Förderverein KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Sensationelle Entwicklung

Schriftführer Johannes Ibel, Bürgermeister Thomas Meiler, Kassier Alexander Sailer, Vorsitzender Karlhermann Schötz und dessen Stellvertreter Landrat Andreas Meier (von links) geben einen Überblick über die Arbeit des Fördervereins der KZ-Gedenstätte Flossenbürg. Bilder: fsb (2)
Vermischtes
Flossenbürg
17.11.2017
105
0
 
Mitglieder des Fördervereins sehen sich im Archiv um.

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ist eine der ältesten in Europa und mit ihren Projekten sowie der Häftlingsdatenbank auch eine der fortschrittlichsten. Großen Anteil daran hat der Förderverein.

"Eine Gedenkstätte soll heute ein an der Zukunft orientiertes Haus der Erinnerungskultur und Begegnung sein, Fragen aufwerfen und neue Wege gehen", sagte Vorsitzender Karlhermann Schötz in der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend im Verwaltungsgebäude. Dies sei in Flossenbürg gut umgesetzt worden, so auch mit dem integrativen Museumscafé im ehemaligen SS-Kasino.

Ziel sei es, dass die Flossenbürger nicht von "der", sondern von "unserer" Gedenkstätte sprechen. Leiter Jörg Skriebeleit bezeichnete 2017 als ein "Jahr der Belehrung mit einer sensationellen Entwicklung vor allem im Bildungshaus" mit vollen Räumen, mit der integrativen Jugendbegegnung und den Dauerausstellungen "Konzentrationslager Flossenbürg 1938 - 1945" sowie "Was bleibt - Nachwirkungen des KZ Flossenbürg". Autorenlesungen in Tschechien, Sulzbach-Rosenberg und demnächst in der tschechischen Botschaft in Berlin zeigen eine große Resonanz für das im Sommer 1946 in Tschechien erschienene Buch von Fridolín Machácek "Pilsen - Theresienstadt - Flossenbürg: Die Überlebensgeschichte eines tschechischen Intellektuellen".

2018 solle das "Jahr der Perspektiventwicklung" werden, gerade auch im Hinblick auf 2020, dem 75. Jahrestag des Kriegsendes. Dafür seien mehrere Projekte angedacht, darunter eine deutsch-tschechische Wanderausstellung. Ein Pilotprojekt, für das man sich zusätzliche Finanzierung erhoffe, ist "Dachau - Flossenbürg - Auschwitz".

Anfragen betrafen zwei schlecht recherchierte TV-Sendungen in "Kontraste" und im Bayerischen Fernsehen mit zum Teil vorgegebenen Sätzen in Interviews, zu denen die örtliche Presse von sich aus reagierte und auch der Vorsitzende sich an die ARD und den Rundfunkrat wandte, was wohl einige Gespräche in der Redaktion zur Folge hatte. Aufgabe des Fördervereins sei weiterhin, das zu tun, was der Gedenkstätte und dem Ort am besten diene.

Blick ins ArchivAls besonderes Angebot für die Mitglieder gab es eine Besichtigung des Archivs mit Leiter Johannes Ibel, zugleich Schriftführer des Fördervereins. Zwei bis sechs Mitarbeiter und zwei bis vier Hilfskräfte kümmern sich um den Bestand. 31 Prozent der Arbeiten beziehen sich auf die Durchführung von Ausstellungen, 21 Prozent auf Archiverschließung, weitere 21 Prozent auf Anfragen und 10 Prozent auf Forschung.

Ab 2000 war mit 50 Praktikanten eine vom Förderverein initiierte Häftlingsdatenbank eingerichtet worden, die regen Zuspruch erfährt. Sie wird laufend durch ein deutsch-russisch-ukrainisch-weißrussisches Erschließungsprojekt von Wehrmachtunterlagen aus postsowjetischen Archiven über sowjetische Kriegsgefangene ergänzt. Von Februar bis November gab es 3700 virtuelle Besuche in den "Memorial Archives". Um in das in zwölf Sprachen erstellte digitale Angebot, das von Interessenten aus ganz Europa, speziell aus Deutschland, aber auch aus den USA genutzt wird, zu gelangen, ist ein Antrag erforderlich.

Ibel führte die Besucher in die zum Teil noch seit 2014 zu sanierenden Archivräume im Keller und stellte ihnen einige Schätze vor, die zum großen Teil aus privatem Nachlass stammen. Dazu gehören eine Häftlingsjacke, Fotos, eine Kamera mit belichtetem Film, die ein US-Soldat in einem abgeschossenen Flugzeug gefunden hatte, Paketkarten für die Häftlinge, ein geschnitzter und mit Nazi-Symbolen verzierter Holzstock eines SS-Manns sowie verschlüsselte Funksprüche - im Original und entschlüsselt, vor allem aus der absoluten Endphase des KZ-Systems vom 1. bis 15. April 1945, als Flossenbürg die Zentralverwaltung war. (fsb)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.