25.02.2018 - 17:42 Uhr
Flossenbürg

Vortrag in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg über die Sonderbehandlung "14f13" "Das geht an die Seele"

Die SS hat 1941/42 im Rahmen der weitgehend unbekannten "Sonderbehandlung 14f13" mehr als 10 000 eingeschränkt arbeitsfähige KZ-Häftlinge vergasen lassen. Julius Scharnetzky macht kein Hehl aus seinem Entsetzen, als er detailliert das Wenige beschreibt, das über "14f13" bekannt ist.

Der Referent Julius Scharnetzky berichtet den Zuhörern in der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg über das Wenige, was man mittlerweile über die Sonderbehandlung "14f13" weiß. Bild: eig
von Redaktion OnetzProfil

209 Häftlinge aus dem KZ Flossenbürg wurden kurz vor dem Ende dieser Aktion noch nach Bernburg gebracht und dort ermordet. "14f13" gilt als eine der ersten systematischen Mordaktionen des NS-Regimes. War es eine Art Test für die späteren Massentötungen?

Julius Scharnetzky, wissenschaftlicher Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte, erklärt den Zuhörern, dass das Kürzel für ein schlichtes Aktenzeichen steht: 14f bedeutet Tod eines Häftlings, die 13 steht für Vergasung als Tötungsart. Josef Salomonovic schaut immer wieder seine Frau Lizzi an, zuckt mit den Schultern, schüttelt den Kopf. Salomonovic ist aus Wien angereist, um den Vortrag zu hören, der zum Programm der Ausstellung "In Memoriam. Krankenmorde im Nationalsozialismus" gehört, die noch bis 31. Mai in der Gedenkstätte zu sehen ist. Er war der jüngste Gefangene des Lagers, noch nicht im Schulkindalter, als er befreit wurde. Er sitzt neben Elzbieta Sobotka, der ehemaligen polnischen Generalkonsulin in München. Einer der Zuhörer wird nach Ende des Vortrags sagen: "Das geht an die Seele, das macht so traurig." Die Meldung des Flossenbürger Lagerkommandanten Karl Künstler vom 12. Mai 1942, wonach 209 seiner Häftlinge an diesem Tag nach Bernburg überstellt wurden, ist eines der ganz wenigen Dokumente über "14f13". Die Aktion wurde den Worten Scharnetzkys zufolge so weit wie möglich geheim gehalten. Verplappert hat sich allenfalls der Arzt Friedrich Mennecke in noch erhaltenen Briefen an seine Frau, der als einer der Ärzte einer Organisation namens "T4" in minutenkurzen Scheinuntersuchungen darüber entschied, wer ein "14f13" war.

Die Nationalsozialisten brachten seit 1939 in Heil- und Pflegeanstalten mit Hilfe der "T4" gezielt Behinderte und psychisch Kranke um; die "Sonderbehandlung 14f13" hängte sich sozusagen an diese Praxis an und bediente sich der T4-Ärzte. Während die Krankenmorde jedoch als Reaktion auf eine zunehmende Unruhe in der Bevölkerung zurückgefahren wurden, stellte die SS fest, dass es sich logistisch einfacher in den Lagern morden ließ, zumal keine Aufstände zu befürchten waren, wie man aus "14f13" gelernt hatte.

Über die 209 Flossenbürger Häftlinge, die "14f13" zum Opfer fielen, ist laut Scharnetzky kaum etwas bekannt, nur von dreien existieren Fotos und einige wenige Daten. Auf die Frage eines Zuhörers, ob man nicht die Angehörigen informieren sollte, sagt Scharnetzky, das sei zweifellos wünschenswert, aber von der Gedenkstätte nicht zu bewältigen; man könne nur auf Anfragen reagieren.

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