Jahrestag der Verhaftung von Dietrich Bonhoeffer
Widerstandskämpfer im KZ Flossenbürg

In der Kapelle auf dem Gelände des ehemaligen KZ steht eine Büste von Dietrich Bonhoeffer. (Foto: Gabi Schönberger)
Vermischtes
Flossenbürg
05.04.2018
1174
0
 
An dieser Wand im ehemaligen Arresthof auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wurde Dietrich Bonhoeffer gehängt. Die Gedenktafel mit Kreuz erinnert daran. Der Tag der Verhaftung des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers jährt sich heuer zum 75. Mal. Bilder: Gabi Schönberger (3) (Foto: Gabi Schönberger)
 
Dr. Christa Schikorra von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zeigt eine Statue von Bonhoeffer. (Foto: Gabi Schönberger)

Dietrich Bonhoeffer ist wohl nicht einmal 24 Stunden im KZ Flossenbürg inhaftiert. Der Theologe wird dort gehängt. Es ist das Ende einer zweijährigen Haft in mehreren Gefängnissen, die am 5. April 1943 begann. Der Tag seiner Verhaftung jährt sich nun zum 75. Mal.

Der evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer hätte sich vor den Nazis retten können. Der promovierte Theologe, am 4. Februar 1906 in Breslau geboren, darf seinen Bruder Karl Bonhoeffer 1939 in die USA begleiten. Im Juni reisen die beiden nach Chicago, um Vorträge zu halten. Doch Dietrich Bonhoeffer hadert mit seinem Aufenthalt in den USA, während sich in Deutschland die politische Lage zuspitzt. In sein Tagebuch trägt er ein: "Die Zeitungsnachrichten werden immer beunruhigender. Sie ziehen die Gedanken ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Gottes Wille ist, dass ich ohne besondere Aufgabe im Kriegsfall hier bleiben soll."

Er entscheidet sich, zurückzukehren, auch wenn er wusste, dass das gefährlich sein könnte. "Die Erde, die Völker, Deutschland und vor allem die Kirche kann nicht aus seiner Hand fallen. Es fällt mir ungeheuer schwer, angesichts der heutigen Lage 'Dein Wille geschehe' zu denken und zu beten." Schon früh hatte sich der engagierte Pfarrer und Universitätsdozent gegen das NS-Regime gewandt. Bei einem Radiovortrag etwa sprach Bonhoeffer offen über seine Ansichten. Über die ersten Massenverhaftungen von Juden in Berlin 1941 schrieb er an befreundete Militärs. "Das war schon etwas Ungewöhnliches", ordnet Dr. Christa Schikorra Bonhoeffers Engagement ein. Schikorra leitet in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg die pädagogische Abteilung.

Am 1. September 1939 erklärt Adolf Hitler Polen den Krieg und Bonhoeffers Widerstand wächst. In Berlin will er Kriegspfarrer werden. Doch dazu wird er nicht berufen. Die Oppositionsbewegung "Bekennende Kirche", die sich immer wieder gegen Hitlers Politik stellt, leidet unter ständigen Repressalien. Bonhoeffer will sich also politisch engagieren. Unter dem Titel "Das Recht auf natürliches Leben" setzt er sich mit Euthanasie auseinander. Offiziell arbeitete der Theologe der evangelischen Kirche als Auslandskurier im Amt für Spionageabwehr in München, inoffiziell nutzt er Kontakte und Reisen für den Widerstand.


Gedanken an Selbstmord

Sein Einsatz bleibt jedoch nicht geheim. Die Münchener Abwehr wird auf Bonhoeffers Kontakte zu Widerstandsgruppen aufmerksam. Mit seinem Schwager Hans von Dohnanyi wird Bonhoeffer von Oberkriegsgerichtsrat Roeder und Gestapo-Kommissar Sonderegger am 5. April 1943 verhaftet und in Berlin-Tegel inhaftiert. Obwohl er auch auf hilfsbereite Wärter trifft, geht es dem damals 36-Jährigen nicht gut. Auf einem Zettel notiert er: "Das Phantasieren, Verzerrung der Vergangenheit und Zukunft, Selbstmord, nicht aus Schuldbewusstsein, sondern weil ich imgrunde schon tot bin, Schlussstrich, Fazit." Seinen Eltern schildert er jedoch ein harmloseres Bild seiner Haft: "Vor allem müsst Ihr wissen und auch wirklich glauben, dass es mir gut geht."

