17.10.2017 - 22:38 Uhr
FlossenbürgSport

Nordische Kombination: Eric Frenzel im Interview Von Pyeongchang über Seefeld nach Oberstdorf

Hirschau. Er ist mehrmaliger Weltmeister und Olympiasieger. Fünfmal in Folge hat er den Gesamtweltcup in der nordischen Kombination gewonnen. Seit einigen Jahren hat Eric Frenzel seinen Lebensmittelpunkt in der Oberpfalz, genauer gesagt im Flossenbürger Ortsteil St. Ötzen. Anlässlich der Neueröffnung des Sportfachgeschäfts "Meister Nordic Sport" kam der weltbeste Kombinierer nach Hirschau. Bei diesem Termin gab er unserer Zeitung wenige Wochen vor dem Weltcup-Saisonstart ein Interview.

Eric Frenzel hat noch längst nicht genug von Titeln und Medaillen. Von den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea möchte der Wahl-Flossenbürger mit reichlich Edelmetall zurückkommen. Bild: chl
von Christian LinglProfil

Herr Frenzel, zunächst einmal nachträglich Gratulation. Sie sind heuer im Frühsommer wieder Vater geworden. Hat sich dies auf Ihre Saisonvorbereitung ausgewirkt?

Eric Frenzel: Vielen Dank. Es ist ja unser drittes Kind, von dem her läuft das Ganze schon recht routiniert. Die Kleine hat sich gut eingelebt und spielt da gut mit. So konnte ich mich uneingeschränkt auf die Saison vorbereiten.

Sie haben an einigen Sommer--Wettkämpfen teilgenommen. Ihre Ergebnisse dort waren gut, wenngleich Sie nicht immer ganz oben auf dem Treppchen standen. Ein Fingerzeig?

Die Sommerwettkämpfe spielen in unserer Saisonplanung keine große Rolle. Wir absolvieren diese aus dem Training heraus. Gerade beim Springen kommt die Form in den Wettkämpfen. Ich bin gesund durch den Sommer gekommen und konnte die vom Trainerteam geforderten Trainingsumfänge gut umsetzen. Insgesamt sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Ich bin auf dem richtigen Weg und hoffe nun, dass ich den Einstieg in den Winter finde.

Im letzten Jahr gab es ja zwischen Ihnen und Ihrem Teamkollegen Johannes Rydzek einige spannende Zielsprint-Entscheidungen. Auch der Gesamtweltcup wurde erst im letzten Rennen entschieden. Wie ist der Teamgeist in der deutschen Mannschaft?

Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zueinander. Wir respektieren, wenn der andere gewinnt, und gratulieren einander auch. Die Leistungsdichte in der deutschen Mannschaft ist insgesamt sehr hoch. Oft entscheiden Kleinigkeiten, wer an einem Tag die Nase vorne hat.

Pushen Sie sich gegenseitig?

Ja, kann man schon so sagen. Wir ziehen Vorteile aus der großen Leistungsdichte im Team. An Tagen, an denen es mal schwer geht, hat man immer jemanden, an dem man sich orientieren kann.

Im nächsten Jahr werden sie 30. Haben Sie schon mal in die Zukunft gedacht, wie es nach der nächsten Saison weitergeht?

Da habe ich eigentlich keine konkreten Vorstellungen. Solange ich Spaß daran habe und die Familie mir so den Rücken stärkt, werde ich das auf jeden Fall noch weiter machen. Jetzt sind erst mal die Olympischen Spiele in Pyeongchang, 2019 dann die Weltmeisterschaft in Seefeld. 2021 würde ich gerne auch noch bei der Heim-WM in Oberstdorf starten - wenn meine Leistung da noch reicht, um vorne mitzulaufen.

Der Saisonhöhepunkt in dieser Saison sind die Olympischen Spiele. Gibt es daneben noch weitere Ziele? Beispielsweise die Bestmarke von Hannu Manninen mit 47 Weltcuperfolgen einzustellen?

Nein, sicherlich kennt man diese Rekorde. Aber so etwas lässt sich nicht planen. Meine Saisonplanung zielt auf Südkorea. Dem ordnet man alles unter. Gegebenenfalls lässt man auch mal ein Weltcup-Wochenende aus. Olympia ist mein großes Highlight, da möchte ich Medaillen gewinnen.

Apropos Olympia. Beunruhigt Sie die politische Lage in Korea?

Nein! Erstens ist das ein anderes Land. In Südkorea gibt es keinen Diktator und mit den USA hat das auch nichts zu tun. Das sind meine dritten Olympischen Spiele und im Vorfeld gab es jedes Mal diese Diskussionen. Das war in Sotschi so, aber auch in Vancouver.

In Vancouver?

Dort waren die Sicherheitsbestimmungen sehr hoch. Es gab Proteste und Terrorwarnungen im Vorfeld. Da spielten die Anschläge von 2001 immer noch eine große Rolle. Als Sportler gehe ich davon aus, dass bei den Spielen alles für unsere Sicherheit getan wird.

Kommen wir zu was ganz anderem: Kennen Sie die Langlaufstrecken in Hirschau?

Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit, die Strecken hier in Hirschau im Winter auszuprobieren. Aber sicherlich ergibt sich das noch.

Wenn Sie irgendwann Ihre Skier an den Nagel hängen, können Sie sich vorstellen, sich für den Langlaufsport in der Region zu engagieren?

Ich bin mittlerweile sehr verwurzelt in Flossenbürg. Meine Frau ist im dortigen Skiclub sehr engagiert. Sie ist Übungsleiterin und betreut einige Gruppen. Wenn meine Kinder nach meinem Karriereende noch im Langlauf unterwegs sind, kann ich mir sehr gut vorstellen, mich auch entsprechend einzubringen.

Solange ich Spaß daran habe und die Familie mir so den Rücken stärkt, werde ich das auf jeden Fall noch weiter machen.Eric Frenzel über den Zeitpunkt eines möglichen Karriereendes

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