Förderverein der KZ-Gedenkstätte ehrt Johann Werner
Auszeichnung für einen Versöhner

Johann Werner (Zweiter von rechts) ist nun Ehrenvorsitzender des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte. Dazu gratulierten ihm und Ehefrau Anni als Erste Jörg Skriebeleit (links) und Dekan Karlhermann Schötz. Bild: phs
Politik
Flossenbürg
25.04.2017
110
0
Flossenbürg/Weiden. Die Überlebendentreffen der KZ-Gedenkstätte stecken jedes Jahr voller starker Gesten. Vor allem, wenn sie unerwartet kommen. So wie am Samstagabend in der Weidener Max-Reger-Halle. Dorthin hatte der Förderverein der Gedenkstätte frühere Gefangene, ihre Familien und Vertreter der internationalen Jugendbegegnung eingeladen, um zu zeigen, dass die Arbeit in Flossenbürg weit in die Region hinein wirkt.

Einen, der daran maßgeblichen Anteil hat, bat Karlhermann Schötz , der Vorsitzende der Fördervereins, plötzlich ans Podium - seinen Vorgänger Johann Werner . Schötz verkündete ihm, dass der Verein ihn hiermit zum Ehrenvorsitzenden ernennt. Der Beifall im Saal ließ keinen Zweifel an der Richtigkeit dieses Beschlusses zu. Werner nahm die Auszeichnung dankend an und reichte die Lorbeeren gleich weiter: an Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit und seine Mitarbeiter; an die früheren Häftlinge um ihren Sprecher Jack Terry , die ebenso maßgeblichen Anteil am Aufbau zeitgemäßer Erinnerungskultur in Ostbayern haben.

Werners eigene Verdienste stehen dahinter nicht zurück. Dem 77-jährigen Altbürgermeister war die Versöhnung mit den Opfern des Naziterrors zeitlebens ein Anliegen. Als Bürgermeister übernahm er 1999 den Vorsitz des neugegründeten Fördervereins. Der hatte damals 27 Mitglieder, heute sind es 141. Der Verein ermöglichte wissenschaftliche Publikationen, die international beachtete Datenbank, die Finanzierung von Stellen in der Gedenkstätte und immer wieder den Austausch mit den Überlebenden.

Das kam bei einem Verwandten des italienischen Häftlings Venanzio Gibillini so gut an, dass er spontan dem Verein beitrat und ihn künftig aus Sizilien unterstützen will. Dass Flossenbürg international so einen guten Klang hat, war auch an der Begleitmusik zu hören. Die kam von Bläsern des Batalion Reprezentacyjny Wojska Polskiego, der polnischen Ehrenkompanie, deren Anwesenheit in ihrer Heimat bei höchsten militärischen und staatlichen Anlässen gefragt ist. In Flossenbürg und Weiden verneigte sie sich vor 31 400 Landsleuten, die zwischen den späten 30er-Jahren und 1945 das KZ erdulden mussten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.