26.02.2018 - 15:26 Uhr
Freihung

Schellack-Ensemble in der Kulturscheune Charleston, Rausch und tiefe Liebessehnsucht

Von Marielouise Scharf

in Elbart, da wurde nicht gekleckert, da wurde geklotzt mit authentischer Live-Musik schwungvoll interpretiert von Stefan Radtke (Klavier), Beate Fischer (Geige), Philipp Mai (Bass) und Jakob Lakner (Klarinette). Dazu In der Kulturscheune Elbart servierten Svenja Fischer und Peter Wittmann die frech-frivolen Lieder jener halb goldenen, halb düsteren Zwischenkriegsjahre.
von Autor MSCProfil

Freihung. Beißender Ostwind draußen und frische Brise der 20er und 30er Jahre drinnen im gemütlich warmen "Ober- und Unterhaus" der Kulturscheune Elbart. "Willkommen in den wilden 20er Jahren" so begrüßt Günter Preuß die Gäste. Für einen lustvollen, hoch musikalischen Samstagabend werden Peter Wittmann vom Ballhausorchester und das Schellack-Ensemble aus München engagiert. Wie es der Name andeutet, ist Musik aus jener Zeit angesagt, als die Nadel sich noch durch die Rillen der rotierenden, schwarzen Scheibe tasten musste.

Chansons mit Geschichte

Ganz anders in Elbart, da wird geklotzt mit authentischer Live-Musik schwungvoll interpretiert von Stefan Radtke (Klavier), Beate Fischer (Geige), Philipp Mai (Bass) und Jakob Lakner (Klarinette). Dazu servierten Svenja Fischer und Peter Wittmann die frech-frivolen Lieder jener halb goldenen, halb düsteren Zwischenkriegsjahre. Aber nicht genug damit. Sie verpacken die Chansons in eine kleine Story: "Gustav von Schönfrieden" (Peter Wittmann), Impressario eines kleinen Theaters am Rande Berlins ist am Ende. Zur Abendvorstellung hat sich viel Prominenz an-, aber die gebuchte Diva abgesagt: "Wegen einer träufelnden Nase!"

Aufmüpfige Rebellin

Sieben Nachwuchskandidatinnen der "Generation Unbegabt" haben ihn bereits an den Rand der Verzweiflung gebracht. Jetzt kommt Frieda Lange, jung, kess im Hosenanzug und mit Schiebermütze. Keine prickelnde Verführerin, eher eine aufmüpfige Rebellin. "Weniger depressives, mehr belebendes", wünscht sich der Theaterdirektor. Und im Laufe des Abends soll er das auch bekommen und viel Herz, Schmerz und Sex-Appeal dazu ...

Die Herren Musiker haben sich mit Weste und Kappe in der Mode der Zeit gekleidet und mit ihren Instrumenten auf der kleinen Bühne um das alte Grammophon mit Schalltrichter gruppiert. Besonders verführerisch anzusehen ist die Geigerin mit ihrem koketten Charlestonhängerchen, dem Stirnband mit Federschmuck - einfach umwerfend! Auch Sängerin Frieda wandelt sich optisch von der Suffragette zur verlockenden Femme fatal mit Fransenkleid und tiefem Dekolleté, die den elegant befrackten Impressario immer mehr bezirzt. Sie finden Gefallen aneinander und kommen zu dem Schluss "Küssen kann man nicht alleine". Sein Kommentar dazu: "Ich wär' dazu bereit".

Ausgiebigen Beifall spendet auch das begeisterte Publikum. Nach vielen alten Schlagern, anspruchsvollen Chansons und schmachtenden Liebesliedern dürfen die Künstler erst nach einigen Zugaben von der Bühne hinaus in die eisige Nacht.

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