„Freihunger Advent“ in der Kulturscheune Elbarth
Weihnachten ist auch ein Fest der Fröhlichkeit

Weihnachten aus einer Vielzahl von Perspektiven betrachtet: Der Sulzbach-Rosenberger Dieter Radl setzte dem "Freihunger Advent" mit seine Texten und Reimen Glanzlichter auf. Bild: hou
Kultur
Freihung
13.12.2016
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Von Wolfgang Houschka

Freihung. Es ist sein Abend. Der Abend des Dieter Radl aus Sulzbach-Rosenberg, der in der Kulturscheune Elbart erklärt hat, warum der Stall von Bethlehem eigentlich überall auf dieser Welt hätte stehen können. Worte zum Nachdenken, Reime aber auch voller froher Erwartung in einer spannenden Zeit der Vorfreude. Günther Preuß hat diese Veranstaltung den "Freihunger Advent" genannt. Anders als die anderen? Ganz sicher. Da ist die fast schon familiäre Atmosphäre, da sind die Lichter, deren Dochte draußen vor den gläsernen Türen flackern. Das Publikum auf Tuchfühlung mit denen, die auf das Podium gegangen sind, um Besinnlichkeit in die Tage der Festerwartung zu bringen. Mit Texten und Musik, die trefflich zueinander passen.

Oberpfälzische Weisen

Die Stubenmusik Bogner aus Weiherhammer spielt diesmal wirklich, wenn man so will, in einer Stube. Der Vater, die beiden Töchter, deren Ehemänner und ein Enkel. Sechs Musikanten, die mit ihren Oberpfälzer Weisen vergessen lassen, dass es da auch den lärmenden Advent gibt, der vor grell-bunt beleuchteten Häusern ein Rentier namens Rudolph vor den Schlitten eines Gesellen spannt, den sie Santa Claus nennen. Hackbrett, Zither, Flöte, Gitarre, Kontrabass und Stimmen, die perfekt zueinander passen. Gleich daneben sitzt einer, der seine Sulzbach-Rosenberger Mundart (er sagt "Gattn" und nicht "Goartn") einsetzt, um weihnachtliches Geschehen transparent zu machen. Der Mann heißt Dieter Radl, war früher Konrektor und beherrscht Prosatexte ebenso wie die von ihm verfassten Reime. Kein Holpern und Stolpern. Stattdessen aneinandergefügte Worte, die wie Botschaften an die Ohren der Zuhörer dringen.

Gewagte Feststellung

Bethlehem ist überall: Der aus Niedermurach bei Oberviechtach stammende Alois Gillitzer hatte vor vielen Jahren schon mit seiner "Weihnachtsg'schicht" diese sehr gewagte Feststellung nahezu genial in Worte umgesetzt. Das tut auch Dieter Radl. Und man spürt: Die mühsame und erfolglose Herbergssuche, der bescheidene Stall, den Josef und seine Maria hätte es auch bei uns geben können. Mit einer Sprache, die sich kommentierend so anhört: "Man merkt, sie freit sich auf das Leb'n. Des wird a guate Mutta geb'n".

Radl radelt nicht im Eiltempo durch weihnachtliche Mysterien. Er arbeitet sie auf. Der Pädagoge teilt zeitkritisch mit: "Es gibt heit no zu viel Wirt' wie dort in Bethlehem." Was nichts anderes heißt, als: Kann durchaus sein, dass man denen, die in tiefer menschlicher Not um Asyl nachsuchen, die Türe weist. Doch irgendwann kommt Radl, der gescheite Dichter, Denker und Poet, zu dem Schluss: "A g'weihte Nacht is heit." Mit dem Stern, der alles überstrahlt und deutlich macht: Da ist einer zur Welt gekommen, mit dessen Ankunft sich alles verändert.

Die geweihte Nacht bekommt an diesem Abend auch herzhafte Aspekte. Den Weihnachtsmarkt, auf dem heutzutage die Jazzband spielt und die Oma, die völlig überraschend für ihre Enkel als wilde Lucia kurz vor Heiligabend auftritt und entlarvt wird. Dazu ein Nikolaus, dem das Band des weißen Rauschebarts reißt.

Fast wie wohlige Wärme

Damit macht Dieter Radl deutlich: Weihnachten ist auch ein Fest der Fröhlichkeit, des Rückbesinnens auf eigene Erlebnisse und des Zusammenstehens innerhalb einer Familie. Ohne Kunstschnee aus Silbereisen-Shows und - wie es Dieter Radl aufzuspießen pflegt - "Humba Humba Täterä". Draußen hat sich Glatteis auf den Straßen gebildet. Drinnen in der Scheune ist es, als ob ein Kachelofen wohlige Wärme verbreitet. Freihunger Advent, im Ortsteil Elbart gefeiert. Danke für diese Einstimmung.
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