Bayerischer Forst ruft "Jahr der Nachhaltigkeit" aus - Weniger Fichten, mehr Buchen
Jetzt pflanzen - und 100 Jahre warten

Auch so sieht nachhaltige Forstwirtschaft aus: Tausende junge Buchen kommen in den Boden. Es ist ein wichtiger Beitrag hin zum stabilen Mischwald. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, langfristig zu planen. Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
30.04.2013
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Nachhaltigkeit scheint oft schon zum inflationären Modewort verkommen zu sein. Dass Lippenbekenntnisse im Interesse kommender Generationen nicht ausreichen, unterstreicht das von der Bayerischen Forstverwaltung in den Blickpunkt gerückte "Jahr der Nachhaltigkeit". Wie ernst es genommen wird, führte ein Waldspaziergang vor Augen.

Genau 300 Jahre sind seit der Leipziger Ostermesse vergangen. 1713 veröffentlichte Hans Carl von Carlowitz ein Werk, in dem es erstmals umfassend um nachhaltige Forstwirtschaft ging. Der sächsische Oberberghauptmann hatte guten Grund, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Der Holzbedarf führte zum Raubbau und damit zu düsteren Zukunftsaussichten. Die forstwissenschaftlichen Untersuchungen des Autors lassen sich in einem einprägsamen Satz zusammenfassen: "Nicht mehr Bäume nutzen als nachwachsen." Er gilt unverändert, allerdings angepasst und verfeinert, auch für den heutigen Wald.

In die Zukunft gerichtet

Stefan Bösl, Leiter des Flossenbürger Forstbetriebs, und Revierförster Oswald Hamann stellten in der Abteilung "Lengfelder", nahe Hohenthan, Details vor. Es gehe bei den Bayerischen Staatsforsten nicht nur um den Ausgleich von Minus und Plus bei der Zahl der Bäume: "Viele weitere Aspekte spielen eine wichtige Rolle oder hängen eng damit zusammen. Das reicht von der Erholungs- und Freizeitfunktion des Waldes über den Wildbestand bis hin zur passenden und an die jeweiligen Standorte angepassten Mischung des Bestandes." Bösl führte die oft nicht leicht einzuschätzenden Bedingungen ins Feld. "Da gibt es keine Pauschalaussagen. Wir müssen, beispielsweise gerade auch in den rauen Höhenlagen oder in Feuchtgebieten, genau hinschauen. Fehlentscheidungen würden sich fatal auswirken. Noch dazu ist eine Steuerung nur langfristig möglich. Sie wirkt weit in die Zukunft hinein."
"Weg mit der Fichte", mit einer solchen gelegentlich zu hörenden Forderung habe der Forst nichts am Hut: "Wir wollen vielmehr eine passende Mischung erreichen, in der die Fichte durchaus eine wichtige Rolle spielt. Immerhin ist sie unser 'Brotbaum', und die Vorgabe, wirtschaftlich zu arbeiten, ist nun einmal Tatsache. Zudem gehört die Fichte durchaus in unsere Landschaft." Korrekturen seien allerdings angebracht. Angestrebtes und langfristiges Ziel ist es, den Anteil von 64 auf 53 Prozent zu senken. Im Gegenzug erhöht sich beispielsweise der Buchenanteil von 12 auf 23 Prozent. Auf der Kalkulationsliste stehen darüber hinaus viele weitere Baumarten. Bösl verwies auf Stabilitätsaspekte: "Passende und auf die Standorte abgestimmte Mischungen sollen Stürmen besser widerstehen. Sorgen bereitet die sich abzeichnende Klimaveränderung. Im Detail einschätzen, was in einigen Jahrzehnten beim Bestand richtig und falsch ist, kann niemand."

Das Ziel Nachhaltigkeit stellt bei den Waldmännern im Übrigen keine neue Erfindung dar. Es hat seit langem hohen Stellenwert: "Das zeigt sich bei der natürlichen Verjüngung. Nachhelfen und korrigieren müssen wir nur auf einem kleinen Bruchteil der Flächen." Dazu sind derzeit eigene Kräfte unterwegs. Die Trupps bringen unter anderem 175 000 junge Buchen in die Erde. Gepflanzt wird nicht nach Lust und Laune, sondern nach genauen Vorgaben.

Zeit läuft davon

Leicht ist die Arbeit mit der Haue nicht. Je nach Untergrund schafft ein Mann bis zu 70 Pflanzen pro Stunde. Das Zeitfenster ist eng. Bis vor Kurzem ließ die Witterung ein solches Vorhaben nicht zu, und jetzt pressiert es umso mehr. Wie es mit der Nachhaltigkeit aussieht, wird sich letztendlich aber erst in weit mehr als 100 Jahren zeigen. Dann erst werden die Buchen reif für die Holzernte sein.
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