15.10.2017 - 20:00 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

KAB und CAJ erinnern in KZ-Gedenkstätte an "Apostel der Arbeiter" Marcel Callos Anliegen mit Leben füllen

Vor 30 Jahren, am 4. Oktober 1987, wurde Marcel Callo selig gesprochen. Der junge Franzose gilt als "Apostel der Arbeiter". Am Samstag erinnert der Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmerbewegung im Bistum Regensburg (KAB) an sein Engagement.

Die neue KAB-Bundesvorsitzende Maria Etl stellte sich und den Krefelder Beschluss bei der Diözesantagung in Flossenbürg vor.
von Bernhard NeumannProfil

Unter der Überschrift "Arbeit.Macht.Sinn." setzten sich Vertreter der KAB-Kreisverbände mit aktuellen Aspekten auseinander. Zum Auftakt der Arbeitstagung im "Museumscafé" der KZ-Gedenkstätte erinnerte Diözesanpräses Thomas Schmid an Callo. "Er ermutigt uns, Visionen und Träume nie aufzugeben. Es geht nicht um Utopien, sondern um unsere Welt, unsere Umwelt und unser Dasein."

Callo habe mit dem Eintreten für seine Kameraden nicht zuletzt den Kampf für Menschenwürde praktiziert. Das vertrete auch der Verband: "Wir können die KAB aber nicht 'machen', wir müssen sie leben."

Erst seit wenigen Wochen ist Maria Etl als Bundesvorsitzende des Verbandes tätig. Der Regensburger Diözesanverband schaffte es, sie in die Oberpfalz zu holen. In Flossenbürg setzte sie sich mit dem sogenannten "Krefelder Beschluss" auseinander. Unter der Überschrift "Arbeit. Macht. Sinn." hatte der Verband Ende Mai ein Positions- und Forderungspapier für weltweite menschenwürdige Arbeit verabschiedet. Zugrunde liegen die Botschaft der Bibel und die kirchliche Soziallehre.

Etl forderte die knapp 50 Tagungsteilnehmer auf zu sehen, zu urteilen und zu handeln: "Papst Franziskus lässt keinen Zweifel daran, dass es nicht um einzelne Probleme geht, sondern um das ganze System." Angesichts von Ausbeutung der Arbeit, Klimawandel, Millionen von Menschen auf der Flucht und der Abschottung der reichen Gesellschaften sei ein gerechter und solidarischer Welthandel das Gebot der Stunde." Die Frau an der KAB-Spitze warb dafür, gegen die Globalisierung der Gleichgültigkeit einzutreten. "Ein gutes Leben für alle Menschen ist möglich", sagte sie.

Diözesansekretär Martin Schulze will es nicht bei Worten belassen: "Wir müssen den Krefelder Beschluss auch mit Leben erfüllen." Die Rente sei nur ein Beispiel für zahlreiche Handlungsfelder. Anschließend hatten die Männer und Frauen mit den Diözesanvorsitzenden Gerlinde Bayer und Willi Dürr an der Spitze, Gelegenheit zur Diskussionsrunde mit Etl. Sie gaben ihr neben den guten Wünschen für das Handeln im Amt eine Forderung mit auf den Weg nach Köln, dem Sitz des Bundesverbandes: "Gebt an der Spitze etwas mehr Gas. Manchmal meint man, die KAB-Leitung hinkt der Zeit hinterher."

In der Grenzgemeinde vertreten war am Samstag auch der Diözesanverband der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ). Die jungen Leute ließen am Nachmittag goldene Luftballons in den Himmel steigen. Zu werten war das als Beitrag zur Aktion "Du bist mehr wert als alles Gold". Callo hat für die jungen Leute mit seinen Worten und seinem Handeln auch Jahrzehnte nach seinem Tod einen hohen Stellenwert. Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen. KAB'ler und CAJ'ler beendeten das Treffen in der Kapelle "Jesus im Kerker" auf dem Gedenkstättengelände.

"Wir müssen die Anliegen von Callo auch heute vertreten, und zwar ganz massiv", forderte Domkapitular Dr. Roland Batz, der frühere KAB-Diözesanpräses, in dem Gottesdienst. Die Sängerschar "CHORlibri" begleitete die Feierstunde musikalisch.

Marcel Callo - Apostel und Märtyrer

Der 1921 im französischen Rennes geborene Marcel Callo wuchs in einer tief religiösen Familie auf. Schon früh engagierte er sich in der Christlichen Arbeiterjugend. Mit missionarischem Eifer setzte er sich für seine Mitmenschen, für den Glauben und für den Frieden ein.

Im März 1943 kam von den Nazis der Befehl zur Zwangsarbeit. Callo hätte die Chance gehabt zu flüchten. Er nutzte sie nicht: "Ich gehe nach Deutschland, um anderen zu helfen durchzuhalten. Ich fahre als Missionar." Die Gestapo bekommt mit, wie sehr der junge Mann den Leidensgenossen hilft, ihnen Mut zuspricht und mit ihnen Gottesdienst feiert. Damit war sein Schicksal besiegelt: "Durch seine katholische Aktion hat er sich als Schädling für die Regierung der nationalsozialistischen Partei und für das Heil des deutschen Volkes erwiesen."

Nach der Zwangsarbeit nahm ihn die Gestapo in Gotha in Haft und überstellte ihn später in das KZ Flossenbürg. Hier musste der Franzose einige Wochen schwerste Arbeit und Misshandlungen erdulden. Letzte Station vor dem Tod am 19. März 1945 war das KZ Mauthausen.

Leben und Handeln des am 4. Oktober 1987 in Rom selig gesprochenen Callo sind heute Leitbild für die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) und die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB). "Der Christ ist dieses Namens nicht wert, wenn er nicht kämpft. Er muss Apostel sein. Jeder Christ ist beauftragt, anderen das göttliche Leben zu vermitteln, das er selbst empfangen hat." Diese Worte geben die innere Haltung des jungen Buchdruckers wieder. (nm)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.