Elegantes Salonlöwengebrüll in der Kulturscheune Elbart
Töne wie Kaugummi, aber nicht langgezogen

Norbert Lauter (links) und Sebastian Coors kombinierten moderne Texte und 20er-Jahre-Musik zu amüsanter, geistreicher Unterhaltung.
Kultur
Freihung
16.04.2018
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Folkwang-Absolvent Sebastian Coors befreit sich mit einem herrlich selbstironischen Lied aus dem Schatten eines aufkommenden Max-Raabe-Vergleichs. In seinem Bühnenprogramm "Salonlöwengebrüll" verbindet er spritzig moderne Texte mit dem Sound der 20er Jahre. Begleitet wird er vom singenden Pianisten Norbert Lauter. Bild: Schäfer

Gut gebrüllt, Salonlöwen: Mit ihrer komödiantischen Musikrevue versetzen Sänger Sebastian Coors und Pianist Norbert Lauter die Kulturscheune Elbart in jenen elegant heiteren Gemütszustand, der sich nur einstellt, wenn die Kunst auch von Können kommt.

Wer heutzutage geschniegelt und gestriegelt mit pomadisiertem Haar die Bühne betritt und dann noch spritzige, moderne Texte mit dem Sound der goldenen 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verbindet, steht erst einmal in einem großen Schatten. Das weiß natürlich auch der Folkwang-Absolvent Sebastian Coors, der gleich zu Beginn in den Max-Raabe-Vergleich grätscht - mit dem herrlich selbstironischen Lied "Sing doch mal was von Max Raabe, das ist ein schrecklich feiner Knabe, der hat wirklich gute Töne".

Boshafte Heiterkeit

Nachdem das geklärt ist, öffnen sich Augen und Ohren des Publikums allein für Coors geistreiche Texte aus dem prallen, modernen Leben und seine variantenreichen, beschwingten Kompositionen, die Klavierpartner Lauter kongenial am Flügel umsetzt.

Ihre gegenseitigen Frotzeleien bereichern die musikalische Comedy, gerade weil sie nie im Plumpen, zu Aufgesetzten dümpelten. Was beim Salonlöwengebrüll, so der Name des Programms, gerne harmlos beginnt, endet bisweilen durchaus boshaft: Die auf Facebook zu aktive Mutti landet durch Sohnes Rache in Guantanamo, der im Unruhestand nervige Vater wird mit Tranquillizern zur Familienfrieden stiftenden Räson gebracht. Ihr Fett weg bekommen aber auch das RTL-Dschungelcamp als schlimmstmögliches Auffangbecken für abgehalfterte Künstler, diverse Möchtegern-Allergiker und Lebensmittel-Asketen, die jeden Gastgeber einzig noch vor Wut kochen lassen.

Quiekender Gesang

Auch die Smartphone-Junkies, die über ihre virtuelle die reale Welt völlig vergessen, müssen Späße über sich ergehen lassen. Mit ähnlich großer Freude nimmt Sebastian Coors die florierende "Ervolksmusik" aufs Korn, in der "jeder singt, als ob er quiekt".

Vor der Operette will der Kinofan sowieso einfach nur gerettet werden. Thematisiert werden aber auch der Friseur, die "Rumbar" oder "Der zweite Akt", der bei Beamten ebenso daneben gehen kann wie Liebenden, Malern oder dem Staatspräsidenten.

Bei der "Langweil'gen Nummer" ist Name natürlich auch nicht Programm, denn die Salonlöwen können zwar Töne ziehen wie Kaugummi, dröge wird es dadurch aber lange nicht. Bei all dem lässt sich der singende Pianist Norbert Lauter nicht die Butter vom Brot nehmen. Den Song "Mein Pianist, der Sadist" nimmt er gelassen, sein Leid klagt er beim Solo "Der Begleiter".

Ein bisschen Georg Kreisler

Während man im Laufe des Abends die Raabe-Parallelen schnell vergisst, kommt einem bisweilen ein anderer Großer der komödiantischen Musikunterhaltung in den Sinn: Georg Kreisler hätte womöglich im "Sonntag im Park, mein Schatz, mit dir und den Mücken" seine Fußstapfen erkannt.

Dass so erfrischende und kurzweilige Unterhaltung mit einem "Gute Nacht"-Lied nicht zu Ende sein kann, liegt auf der Hand. Die Salonlöwen setzen zwei Zugaben drauf, einmal mit Löwen-Handpuppe, einmal mit Kurz-Version des Abendprogramms. Am Ende bleibt nur noch die Zustimmung für das Fazit des Hausherrn Günter Preuß: "Was sind schon der Berliner Wintergarten und Max Raabe gegen die Kulturscheune Elbart und das Gebrüll der bestens aufgelegten Salonlöwen Sebastian Coors und Norbert Lauter?"
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