Arbeitsgemeinschaft will sensibilisieren
Leiter der KZ-Gedenkstätten warnen vor AfD

"Mit Ausnahme der AfD sind wir für alle Parteien offen." Zitat: Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Politik
Flossenbürg
29.09.2017
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Flossenbürg/Berlin. Die Leiter der deutschen KZ-Gedenkstätten sind in Sorge. Sie fürchten die Folgen eines möglichen AfD-Vorsitzes im Kulturausschuss des Bundestages. In einer Presseerklärung der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland fordern sie "die Fraktionen im Deutschen Bundestag, die sich der Freiheit der Kultur und dem Gedenken an die Opfer des NS-Regimes verpflichtet wissen, dazu auf, die Übernahme des Ausschussvorsitzes durch die AfD-Fraktion zu verhindern".

Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die parlamentarische Stimme bundesdeutscher Kulturpolitik in den Händen jener liegt, die eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" fordern, sich zum Stolz auf "die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen" bekennen und erklären, dass man den Deutschen "diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten" müsse.

Der Vorsitz der AfD im Kulturausschuss sei ein "Signal, das über Deutschland hinausgehen würde", betont Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft. So wie es momentan in Polen der Fall sei. "Das wäre dann genauso, wie die deutsche Öffentlichkeit aktuell auf Polen schaut und dort zurecht eine Veränderung der Vergangenheitsarbeit kritisiert."

Ebenso sei es nach der deutschen Wiedervereinigung ein sehr langer Prozess gewesen, bis die breit ausgehandelte bundesdeutsche Erinnerungskultur entstanden sei, die es heute gibt. Im Falle eines AfD-Vorsitzes müsse diese vermutlich "neu justiert" werden. Darüber hinaus seien die KZ-Gedenkstätten mehr als nur Erinnerungs- und Lernorte. "Dort geschieht eine kritische und reflektierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit", erklärt Skriebeleit.

"Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des demokratischen Selbstverständnisses der Bundesrepublik Deutschland. Sie wird von maßgeblichen Funktionsträgern der AfD infrage gestellt", heißt es dazu in der Presseerklärung.

Auf die Frage, welche Reaktion von den Leitern der KZ-Gedenkstätten im Falle eines AfD-Vorsitzes kommen würde, antwortete Skriebeleit, die Arbeitsgemeinschaft sei nicht in der Position, Forderungen zu stellen. Die Mitglieder hoffen aber, mit ihren Bedenken im Vorfeld sensibilisieren zu können. "Mit Ausnahme der AfD sind wir für alle Parteien offen."

Mit Ausnahme der AfD sind wir für alle Parteien offen.Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
1 Kommentar
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Maria Estl aus Pullenreuth | 30.09.2017 | 12:26  
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