13.03.2018 - 20:10 Uhr
Freihung

Franziska Wanninger in der Kulturscheune Elbart Kurviges Temperament

Masterplan: "Zuerst ihr Vertrauen gewinnen. Dann nebenbei erwähnen, was in den nächsten Stunden passieren wird. Zuschlagen und sie entführen." Das Publikum. Aus der Kulturscheune Elbart. Nach Amberg ins ACC. Aber vorher muss das Klatschen und das Lachen zum richtigen Zeitpunkt noch geübt werden. Auf so eine Idee kann nur die Wanninger kommen. Weil, a weng spinna douds ja - die Franziska Wanninger.

Wünsche in ein Lorbeerblatt blasen und Hormon-oga zur Entspannung? So etwas ist nur den Elite vorbehalten oder Franziska Wanninger in der Kulturscheune. Bild: Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Traumatisierende Erlebnisse mit ihrer narzisstischen Tante Elfriede führten sie also auf die Bühne. So spart man sich einen Psychiater und verdient ganz nebenbei auch noch seinen Lebensunterhalt. Des mou ma scho kinna.

Grandioses Styling

Mit einem grandiosen Styling kommt sie frisch aus München: V-Ausschnitt am Rücken. Schwarze Punkte schmücken das hautfarbene Oberteil, passend der schwarze A-Linien-Rock und die schwarzen Strümpfe. Ihre Füße verstecken sich in roten Pumps. Auch rot: Der Nagellack und die Lippen. Coco Chanel wäre entzückt gewesen.

Und genau diese oberflächliche Betrachtung der Dinge nervt die Franziska vom Einödhof bei Altötting. Theatralisch und dramatisch, überspitzt und wahnsinning-wanninger-guad verkündet sie das auch in ihren Rollen als Bürgermeister, Tante Elfriede, Florian Silbereisen oder Bedienung auf der Wiesn. Frau brauche keinen Schönheitsidealen hinterherzulaufen. "Manche sagen fett, andere nennen es kurvig," sagt die Franzi und zuckt mit den Schultern. Für sie war früher alles besser. Damals wäre eine Frau Mitte Dreißig schon mit einem Doktor verheiratet gewesen. "Heute? Wennst koan hosd, muss'd den Doktor scho selber machen."

Geschichten und Dialoge

Auch Schenkelklopfer hat sie in ihrem Repertoire: "Was sagt eine Frau nach 30 Ehejahren zu ihrem Spiegelbild? Des vergönne ich ihm!" Als Frau vom Bürgermeister hat sie das Hormon-Yoga für sich entdeckt und lästert stöhnend entspannt über die Landrats-Gattin: "Die hat sich schon von Kräutern ernährt, da hat unsereins noch Nudeln gegessen." Die Hausfrauen aus München Süd kommen nicht weniger schlecht davon. Wanninger kritisiert den Beratungsdiebstahl im Einzelhandel, nur damit der Kunde bequem von Amazon bestellt.

Die Ur-Bayerin mischt auf mit ihren Geschichten und Dialogen aus dem Leben. Sprachlich gewandt und so einigen Dialekten mächtig, gibt sie sich ihrem Rededrang hin und stellt die multiplen Charaktere glaubhaft dar. Ihr Programm "Ahoibe - guad is guad gnua" ist gnadenlos und rechnet mit Perfektionismus und den tiefen Abgründen der menschlichen Seele ab.

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