21.02.2018 - 20:00 Uhr
Flossenbürg

Gedenkstätte Flossenbürg lehnt Om-Chanting ab Bei Om-Klang kein Einklang

"Om!" Das will Angela Beyer am Samstag 45 Minuten lang mit Sympathisanten in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers in Flossenbürg singen, um "die Vergangenheit zu heilen" und den Ort "spirituell zu reinigen". Nur hat sie keine Erlaubnis dafür.

Nein sagen die Verantwortlichen zum kollektiven "Om"-Singen in der Gedenkstätte Flossenbürg. "Das bedeutet aber keinerlei Wertung des Wertkanons oder der Spiritualität" der Veranstalter, betont Leiter Jörg Skriebeleit. Bild: nm
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Es klingt ominös, wozu die Frau noch am Dienstag, 20. Februar, die Öffentlichkeit einlädt: Von einer geplanten Friedensveranstaltung eines internationalen "OM Chanting" ist die Rede. "Wir möchten tiefen Frieden aussenden, um die Schatten der tragischen Vergangenheit, die sich noch in der astralen Ebene unserer Wirklichkeit und an diesen Plätzen befinden, aufzulösen." Der spirituelle Lehrer Paramahamsa Sri Swami Vishwananda aus Mauritius mit indischer Abstimmung und Wirkungsort im Taunus inspiriere dazu. Die Mission dieses Meisters sei, die Herzen der Menschen zu öffnen - am Samstag auch in Flossenbürg.

Intensiv diskutiert

Die Herzen des Leiters der Gedenkstätte dort konnte Beyer mit ihrem Vorhaben nicht öffnen. "Wir haben innerhalb der Gedenkstätte Flossenbürg und innerhalb der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten intensiv über Ihre Anfrage und Ihren Wunsch diskutiert", schreibt Jörg Skriebeleit bereits am 8. Februar an die Frau, die das gemeinschaftliche "OM Chanting" organisiert. "Wir können Ihnen leider keine Erlaubnis für eine offizielle Veranstaltung erteilen", heißt es weiter.

Die Gründe für diese Entscheidung nennt Skriebeleit auch: Das Vorhaben sei nicht über die Satzung der freien Religionsausübung gedeckt. "Das Ziel 'den Ort zu reinigen' bzw. 'die Vergangenheit zu heilen' ist aus unserer Sicht vielmehr eine unangemessene Instrumentalisierung der Orte und eine unangemessene Inanspruchnahme des Schicksals jedes einzelnen Opfers."

Derart reflektiert scheinen andere Gedenkstätten das Thema nicht angegangen zu haben. So gab es das "OM Chanting" etwa bereits in der österreichischen Gedenkstätte Mauthausen. "Ein Om gegen böse Gedanken in Mauthausen" titelt die örtliche Zeitung am 23. November. Auch in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald trafen sich die Teilnehmer und sangen dort "Om".

Wirkung breitet sich aus

"Die harmonisierende Wirkung breitet sich bis zu 2 km in die Umgebung aus. Dabei werden negative, auch krankmachende, Schwingungen aufgelöst", wirbt "OM Chanting"-Leiterin Beyer - und zeigt sich enttäuscht über die Absage aus Flossenbürg: "Sehr traurig" sei das. Der Intellekt habe wohl entschieden, das Herz wäre zu einem anderen Ergebnis gekommen. Trotzdem wünschte sie den Mitarbeitern in Flossenbürg und denen der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten "eine Herzensöffnung" - und lud dennoch nach Flossenbürg ein.

Interessierte "Om"-Sänger sollen sich doch für Samstag anmelden, die Zeitung solle berichten. Bar erstaunt zeigten sich die Mitarbeiter der Gedenkstätte, ob dieser Einlassung. Ja, geöffnet sei wie immer samstags von 9 bis 16 Uhr. Ein "Om"-Gesang werde aber nicht erwartet.

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