11.12.2017 - 20:00 Uhr
FreihungOberpfalz

Dieter Radl und die "Stub’nmusik Bogner" gestalten humorvolle Weihnachtslesung in der ... "Nichts geht ohne Langsamkeit"

Freihung/Elbart. Da ist endlich mal einer, der die weihnachtliche Realität unter sein schreiberisches Seziermesser nimmt. Dieter Radl heißt dieser Mann aus Sulzbach-Rosenberg. Er schildert in der Kulturscheune Elbart zum "Freihunger Advent" seine Beobachtungen beim Christkindlmarkt.

Packend teilt Dieter Radl seine Empfindungen mit. Bild: Houschka
von Autor HOUProfil

Fernab vom Stress

Wenn Radl redet, kommt Sinnvolles heraus. Er hat gesehen, wie die Jazzband schmissig zum frohen Advent loslegte, sich der Zigarettenkippeneimer am Weihachtsmarkt füllte, Leute zur Schnapsbar drängten. Dann erzählt er in breiter Mundart: "A Hunderl mit Zipflhaubn hebt's Fäißl an am Tannabaum." Vielleicht hätte Radl auch noch dem johlenden Alpenpop-Umtrieb auf so mancher Bühne einen Reim widmen sollen. Dann wäre die Vorführung der Verkommenheit vorweihnachtlicher Ausuferungen komplett gewesen. Samt Currywurst und Glühwein mit Obstler bis zum Abwinken. In der Kulturscheune des Günter Preuß und seiner Frau Anna haben Dieter Radl und die siebenköpfige "Stub'nmusik Bogner" unterdessen einen festen Platz im Jahresprogramm.

Man könnte andere engagieren. Aber weshalb? Die Akteure, alles Amateure, verbreiten exakt jene Stimmung, die in diesen Tagen wie Balsam für die von "Jingle Bells" hart ramponierten Seelen nötig ist. "Ganz langsam", wie der Vorleser empfiehlt. "Denn nichts im Leben geht ohne Langsamkeit." Besonders jetzt in diesem weihnachtlichem Stress mit "To-Do-Liste", die es abzuhaken gilt. Bis hin zum Dior-Parfum.

Kommerzfrei gut

Der ehemalige Konrektor hat die Herbergssuche in die Oberpfalz transferiert. Teils in Hochdeutsch, dann in Mundart. Das alles beginnt mit: "Maria, i soll mi in Bethlehem dort meld'n, i blick' net durch, was die da wieda wölln". Der Weg des Paares führt zu hartherzigen Wirten, deren Zahl bis heute nicht abgenommen hat. Ab nach draußen. Wäre ja noch schöner, wenn da ein Armer um Obdach bittet.

Jeder weiß, was folgt. Dennoch ist da Spannung bei den Zuhörern in der Scheune. Denn sie ist in dieser Stunde nichts anderes als der Stall, von dem die Hirten sagen: "Da genga mia hi, tan nix versamma. A Leb'n lang wern mia davon trama." Bethlehem ist überall. Immer dort, wo diese Frohbotschaft, verkündet in diesem Fall vom Erzähler, nicht mit Santa Claus von Coca Cola und Kommerz einher geht.

Lange Lesung, langer Applaus. Auch für die Musikanten und ihr "Es wird scho glei dumba". Daneben sitzt Dieter Radl und rezitiert, ganz zu Schluss, weihnachtliche Werke von Bert Brecht und Kurt Tucholsky. Warum tut er das? Er selbst ist doch an diesem Abend auf Augenhöhe. Allein schon mit der von ihm geschriebenen Feststellung: "Zu viel Licht macht uns blind. Weder zum Erzählen noch zum Zuhören braucht man Licht. Es genügt eine Kerze." Sie brannte hell genug, um etwas mit hinaus zu nehmen in diese kalte Nacht.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.