Es folgt eine Odyssee durch mehrere Gefängnisse. 1944 wird er in das Hauptgefängnis der Gestapo in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße verlegt, wo sich heute die Ausstellung "Topographie des Terrors" befindet. Dort darf der Regimegegner nur noch wenige Briefe schreiben und empfangen. Als einen der drei letzten ist ein Brief vom 19. Dezember 1944 erhalten, den er seiner Verlobten Maria von Wedelmeyer schickt. Im Kuvert steckt auch Bonhoeffers Gedicht "Von guten Mächten", das als Kirchenlied bekannt ist. Am 7. Februar wurde der Geistliche in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht.

Wenig später befindet er sich in Haft in Schönberg im Bayerischen Wald. Das muss Bonhoeffer am Weißen Sonntag, 8. April 1945, verlassen. Er wird im KZ Flossenbürg inhaftiert, weil dieses weiter weg von der Front liegt. "Dietrich Bonhoeffer war kein KZ-Häftling hier", sagt Schikorra. Denn der promovierte Theologe muss in Flossenbürg nicht wie andere Häftlinge im Steinbruch arbeiten. Er gehörte zum als "Verschwörer" bezeichneten Personenkreis, erläutert sie. Eine Gruppe von Offizieren des militärischen Abwehrdiensts hatte mit zivilen Widerstandsgruppen versucht, Hitler zu stürzen. Am 20. Juli 1944 verübte Oberst Claus Schenk von Stauffenberg ein Bombenattentat auf den Diktator, das fehlschlug. Daraufhin ließ Hitler einige tausend Menschen verhaften. Am 5. April 1945 ordnete er die Hinrichtung aller noch nicht exekutierten "Verschwörer" an.


Tod wegen Hochverrats

Dietrich Bonhoeffer ist nur eine Nacht im Arrestgebäude in Flossenbürg eingesperrt. Noch am Abend des 8. Aprils gab es ein Standgericht gegen den Theologen und sechs weitere Männer. Das Urteil, das schon vor der Verhandlung feststand: Tod wegen Hochverrats. Am Morgen des 9. April, drei Wochen vor der Befreiung des KZ, erhängen SS-Männer die Verurteilten im Hof des Arrestgebäudes. Von seinem Tod erfährt Bonhoeffers Familie erst drei Monate später.

"Der 9. April ist eher der Erinnerungstag", sagt Schikorra mit Blick auf dem Jahrestag der Verhaftung am 5. April. Konfirmanden und Schulklassen würden in der Gedenkstätte immer wieder thematische Rundgänge zu Bonhoeffer buchen. Einige Klassen einer nach Dietrich Bonhoeffer benannten Schule gedenken ihm am Ende ihres Besuchs und legen Blumen neben die Gedenktafel im Arresthof. "Das Gedenken ist schon häufiger als bei anderen Schulklassen, die den Ort erkunden."

An drei Orten erinnert die Gedenkstätte an den bekannten Pfarrer. In der Kapelle steht eine Büste und im Ausstellungsraum in der ehemaligen Küche ein Modell einer Skultur - das Original ist in Hamburg zu sehen. Außerdem verweist eine Tafel im Arresthof auf Bonhoeffers Tod.

ThemenrundgangEinen öffentlichen Rundgang zum Theologen Dietrich Bonhoeffer durch die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg findet am Sonntag, 8. April, um 10.30 Uhr statt. Bernd Henn, Referent der Gedenkstätte leitet den Rundgang. Treffpunkt ist vor der ehemaligen Lagerwäscherei. Die Veranstaltung ist kostenlos. Vor dem Rundgang laden die Evangelische Jugend in Weiden und das Dekanat Weiden um 10 Uhr zu einer Gedenkandacht in den ehemaligen Arrestbau ein. (esa)


Weitere Informationen zum Leben, Wirken und Widerstand von Dietrich Bonhoeffer gibt es auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Protal, das von der Internationalen Dietrich Bonhoeffer-Gesellschaft, der Deutschsprachigen Sektion, e.V. und dem Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, Verlagsgruppe Randomhouse GmbH, München, betrieben wird.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.