22.08.2014 - 00:00 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Staatsforst erholt sich nach Stürmen und Schneebruch - Monokulturen verschwinden Ich glaub', ich steh' im Wald

Aus dem um die Jahrtausendwende von Sturm und Schneebruch stark geschädigten Wald rund um den Schellenberg zwischen Waldkirch und Georgenberg ist ein starker Mischwald herangewachsen. Stefan Bösl hat Wort gehalten.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Ich gebe Brief und Siegel, dass sich in fünf Jahren - wenn nicht wieder etwas passiert - alles erholt hat." Dieses Versprechen hatte der Forstbetriebsleiter vor acht Jahren gegeben. Mittlerweile sind es drei Jahre mehr, aber der Wald präsentiert sich abwechslungsreich in Höhe und Artenvielfalt. Tothölzer sind als ökologische Inseln gewollt. Der Borkenkäfer kommt zwar vor, hat aber keine großflächigen Angriffsflächen mehr. Verantwortlich für das naturnahe Erscheinungsbild der Buchen, Fichten und Tannen zeichnet der Forstbetrieb Flossenbürg der Bayerischen Staatsforsten. "Mit diesem Waldbau ahmen wir die Natur nach", ist Bösl überzeugt.

Licht und Wärme

Um das damals besonders geschädigte Revier Neuenhammer kümmert sich seit 25 Jahren Försterin Anni Bruglachner-Zaschka. Damit die drei hauptsächlich gewünschten Arten optimal wachsen, braucht es viel Pflege. Tannen und Buchen, die in den Höhenlagen des Grenzkammes zu Hause sind, benötigen einen Wachstumsvorsprung vor den Fichten. Haben sie im Schutz der Altbestände eine gewisse Höhe erreicht, kommen alle fünf bis zehn Jahre die Waldarbeiter, um nach Anweisung der Försterin auszulichten. Wärme und Licht lassen die jungen Bäume wachsen.

"Die Fichten sollen selbst kommen und schließen im Wachstum nach zehn bis 15 Jahren auf", berichtete Bösl. Ein Drittel der jungen Bäume, vor allem die Tannen, werden gepflanzt. Zwei Drittel säen sich selbst aus, die Förster sprechen von Naturverjüngung.

Viele Ansprüche

Problem bei all ihrer Arbeit ist es, die verschiedenen Ansprüche an den Wald unter einen Hut zu bringen. Da sind neben der Wirtschaftlichkeit auch die Schutz- und Erholungsfunktion sowie Naturschutz, Landschaftspflege und die Bedürfnisse der Wasserwirtschaft. Bösl: "Der 300 Jahre alte Nachhaltigkeitsaspekt hat sich vom wirtschaftlichen Nutzen erweitert auf ökologische und soziale Aspekte."

Der Forstbetriebsleiter spricht von einer Urbanisierung der Argumente. "Jeder will Holzmöbel und Brennholz, aber keiner mag die Eingriffe und Rückegassen der Harvester sehen." Das sei wie Schnitzelessen, ohne Schweine zu schlachten.

Die Sägewerke hätten gern einen höheren Einschlag, doch das vertrage sich nicht mit dem Prinzip, dem Wald nur soviel Holz zu entnehmen wie nachwachse, sagte Bösl. Auch beim Brennholz nehme der Bedarf zu. Wie berichtet, haben neue Selbstwerber keine Chance, Holz aus dem Staatsforst zu holen. Großen Hunger nach Baumwipfeln haben die Hersteller von Hackschnitzeln. Auch den könne man nicht wie gewünscht bedienen. "Wir brauchen das Gipfelholz, da Nährstoffe gerade hier auf Granitboden im Wald bleiben müssen."

Festgelegt würden im Vorfeld Festmetermengen für den Einschlag. Der Forstbetrieb kümmert sich im Auftrag des Freistaates um eine optimale Vermarktung. Pro Jahr flössen 50 bis 70 Millionen Euro aus den Staatswäldern in die bayerische Schatulle.

Ungeliebte Gassen

Der von Erholungssuchenden oft geschmähte Harvester ist für Bösl und seine Mannschaft ein Gerät zum sicheren Arbeiten. Außerdem werde der Boden weit besser geschützt als zu Zeiten, als kleinere Traktoren im ganzen Wald herumkurvten. "Jetzt haben wir die ungeliebten Rückegassen alle 30 Meter mit Reisig als Schutz für den Boden." Die Schneisen werden immer wieder genutzt, der Boden dazwischen nicht befahren.

Viele weitere Veränderungen fallen kaum auf. So gebe es kaum noch Zäune um Neuanpflanzungen. Stattdessen schützen orange Plastikclips die jungen Baumspitzen vor Verbiss.

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