06.02.2018 - 20:00 Uhr
Flossenbürg

Eric Frenzel im Interview "Ich kämpfe um Medaillen"

38 Weltcupsiege, viermal Gesamtweltcupsieger, drei Olympiamedaillen, viermal gewinnt er das Seefeld-Triple: Die Bilanz von Eric Frenzel ist sensationell. Ende der Woche startet der 29-Jährige nach Südkorea zu den Olympischen Spielen. Es sind nach Vancouver und Sotschi seine dritten. Diesmal könnte er das deutsche Team sogar als Fahnenträger anführen.

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Von Armin Eger

Er hat schon so ziemlich alles gewonnen. Aber in dieser Saison läuft es für den Nordischen Kombinierer Eric Frenzel nicht so optimal. Noch nicht. Der Saisonhöhepunkt steht mit den Olympischen Spielen in Pyeongchang nämlich noch bevor. Dort könnte neben dem Sportlichen noch eine andere, besondere Herausforderung auf den 29-Jährigen warten, der mit seiner Familie in Flossenbürg (Landkreis Neustadt/WN) lebt. Frenzel ist mit vier weiteren Sportlern als Fahnenträger nominiert. Was er davon hält und welche Ziele er sich bei den Spielen gesetzt hat, erklärt er im Interview mit Oberpfalzmedien.

Beim letzten Wettkampf vor den Spielen wurde "König" Eric heuer nach vier Gesamtsiegen beim Seefeld-Triple entthront. Sind sie enttäuscht?

Eric Frenzel: Nein, überhaupt nicht. Ich war zwar nicht ganz zufrieden und ich hätte gerne besser abgeschnitten. Aber ich habe gemerkt, es geht in kleinen Schritten vorwärts, vor allem im Springen.

Hat Seefeld das nötige Selbstvertrauen für die Spiele gebracht?

Ob es jetzt das nötige Selbstvertrauen war, werden wir im Nachhinein wissen. Es war positiv und ich weiß, woran ich arbeiten muss.

Sie sind in dieser Saison noch nicht so richtig in Schwung gekommen. Woran liegt's?

Sicher am Springen. Ich habe da schon einiges ausprobiert. Bin jetzt auch wieder auf meine alte Bindung aus der Vorsaison gewechselt. Ich komme damit besser zurecht. Ich hoffe, dass ich beim Springen noch ein paar Meter gewinnen kann.

Die Nachrichtenagentur dpa hat gemeldet, dass bei einer Untersuchung in Potsdam "etwas gefunden wurde". Müssen wir uns Sorgen machen?

Ich weiß nicht, was da gemeint ist. Gesundheitliche Probleme habe ich auf jeden Fall nicht.

Es kommen ganz starke Junge bei den Kombinierern nach, wie der 20-jährige Vinzenz Geiger, der mit nach Südkorea fährt. Holen die sich Rat von Ihnen?

So ist es nicht. Denn die Jungen wären nicht in der A-Nationalmannschaft, wenn sie nicht schon vorher Leistungen gezeigt hätten. Sie sind dabei Anschluss zu finden, was in den vergangenen Jahren schwierig war. Sie nutzen jetzt die Chance, dass wir in dieser Saison nicht so gut gestartet sind. Der Vinzenz ist da ganz locker und macht da sein Zeugs. Wenn die Jungen im Training sehen was wir machen, sind wir aber in gewisser Weise schon irgendwie Vorbild und Leitbild für sie.

Es gab und gibt ja politische Spannungen in Korea. Hatten Sie wegen einer Teilnahme Zweifel?

Das war für mich nie ein Thema. Ich bin kein Politiker und kein Sicherheitsbeauftragter. Ich fahre dorthin, um Sport zu machen. Es wäre verschwendete Energie gewesen, im Vorfeld darüber nachzudenken. Das IOC und das Auswärtige Amt haben grünes Licht gegeben. Mir ist wichtig, dass wir tolle Spiele erleben können, wo auch immer.

Sie sind neben Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, Eishockeyspieler Christian Ehrhoff, Rodlerin Natalie Geisenberger und Skirennfahrerin Viktoria Rebensburg als Fahnenträger nominiert. Erfüllt Sie das mit Stolz?

