände, steigerten sich die noch einmal. Tausende Häftlinge wurden auf die sogenannten Todesmärsche getrieben. Die SS versuchte, die Menschen zu evakuieren, sie in Richtung Süden fortzubringen. Das geschah in endlosen Fußmärschen oder auch in Güterwaggons. Gleichzeitig kommen immer mehr ausgemergelte Gestalten aus anderen Lagern nach Flossenbürg.

Spitze des Eisberges

Für die amerikanischen Soldaten stellte sich das Lager zunächst relativ unspektakulär dar. Baracken gab es überall in Deutschland. Erst langsam wurde klar, was sich hier abgespielt hatte. Bei den befreiten rund 1500 Menschen handelte es sich lediglich um die Spitze eines Eisbergs. Es waren zum Großteil Schwerstkranke, die nicht mehr in der Lage waren, auch nur wenige Schritte zu gehen. Die Spur der Todesmärsche säumten Tausende Toter, die an Erschöpfung starben oder die von den Wachmannschaften erschossen und erschlagen wurden. Angst vor Rache und Vergeltung bestimmte die Gedanken der Einwohner. Der evangelische Pfarrer hielt die Stimmung schriftlich fest: "Was wird aus dem Ort, wenn der Krieg nach Flossenbürg kommt?" Der Zeit nach dem 23. April 1945 galten die Worte: "Gottlob ist alles gut gegangen." Das Lager wurde anschließend zunächst in erster Line als SS-Gefangenenlager und als Unterkunft für heimatlose Ausländer genutzt. Die noch vorhandenen Gebäude dienten zudem, und das bis in die 1950er-Jahre hinein, als Notunterkünfte für zahlreiche Vertriebene und Flüchtlinge.

Lange Zeit vergessen

Lange Zeit kam der entstandenen kleinen Gedenkstätte kaum eine Bedeutung zu. Im Nachhinein betrachtet galt Flossenbürg bis 1995 als "vergessenes Lager". Anders wurde das erst ab dem 50. Jahrestag der Befreiung. Flossenbürg - insbesondere die jeweiligen Bürgermeister und Pfarrer - wurden bis dahin mit dem zunehmenden Besucherstrom, mit Anfragen und vielem anderen alleine gelassen. Die Politik reagierte schließlich auf vielfältiges Drängen und schuf die Voraussetzungen dafür, einen europäischen Erinnerungsort entstehen zu lassen.

Es war nicht zuletzt ein Beitrag dazu, den Menschen begreiflich zu machen, dass die Auseinandersetzung mit der KZ-Vergangenheit alle angeht, nicht nur die Flossenbürger. Ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht der Förderverein für die KZ-Gedenkstätte am Dienstag. Um 16.30 Uhr können sich Mitglieder und alle Interessenten über die aktuell laufenden Umbaumaßnahmen am sogenannten Kasino informieren. Anschließend, um 18 Uhr, findet im "Tal des Todes" eine Feierstunde zum Jahrestag der Befreiung statt.
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