15.10.2017 - 20:00 Uhr
FreihungOberpfalz

Die Feuerzangenbowle: Zum Hören, Sehen und Probieren in der Kulturscheune Elbart Pfeiffer mit drei F, bitte!

Von Dagmar Williamson

Kurz vor der ersten Hofpause, um danach die Physik-Stunde zu beginnen: Hagen Möckel las und spielte in der Kultuscheune Pfeiffer, Crey und Bömmel aus "Die Feuerzangenbowle". ( Bild: Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Freihung . Als angenehme Abendlektüre vor dem offenen Kamin bezeichnet Hagen Möckel das Buch. Ein zeitloser Klassiker hingegen ist der deutsche Film: Die Feuerzangenbowle. Während in den Regalen der Supermärkte schon die Spekulatius verweilen, gibt es in der Kulturscheune Elbart am Samstag zum schleichenden Auftakt in die Weihnachtszeit die passende szenische Lesung mit geschmacklicher Ergänzung.

"Aha! Die Herrschaften sind amüsiert. Haben Sie denn Ihren Stoff gelernt?" Der Professor, dargestellt von Möckel, schreitet seinem Amt würdig die Treppen der "Bel étage", dem ehemaligen Heuboden der Kulturscheune, hinab. Zylinderhut auf dem Haupt, weißer Schal zur Zierde seines Fracks und die Fliege um den Hals gebunden. Seine Schüler: das Publikum.

Leiser Dampf

Liebevoll platzierte Schiefertafeln mit der Aufschrift "Physik-Stunde" schmücken die Tische und auf der Bühne steigt leiser Dampf aus einer feuerfesten Schale, auf der ein Zuckerhut platziert ist. "Das ist die Einleitung in das zweistöckige Klassenzimmer", sagt der ausgebildete Theaterschauspieler und beginnt mit einem "Film ab" die erste Szene zu rezitieren: "Und nun meine Herren, sollen Sie auch den Anlass erfahren. Heute Nachmittag habe ich unseren lieben alten Pavian begraben."

Mit einem Sprung über ein paar Seiten gelingt Möckel zum ersten Schultag des Schriftstellers Dr. Pfeiffer und entzündet währenddessen das Feuer, um den Zuckerhut zu entflammen. Ohne Pause zum Wechsel in eine Anekdote kündigt er laut "Klappe, die I." an und erzählt über das Potsdamer Filmstudio und die Entstehung des Klassikers. Zum Einstieg reißt dieser überraschende Nebeneffekt den Zuhörer aus der Geschichte und wirkt anfangs irritierend, aber bei der zweiten "Klappe" kann man das Format des Programms erkennen. Seine Gestik und Mimik lenken positiv von der hörbuchartigen Lesung ab. Durch die Beherrschung des familienkölschem Dialekt in Betonung, Intonation und Aussprache gelingt es ihm Szenen aus dem Film in Erinnerung zu rufen. Wobei der "Schnauz" genannte Gymnasialprofessor Crey mit dem stark ripuarisch gefärbtem Deutsch am besten von den anderen Charakteren zu unterscheiden ist. Der Schauspieler selbst spricht hallisch, ist aber dennoch um ein akustisch einwandfreies Hochdeutsch bemüht.

"Wenzigen Schlock"

Die Umsetzung der legendären Szene der alkoholischen Gärung gelingt dem Theaterschauspieler mit Bravour angesichts der Tatsache, dass hier die meisten unterschiedlichen Stimmen zu imitieren sind. "Jäder nor einen wenzigen Schlock", liest Möckel mit weisendem Finger und erhobener Augenbraue.

Mit Hilfe von Scheunenbesitzer Günter Preuß serviert der 53-jährige Darsteller die auf der Bühne erhitzte Feuerzangenbowle als kulinarisches Extra zur körperlichen Verinnerlichung des deutschen Klassikers und entlässt seine "Schüler" somit in die Hofpause. "Die Feuerzangenbowle", die 1944 dazu bestimmt war, Frohsinn in die schon halb zerbombten deutschen Städte zu bringen, muntert heute noch auf und hinterlässt zufriedene Gäste der Kulturscheune.

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