Es ist eine große Ehre und etwas ganz besonderes, die Fahne der eigenen Nation tragen zu dürfen. Es würde mich freuen und stolz machen, wenn es klappen würde. Ich fühle mich sehr geehrt, unter diesen Fünfen zu sein. Das ist schon eine gewisse Anerkennung für unsere Sportart und für meine Person.

Fünf deutsche Nordische Kombinierer fahren zu den Spielen. Aber nur vier dürfen pro Wettbewerb starten. Ist schon jemand fix gesetzt?

Ich denke nicht, dass irgendjemand fix gesetzt ist. Zunächst geht es darum, drüben anzukommen und in den Trainings Leistungen zu zeigen. Dann muss man es sportlich sehen, wer die besten Möglichkeiten für einen Start hat. Wenn ich es nicht schaffen würde unter diesen Vieren eines Wettbewerbs zu sein, hätte ich nicht die Möglichkeiten Medaillen zu gewinnen. Aber das ist mein Anspruch. Ich verschwende aber jetzt keine Energie darüber nachzudenken, denn ich möchte meine besten Leistungen zeigen und um Medaillen kämpfen.

Wie kann man sich einen Tagesablauf in Pyeongchang vorstellen?

Das kommt auf den Trainingsplan an. Ob es vor und nach den Wettkämpfen ist. Wir haben die Möglichkeit bei vier offiziellen Trainings die Schanzen auszutesten und Einstellungen vorzunehmen. Dann laufen wir uns auf den Strecken ein, testen wo wir Akzente und Attacken setzen können. Einige Erfahrungen haben wir schon im letzten Jahr gemacht.

Sie kennen die Anlage in Pyeongchang also schon?

Ja, wir hatten in der vorigen Saison dort schon einen Weltcup.

Und wie sind die Schanzen und die Laufstrecke?

Es ist alles sehr modern. Das Schanzenprofil ist sehr angenehm und ich fühle mich sehr wohl auf der großen Schanze. Auch auf der kleinen habe ich schon drei Sprünge gemacht. Die Laufstrecken sind sehr anspruchsvoll. Es ist alles gut und ich habe keinerlei Bedenken, es ist also vieles dort möglich.

Wohnen Sie im olympischen Dorf?

Nein, direkt an der Anlage. Wie die Unterkunft ist, ob es zum Beispiel ein Hotel ist, weiß ich noch nicht genau. Aber Schanze und Laufstrecke sind in Fußmarschnähe. Das ist sehr angenehm, da wir keine weiten Anfahrten haben.

Haben Sie Zeit, sich zum Beispiel die Stadt anzuschauen?

Mit Stadt ist da oben nicht viel. Man muss sich das vorstellen wie viele kleine Dörfer, die da irgendwie zusammenhängen. Wir müssten schon nach Seoul fahren, aber dafür werden wir keine Zeit haben.

Wie sieht es mit den Besuchen anderer Sportveranstaltungen aus?

Wenn es der Trainingsplan zulässt, möchten wir das schon nutzen. Aber ich bin dort, um Sport zu machen und um Medaillen zu gewinnen. Da muss es dann schon zeitlich passen.

Welche Sportarten würden Sie interessieren?

Natürlich Skisprung. Richard Freitag ist ein sehr, sehr guter Freund von mir. Auch die alpinen Wettbewerbe würden mich interessieren. Eigentlich alles, wo wir gut vertreten sind, um die Sportler zu unterstützen.

Sie haben schon einen Satz Medaillen mit Gold und Silber in Sotschi und Bronze in Vancouver. Wie sind Ihre Ziele diesmal?

Ich glaube, ich wäre ein schlechter Sportler wenn ich sagen würde, ich fahre dort hin, nur um dabei zu sein, denn ich war ja schon Olympiasieger. Natürlich ist es mein Ziel und mein Anspruch, wenn ich dort antrete, möglichst gut zu sein. Wozu es schlussendlich reicht, werden wir sehen. Ich möchte auf jeden Fall mein Bestes geben.

Haben Sie in den zwei Wochen Südkorea Kontakt zu Ihrer Familie zu Hause?

Das Schöne ist, dass meine Frau, meine Eltern, Freunde und Bekannte mit rüberfahren. Die sind zwar woanders untergebracht, aber sie sind bei allen Wettbewerben vor Ort.

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