24.04.2018 - 20:00 Uhr
FreihungOberpfalz

Martin Frank räumt auf in der Kulturscheune Elbart: Über schweigende Stoderer und die Bettelbranche

Unsicher seines Geschlechts im Transit-Alter von 25 Jahren zieht Martin Frank aus einem niederbayerischen Dorf in die weite Welt hinaus: München. Über Anpassungsschwierigkeiten, seine Dampfnudeloma und warum er beim Anblick von Mozartkugeln Brechreiz bekommt, plaudert der Bauernsohn am Samstag in der Kulturscheune Elbart.

Wie viele Geschlechter gibt es? Und bei so viel Auswahl - welches bin ich? Martin Frank philosophiert in der Kulturscheune Elbart über sein Transit-Alter. Bild: Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Drang zum Gesang

Er hat etwas von einem jungen Michael Mittermeier, der im selben Alter am Erfolg zu schnuppern begann. Ausfallende Gestikulation, übertriebene Stimmlagen, unheimlich wortgewandt mit einem Drang zum Gesang und eine gesunde Vorstellung darüber, wie es im Leben sein sollte: Man nehme alles mit Humor. Zwischendurch die Frage: Holt Martin Frank auch mal Luft? Ja. Das Atmen muss geübt sein - es geht gar nicht anders. Schließlich wollte der junge Niederbayer einst Opernsänger werden. Dass es an der Mozart-Schule in Salzburg nicht klappte, läge einzig und allein an seinem Namen, erzählt der 25-Jährige. Er sei sich auch nicht sicher, was sein Vorname ist: Martin oder Frank. Während die "Määrie" mit einem Sugardaddy an ihrer Seite beim Vorsingen glänzen konnte, hatte er nur seine Dampfnudeloma dabei.

"Aloise!" ruft er mit Betonung auf das "E", "Aloise, push the button!" Ein Befehl, den Scheunenbesitzer Günther Preuß mit einem Lachen gehorsam befolgt, um die Musik der ersten Arie abzuspielen. So viel nur vorweg: Gut, dass der Martin Kabarettist geworden ist. Da braucht er beim Anblick von Mozartkugeln auch nicht mehr speien, wie er so schön ausdrückt. Als wohlerzogenes Kind vom Dorf, wisse man, dass jeder Mensch mit einem kräftigen "Grüß Gott!" zu begegnen ist. Anders als bei den Stoderern. Als er bei der Premiere-Fahrt mit der U-Bahn jeden Fahrgast freundlich grüßt, glaubten diese, er wäre der Schaffner. "Koa Angst, immer mit der Ruhe", winkte er ab. "I foar selber schwoarz".

Hier lernte er auch seinen neuen besten Freund kennen: Mohammed. Der "Taliban" auf seinem Kopf fiel Frank sofort auf. Neugierig wie er ist, wollte der Bauernsohn wissen: "Wickelst du dich selber?" Dem Obdachlosen in der Unterführung gibt er Tipps, wie dieser seinen Becher füllen könne. "Schließlich kenn' i mi aus. In der Bettelbranche. I woar jahrelang bei den Sternsingern."

Im Transit-Alter

Katholisch ist Martin Frank, wie es sich für einen Jungen vom Passauer Land gehört, also auch. Den festen Standpunkt der Kirche in Sachen Geschlechter-Rolle kennen alle. Aber Martin Frank ist sich seines nicht sicher. Er befindet sich nämlich in einem Transit-Alter. Mit 25 Jahren höre er Bibi & Tina nur noch, wenn er krank sei. Trotzdem wäre er nicht alt genug, dass ihn Sterbeanzeigen interessieren würden. Da reisst der Kabarettist das Publikum gekonnt aus ihrem Spaß-Trance. Einer kurzen Schweigeminute folgte schallendes Gelächter. "Göll, sie lesens auch" - mit diesem Satz könnte er folgende Gedanken ausgelöst haben: "Moant der mi?" Und: "Na, da hob i mi deischt - die les i no niad".

Eines steht fest: Martin Frank wird immer mit tosendem Beifall belohnt. Dennoch freut er sich viel mehr darüber, dass er das Volk zum Lachen bringen kann. Der Grund für sein Gelingen ist ein einfaches Rezept: Die Überraschung. Bayerischer Witz gepaart mit gespielter Naivität sind Attribute seiner Darbietung.

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