26.04.2018 - 16:36 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Wervik in Belgien und Flossenbürg planen Städtepartnerschaft Flirt mit Flandern

Da bahnt sich etwas an. Noch heuer könnte Flossenbürg eine neue Partnergemeinde bekommen. Im belgischen Wervik stehen die Signale dafür auf Grün.

Yves Durnez (links) und Youro Casier (rechts) liebäugeln wie Bürgermeister Thomas Meiler mit einer Städtepartnerschaft. Ihre beiden Kommunen soll in Zukunft mehr verbinden, als der Tod zahlreicher Belgier im früheren Konzentrationslager Flossenbürg. Bild: phs
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Der Leiter der KZ-Gedenkstätte, Jörg Skriebeleit, spricht bei solchen Gelegenheiten von der "Flossenbürg-Familie". Gemeint sind die unzähligen Begegnungen beim alljährlichen Überlebendentreffen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Zuletzt am vergangenen Wochenende. Dabei kommen unterschiedlichste Menschen ins Gespräch, vom Jugendlichen bis zum Greis, vom Ural bis Kalifornien und von Schweden bis Sizilien.

Daraus entstehen Freundschaften. Auch auf offizieller Ebene. Bürgermeister Thomas Meiler und sein flämischer Amtskollege Youro Casier aus der 17 600-Einwohner-Stadt Wervik in Westflandern zum Beispiel. Sie haben sich über einen Freundeskreis ehemaliger Angehöriger von belgischen KZ-Häftlingen kennengelernt. An der Spitze dieser Vereinigung, die sich seit 17 Jahren vielfältig in die Gedenkstättenarbeit einbringt, steht Yves Durnez. Er hat zwei Onkeln im Lager verloren, sein Vater Marcel hat mit knapper Not überlebt und die Entwicklung in Flossenbürg ebenfalls aufmerksam verfolgt.

Wervik und Flossenbürg verbindet also Furchtbares. Doch das darf nicht das Leben kommender Generationen bestimmen, betonen die beiden Rathauschefs und Yves Durnez. Deswegen soll aus der Verbindung etwas erwachsen, was Vereine, Jugendgruppen und Einzelpersonen einander näher bringt: eine Städtepartnerschaft. Meiler kündigte am Wochenende eine entsprechende Initiative an. Er muss davon noch seinen Gemeinderat überzeugen, ist jedoch guter Dinge, da mehrere Flossenbürger bereits 2016 schon mal in Wervik waren. Auf belgischer Seite sieht es ebenfalls nach Formsache aus. Wenn alles nach Fahrplan klappt, wollen beide Seiten im Oktober in Flandern die Partnerschaftsurkunde unterzeichnen und gemeinsame Projekte besprechen. Ein erstes hat es bereits 2017 gegeben, als Kinder aus Belgien Bilder zum Thema "Gefangensein" im Flossenbürger Rathaus ausgestellt haben. In Zukunft wollen Oberpfälzer und Flamen aber mehr unternehmen, was weniger mit der Vergangenheit als mit der Zukunft zu tun hat - beseelt vom europäischen Gedanken. Das kann man kaum treffender ausdrücken als Yves Durnez: "Wenn wir zwei kleinen Orte das nicht hinbekommen, schafft es Europa erst recht nicht."

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