05.03.2018 - 20:00 Uhr
Flossenbürg

Zehntklässer der Realschule im Stiftland besuchen ehemaliges Konzentrationslager Vom Individuum zur Nummer

Für die Zehntklässer der Realschule im Stiftland ist es kein leichter Schultag. Die Besichtigung des Konzentrationslagers hinterlässt bei den jungen Leute tiefe Eindrücke.

Die Schülerinnen und Schüler der Realschule im Stiftland beim Rundgang über das ehemalige KZ-Gelände.
von Externer BeitragProfil

Tirschenreuth/Flossenbürg. Der eisige Ostwind pfeift durch das Gelände zwischen ehemaliger SS-Kommandantur und Wäscherei. Instinktiv ziehen die Jugendlichen ihre Mützen tiefer ins Gesicht. "Das, was wir gerade erleben, ist nur ein kleiner Eindruck dessen, wie es den Häftlingen ergangen ist. Da gab es keine Winterjacken, Thermosocken und Handschuhe", beginnt Thomas Koller. Er und seine Kollegin führen bei frostigen -16 Grad die 47 Schüler der Realschule im Stiftland und ihre Lehrkräfte über das ehemalige KZ-Gelände Flossenbürg.

Nach ersten Informationen auf dem ehemaligen Appellplatz zu Entstehung und Gebäuden schließt sich ein kurzer Gang zur ehemaligen Wäscherei an - einst auch für die Aufnahme der Gefangenen genutzt. Vor einem großen Modell des einstigen Lagergeländes erklärt Koller zunächst den Aufbau des KZ Flossenbürg. Dann gibt er den Schülern ein Bild in die Hand, zu dem sie sich äußern sollen. Es zeigt SS-Soldaten in ihrer Freizeit: Gesang, Gelächter, fröhliche Gesichter. "So kannten die Menschen außerhalb und im Ort die Aufseher. Was hier drinnen passierte, konnte sich daher kaum jemand vorstellen". Die Rückseite des Fotos zeigt die Zeichnung eines Lagerinsassen - ein völlig anderes Bild, das die Schüler nun von den SS-Leuten erhalten: brutal, grausam, gefühlskalt. "Das ist die Sicht der Häftlinge auf ihre Wärter und die Zeit hier." Im Untergeschoss der ehemaligen Wäscherei bekommen die Schüler einen Eindruck von der Aufnahme im Lager. Der Kleidung entledigt, kahlrasiert und von höhergestellten Mitinsassen, sog. Capos, geschlagen und gedemütigt, wurden hier "Individuen zu Nummern". Neben den unterschiedlichen Häftlingsgruppen lernen die Zehntklässer beim weiteren Rundgang den Tagesablauf der Häftlinge kennen und erfahren mehr über Haftbedingungen, Verpflegung, Arbeit im Steinbruch und Krankheiten im Lager - sehr anschaulich, sehr eindrucksvoll, sehr ergreifend. Die Schüler stellen viele Fragen an diesem Tag, im Gehen schweigen sie nachdenklich. Das Buch mit den Namen der Häftlinge wird intensiv studiert - vielleicht kennt man einen Nachnamen. Der Rundgang endet mit einem Film, in dem Zeitzeugen über ihre Erlebnisse erzählen. Kinoatmosphäre herrscht hierbei allerdings keine, eher betroffenes Schweigen angesichts der unmenschlichen Zustände im Lager.

"Natürlich sind wir nicht dafür verantwortlich, was hier passierte, aber wir tragen die Verantwortung dafür, dass so etwas nicht noch einmal geschieht", verabschiedet sich Koller von den jungen Leuten.

Kommentare

Um Kommentare vefassen zu können müssen Sie sich Anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.