Pächter springt ab
Abbruch am Gaisweiher

Nicht nur die neue Terrasse des Restaurants ist für die Gemeinde derzeit eine Baustelle. Bürgermeister Thomas Meiler braucht kurzfristig einen neuen Pächter. Bild: Schönberger
Politik
Flossenbürg
31.12.2016
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Thorsten Hoschopf möchte plötzlich nicht mehr der neue Pächter am Gaisweiher werden. Er hat kein Vertrauen mehr in das Projekt und kritisiert die langen Wartezeiten bei der Sanierung. Bürgermeister Thomas Meiler äußert Unverständnis und fürchtet den Verlust von Fördergeldern.

Thomas Meiler hätte sich eigentlich über ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk freuen können. Am 23. Dezember teilte die Regierung der Oberpfalz mit, die Sanierung der Camping-Anlage am Gaisweiher mit knapp 860 000 Euro zu fördern. Doch wieder einmal hatte jemand nach kurzer Zeit am Gaisweiher aufgegeben. Kurz bevor Thorsten Hoschopf anfangen sollte, beschloss er den Ausstieg. Mitte Dezember war klar, er würde nicht wie geplant zum Januar die Pacht antreten. Seither ist Meiler am Rotieren. Er fürchtet den Verlust von Fördergeldern. Ein neuer Pächter muss her.

Hoschopf hatte acht Jahre in Kanada verbracht und wollte das nordamerikanische Flair von dort an den Gaisweiher bringen. Der gelernte Koch aus Konnersreuth wollte sich eine neue Existenz aufbauen. Seine Familie unterstützte ihn dabei. Seit Sommer 2015 wohnte er bereits am Gaisweiher, hat probeweise bereits den Campingplatz bewirtschaftet. In den letzten Wochen des Jahres wich seine Euphorie für das Projekt der Ernüchterung.

"Ich verstehe das alles nicht", sagt Bürgermeister Meiler. Die Gemeinde sei Hoschopf in vielerlei Hinsicht entgegengekommen. Das Restaurant ist im Dezember energetisch saniert worden. Im Keller ist nun eine Pelletheizung verbaut. Die vorhandenen Geräte und die Einrichtung hätte der neue Pächter übernehmen können. "Wenn einer 10 000 Euro in die Hand nimmt, kann er sofort starten. Das ist doch eine Existenz", meint der Bürgermeister.

Kein Vertrauen

Hoschopf wäre laut eigener Aussage sogar bereit gewesen, 100 000 Euro zu investieren. "Ich habe ja die Kredite schon aufgenommen", sagt er. Ihm habe allerdings das Vertrauen in die Immobilie und in Meiler gefehlt. "Die haben nur das gemacht, was sie gefördert bekommen haben. Sie haben immer versprochen und nichts gehalten." Hoschopf beschwert sich über den schlechten Zustand des Gebäudes. Meiler sagt, das sei haltlos. Man sei zweimal mit dem Gesundheitsamt durch das Gebäude gegangen und stünde in ständigem Kontakt. Die Mängel seien behoben.

Hoschopf holte sich Hilfe beim Hotel- und Gaststättenverband. Bezirksgeschäftsführer Ulrich Korb kam zur Beratung aus Regensburg. "Die Wunschvorstellungen des Pächters und des Verpächters lagen weit auseinander", erinnert er sich. "Man muss immer miteinander sprechen. Das Vertrauen ist in der Angelegenheit nicht da gewesen", meint Korb.

Wohnung nicht saniert

"Wir hätten ihn ja sogar sechs Monate pachtfrei dort wirtschaften lassen", sagt wiederum Bürgermeister Meiler. Aber da habe die Regierung der Oberpfalz nicht mitgemacht. "Die ganzen Förderungen, die wir bekommen sind ja an Bedingungen geknüpft." Von den Umbaumaßnahmen am Gaisweiher hätte Hoschopf stets profitiert: Bei Veranstaltungen auf der geplanten Seebühne hätte er ein Ausschankrecht gehabt. Wäre er Pächter geworden, hätte er auf sämtliche Investitionen 30 Prozent Förderung bekommen. Was Hoschopf besonders schmerzt, sind die Verzögerungen bei der Sanierung der Pächter-Wohnung. "Wir haben ihm natürlich versprochen, dass wir umbauen", sagt Meiler. Das sei bereits beim Einzug geschehen.

Dem Neuen Tag liegt der Bericht eines Sachverständigen vom 28. Dezember zur Wohnung vor: Demnach sind feuchte Flecken in Kinderzimmer und Abstellraum. Im Keller kondensiert das Wasser an der Decke, Beton platzt ab. An einigen Stellen im Haus hat sich Schimmel gebildet. Aus der Holzdecke löst sich Mineralwolle. Darüber hinaus liegen die elektrischen Anschlüsse des Warmwasserboilers frei. Der Sachverständige empfiehlt der Familie Hoschopf besonders wegen ihres Kindes den sofortigen Auszug. Weder Hoschopf noch Meiler hatten dieses Ergebnis erwartet. Auch Meiler schlägt Hoschopf vor, sofort auszuziehen. "Wir haben nichts verheimlicht", meint der Bürgermeister. "Schau's dir an, willst du's?", hätte er Hoschopf vor eineinhalb Jahren gefragt. "Er hat gesagt, ,ja'."

Angemerkt: Schad' drumEs hätte so schön werden können: Restaurant mit kanadischem Flair und hervorragendem Essen, dazu ein neuer Campingplatz. Von den 2,3 Millionen Euro investiert das Kommunalunternehmen 800 000. Der Rest kommt aus Fördertöpfen. Doch an die Gelder sind Bedingungen geknüpft. Deren Einhaltung ist kompliziert. Auf den letzten Metern wurden sich Pächter und Gemeinde nicht einig.

Am Gaisweiher schlagen die Wellen hoch. Was gefehlt hat, war Vertrauen. Die Partner glaubten nicht, dass die jeweils andere Seite mit den investierten fünf-, sechs- und siebenstelligen Beträgen richtig umgehen würde. Die Grundlage für den Erfolg des Mammutprojekts der 1600-Einwohner-Gemeinde ist Vertrauen in die gemeinsame Sache. Zur Vertrauensbildung gehört Mut zum offenen Wort, und der Mut, das offene Wort auszuhalten. Die Sanierung des Gaisweihers geht weiter. Der Pächter ist weg, doch der Gemeinde stehen wieder alle Wege offen.
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