Ricarda Näger-Schöberl - Königin der Zeit und des Sports
Auf Skiern gen Sonnenunterganz

Das sind die Momente, die Ricarda Näger-Schöberl so sehr schätzt: "Sonnenuntergang auf der Silberhütte, ein Erlebnis mit Suchtfaktor." Bilder: nm (2)
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Flossenbürg
23.12.2016
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Teamarbeit für den nordischen Wintersport. Die Stunden, die Ricarda Näger-Schöberl und Alfred Schöberl für den Skiverleih-Service arbeiten zählt niemand. Bild: nm

Zeitmangel rückt um Weihnachten und Neujahr vielen massiv ins Bewusstsein. Ricarda Näger-Schöberl kann darüber nur lachen: "Alles nur eine Frage der Organisation. Und die Familie muss mitspielen."

(nm) "Wohnst du auf der Silberhütte", die Frage muss sich die Flossenbürgerin immer wieder anhören. Wobei das nicht ganz abwegig wäre. Wenn ein blauer Bus auf dem Parkplatz am Fuß des Entenbühls steht, dann ist Näger-Schöberl nicht weit. Und das ist oft der Fall. Finden lässt sie sich inmitten einer Kinderschar auf Langlaufskiern, selbst auf den schmalen Brettln unterwegs oder im Start- und Zielgebäude des Skilanglaufzentrums.

Das Faible für den Sport reicht bei der Flossenbürgerin bis in die eigene Kindheit zurück: "Der Vater war Skilanglauf- und Sportfan. Da wächst du automatisch hinein." Urlaub von der Gattin hat Ehemann Alfred deswegen nicht. Er übt das Amt eines der stellvertretenden Vorsitzenden beim Förderkreis für das Skilanglaufzentrum aus. Tatkräftig zupacken ist darüber hinaus beim Verleih gefordert. Hinter den Kulissen kümmert er sich um die Pflege und Reparatur von Skiern, Stöcken und Schuhen.

"Meine Frau kann mich also auch auf der Silberhütte ärgern", schmunzelt er mit einem Augenzwinkern. Der Skilanglauf und generell der Sport spielen auch rund um die berufliche Tätigkeit von Näger-Schöberl eine wichtige Rolle. Sie ist seit Jahrzehnten Lehrerin in Plößberg. Ihr liegt es am Herzen, die Kinder für den Sport an der frischen Luft zu begeistern. Mit Erfolg: "Es ist ansteckend. Ein paar machen mit und plötzlich sind alle dabei. Wichtig ist für den dauerhaften Effekt die richtige Basis." Es gehe darum, den Spaß am Sport zu vermitteln.

Wie gut das gelingt, zeigt sich an ganzen Schülergenerationen. Oft sind es bereits wieder die Kinder der Kinder, die bei Näger-Schöberl den Unterricht besuchen und mit freudestrahlenden Gesichtern auf der Silberhütte unterwegs sind. Dabei läuft nicht alles im Rahmen des Unterrichts: "Ich habe eine verständnisvolle Chefin und einen sportbegeisterten Konrektor. Vieles spielt sich aber zusätzlich außerhalb des schulischen Bereichs ab."

"Plößberger Modell"

Konkret gemeint ist eine Sportarbeitsgemeinschaft, die das Miteinander von Schule und SV Plößberg möglich macht. Was während des Jahres läuft, wird in Fachkreisen respektvoll als "Plößberger Modell" bezeichnet: "Wie viel die Lösung den Kindern bringt, zeigt sich am Echo, das zurückkommt. Zahlreiche Eltern, oft ehemalige Schüler, helfen tatkräftig mit. Sie wissen auch, dass Ausrüstungen zum Ausleihen gesucht sind und stellen sie zur Verfügung." Das macht Mut. Ansonsten würde die Pädagogin den Aufwand nicht auf sich nehmen. Für die Schulen kümmert sich die Lehrerin zudem als Langlauf-Obmann um den nordischen Wintersport. Nicht zu vergessen auf die organisatorischen Beiträge für die Bayerisch-Böhmischen Winterspiele der Schulen.

Das Engagement beschränkt sich nicht auf die kalte Jahreszeit: "Unsere Plößberger Laufgruppe holte heuer zum dritten Mal in Folge den Sieg beim Oberpfalz-Cup. Darauf sind wir mächtig stolz." Alle Hände voll zu tun hat Näger-Schöberl genauso zu Hause. Beim TSV Flossenbürg kümmert sie sich in der Sparte Turnen um die Frauenriege und während des Sommers über Wochen hinweg um die Abnahme der Sportabzeichen. Ein bisschen an sich selbst denken, das muss sein: "Jeden Abend alleine auf die Skier steigen und auf der Silberhütte den Sonnenuntergang genießen, da geht dir das Herz auf." Während des Sommers gilt das für ein paar Runden Schwimmen, entweder im eigenen Weiher oder im Freibad auf der Altglashütte.

Alles unter einem Hut

"Entspannung pur" bedeutet genauso das Mitsingen im katholischen Kirchenchor oder das Zupacken, wenn im kirchlichen Bereich Hilfe gebraucht wird. Dazu zählt beispielsweise die Ausgabe der Gewänder für die Sternsinger. Und auf zwei Ereignisse freut sich Näger-Schöberl schon Monate im Voraus: "Das sind der König-Ludwig-Lauf und die dreitägige Fußwallfahrt nach Altötting."

Wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen? "Das geht schon. Die drei Kinder sind nicht mehr klein, mein Mann unterstützt mich und die Mutter stellt sich halt immer wieder mal in die Küche." So führe das Mammutprogramm nicht zum Stress, sondern vermittle Lebensfreude: "Das reicht von der Begeisterungsfähigkeit der Kinder über die Freundschaften, die entstehen, bis hin zur eigenen Zufriedenheit. Da brauchst du keine weitere Freizeit."

Einen Tag im Jahr bleibt der Sport aber außen vor. Heiligabend wird im Kreis der Familie gefeiert. Bereits in der Nacht ist der "Ausschluss der Öffentlichkeit" wieder aufgehoben. Dann steht Ricarda Näger-Schöberl in den Reihen des Kirchenchors auf der Empore.
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