07.05.2018 - 20:00 Uhr
FreihungOberpfalz

Willi Sommerwerk in der Kulturscheune Elbart Erinnerungen an die Nachkriegszeit

1949: Die BRD wird gegründet und Willi Sommerwerk erblickt das Licht der Welt. Für ihn ist alles ein Geschenk des Lebens. Sein Talent, sein Charakter und auch, dass er ein zufriedenes Publikum hinterlässt. Mit seinem Programm "Schön war die Zeit" am Samstag in der Kulturscheune Elbart erinnert er an Trümmerfrauen, politisches Zeitgeschehen und die Hits aus 20 Jahren nach dem Krieg.

Willi Sommerwerk beschäftigt sich vor seinen Auftritten mit historischen Ereignissen aus der jeweiligen Region. Bild: Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Wann hat man schon das Privileg, einen weisen, ehrlichen und zutiefst barmherzigen Menschen kennenzulernen? Willi Sommerwerk ist so einer. Es kommt schon öfters vor, dass der 69-Jährige seine Gage an Hilfesuchende spendet. Sommerwerk ist der ausgeglichene und friedliche Kämpfer, der weiß, wie man die breite Masse zum Nachdenken anregt. Seine Generation wuchs ohne Autositz und Kindersicherung auf. Das einzige Paar Schuhe wurde bereits von den Geschwistern eingelaufen. Das Wasser kam aus der Leitung und nicht aus Plastikflaschen und Fahrräder waren meistens zu groß. Helmpflicht: Fehlanzeige. Keine Smartphones, kein Internet und Fernsehen erst ab 18 Uhr. Das Sagen hatten die Eltern. Basta. Damals musste man ohne Psychiater mit seinen Enttäuschungen klarkommen.

Damit kennt sich Sommerwerk aus. Der Heilpraktiker für Psychotherapie nimmt keine neuen Patienten an. Er widmet sich jetzt dem Leben; geht bevorzugt seiner Leidenschaft nach. Mit einem Blick zurück in sein Geburtsjahr widmet er die folgenden 20 Jahre dem musikalischen Stil und historischen Ereignissen - auch aus der Region. So erzählte er, dass Weiden am 5. April 1945 angegriffen wurde. Nur einen Monat später endete der Zweite Weltkrieg. Der Aufbau begann auf dem Rücken der Frauen. 1949 ist auch das Jahr in dem das Grundgesetz verabschiedet wurde. "Die Würde des Menschen ist unantastbar," sagt Sommerwerk. Und das gelte für alle.

In Regensburg gab es 1951 Massendemonstrationen gegen den Film "Die Sünderin". Die Auseinandersetzungen dauerten drei Tage. Junge Männer waren für die Ausstrahlung, alte Männer nicht so sehr. 1952 bekam die Bundesrepublik ein neues Bundesland - Baden Württemberg - und die Briten gaben Helgoland zurück. "Stellen Sie sich mal diesen Brexit vor, wenn sie es behalten hätten". Das Publikum lacht. Ob das Erscheinen der ersten Ausgabe der Bild-Zeitung nennenswert ist, wisse er auch nicht. Er tat es trotzdem. Wie haben sie das nur überlebt? Willi Sommerwerk weiß es und sagt mit einem Zwinkern: "Alle, die nach 1975 geboren wurden, sind einfach nur Warmduscher und Weicheier."

Und damit es nicht nur bei einem komprimierten Geschichtsunterricht bleibt, wie er die Vorstellung schmunzelnd nennt, ermuntert er die Gäste zum Mitsingen bei seinen musikalischen Einlagen. Nun gut, textsicher war das Publikum erst bei Stücken von 1956 und später. "Love Me Tender" und Harry Belafontes "Banana Boat Song" waren die Hits in den Tanzcafés. Auch Schlager wie "Capri Fischer - Bella Marie" oder "Spiel mir eine alte Melodie" hat Sommerwerk im Repertoire und runden einen gemütlichen Abend in der Kulturscheune ab.

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