Ehemaliger KZ-Funktionsbau und späteres Wirtshaus werden umgebaut - Blick hinter die Kulissen
Vom SS-Kasino zum Bildungshaus

Johannes Ibel (vorne) stellte am Dienstag Mitgliedern des Fördervereins für die KZ-Gedenkstätte und weiteren Interessenten die laufenden Baumaßnahmen im ehemaligen SS-Kasino vor. Bis zum Abschluss dauert es noch zwei Jahre. Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
25.04.2013
43
0

Seit dem Herbst laufen die Umbauarbeiten im sogenannten SS-Kasino. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen der ehemalige KZ-Funktionsbau und die spätere Gaststätte "Plattenberg" zum Seminar- und Bildungshaus und zum Besucherzentrum werden. Der Förderverein für die KZ-Gedenkstätte bot Gelegenheit, einen Blick hinter den Bauzaun zu werfen.

Altbürgermeister Johann Werner - er steht an der Spitze der 1999 gegründeten Gemeinschaft - zeigte sich am Dienstag, dem Jahrestag der Befreiung des KZ, überrascht vom Interesse. Mehr als 50 Mitglieder und Gäste fanden sich vor dem langgestreckten Gebäude ein: "Johannes Ibel von der Gedenkstättenverwaltung stellt uns nicht nur den aktuellen Stand vor, sondern erläutert darüber hinaus die angestrebten Ziele und den Gesamtumfang des laufenden zweiten Bauabschnitts." Dieser umfasst neben dem Kasino die Außenanlagen, Sanierungen im Kommandanturgebäude, einen neuen, bereits fertiggestellten Betriebshof und auch einen Info-Point als erste Anlaufstelle für Besucher.

Hier Tanzen gelernt

Seit mehr als zehn Jahren steht das Kasino leer. Nach dem Krieg diente es bis dahin als Wirtshaus. Werner erinnerte an das Geschehen in dem angegliederten großen Saal: "Viele Flossenbürger lernten dort das Tanzen." Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erwarb den Bau schließlich aus privater Hand. Er soll künftig für Seminare und Bildungsmaßnahmen dienen, Raum für besondere Veranstaltungen bieten und auch ein Café beinhalten. "Ohne gravierende Veränderungen an der Substanz ist das nicht möglich", erklärte Ibel die Impressionen, die sich von außen und im Inneren boten. Besonders auffallen wird künftig eine Änderung an der Südfassade: "Für drei Seminarräume wäre im Untergeschoß nicht genügend Platz gewesen. Vorbauten aus Glas schaffen die nötigen Reserven und lassen viel Licht ins Gebäude."
Enge Kontakte gab es schon im Vorfeld zur Denkmalschutzbehörde. "Wir kommen gut miteinander aus, auch wenn sich nicht immer alles unter einen Hut bringen lässt." Großen Wert legt die Fachstelle auf den Erhalt eines Gebäudeteils, der im Verborgenen bleibt: "Unverändert belassen bleiben muss der außergewöhnliche Dachstuhl. Das lässt sich nur mit einer zusätzlichen Metallkonstruktion erreichen." Auch die Holzdecke des Saals wird wieder eingebaut.

Zehn Millionen Euro

Vier Millionen Euro, bestätigte Ibel auf Nachfrage, fließen in den Umbau des Kasinos. Der Gesamtaufwand für den zweiten Bauabschnitt bewegt sich in einer Größenordnung von zehn Millionen Euro. Finanziert wird das mit Mitteln von Bund und Land.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.