17.07.2017 - 17:44 Uhr
FreihungOberpfalz

Karin Zimny mit "Dirndlalarm" in Kulturscheune Elbart Saupreiß sucht Urbayer

Wenn ein Saupreiß in Bayern Musik-Kabarett macht, dann ist Karin Zimny in der Kulturscheune in Elbart zu Gast. Dort hält sie im Dirndl Ausschau und schlägt Alarm.

Kein Hackbrett und keine Zither, dafür zupfte Karin Zimny die Ukulele und begeistert ihr Publikum mit selbstgeschriebenen Texten. Bild: Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Zimny bedeutet auf polnisch frostig. Das ist die studierte Sozialpädagogin aber nicht. Mit einem strahlenden Lächeln lehnt sie Essen vor dem Auftritt ab. Schließlich muss "das Karin", wie sie sich vorstellt, noch in ihr Dirndl passen. Obwohl "des Deandl ausm Ruhrpott so dürrlochad is, dass 's durch d' Kanaldecklritzn passt". Dessen ist sie sich bewusst. Aber nicht, dass ihr das nötige Holz vor der Hütten fehlt, um die Tracht oberhalb des Bauchnabels zu füllen. Sie schwärmt vom eigenen Alpenpanorama - für die Show, versteht sich.

Semmeln und Dirndl

Vor acht Jahren folgte Karin Zimny ihrer Liebe nach München. Schon bald lernte sie keine Brötchen beim Bäcker zu bestellen. "Des san Semmeln", erklärte ihr die Verkäuferin. Und der Nachbar, der sie nicht grüßt, sei einfach nur ein Grantler, habe man ihr gesagt. "Ich war ein bisschen verwirrt. Überall Dirndl. Alle Damen sind so schick und putzen sich heraus." Die Bayern würden sagen "Schee hosd di gmacht". So entstand die Idee für ihr erstes Soloprojekt "Dirndlalarm". Das "Grüß Gott" lege sie auch in ihrer Heimat nicht ab, aber ansonsten probiert sie es gar nicht, sich sprachlich in Bayern zu integrieren. Es wäre auch nicht authentisch, schließlich ist die 56-Jährige keine Monika Gruber.

Während ihres 90-minütigen Programms sucht das Gretl aus dem Ruhrpott, die etwas kauzig auf der Bühne steht, ihren Baumbezwinger, den Urbayer, der ihr beibringt, wie man ein Heimischer wird. Als Ausländer in München wolle sie nicht als Sozialschmarotzer abgestempelt werden und die passende How-To-Literatur hat sie auch noch nicht gefunden. Berge sind für sie ein Hindernis zwischen Start und Ziel und die Natur will ihr nichts Gutes. Sie plaudert über Ehe, vorwurfsvolles Staubsaugen und Hausfrauen-Burnout. Sie erzählt von junger dummer Liebe und, dass das Älterwerden für sie eine Kriegserklärung sei.

Gesang und Ukulele

Erfrischend sind ihre Gesangseinlagen: Aus James Browns "I feel good" wurde eine Ode an ihren Putzfimmel. "Mein Herz, das hört sich echt krank an" trällerte Zimny zu der Melodie von Torrinis "Jungle Drum". Zum Mitsingen ließen sich die Oberpfälzer nur mühsam animieren, aber als sie ihre Ukulele zückte, stimmte sie das Publikum selig. In ihrem "Bayerischen Lied auf hochdeutsch" flehte sie "nimm mich auf in deinen Heimatverein".

Jemandem, der so auf der Bühne frohlockt, wird die Mitgliedschaft bestimmt nicht verwehrt. Dennoch hätte stellenweise mehr Pfiff in das Programm gehört. Mit gelungenen Wortspielen ist "Dirndlalarm" leichte, unterhaltsame Kost. Das Deftige dazu servierte die Küche der Kulturscheune Elbart.

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