02.08.2017 - 20:00 Uhr
FreihungOberpfalz

Freihungs Bürgermeister weist Kritik zur Ortsumgehung zurück Karl sauer auf Freie Wähler und Bücherl

Tanzfleck. Alois Karl war sauer. Dem CSU-Bundestagsabgeordneten war zu Ohren gekommen, dass er in der jüngsten Bürgerversammlung der Gemeinde Freihung von Bürgermeister Norbert Bücherl (Freie Wähler) kritisiert worden sein soll. Sinngemäß habe es geheißen, Karl setze sich nicht ausreichend für die Realisierung der Ortsumgehung von Tanzfleck ein. Bei einer CSU-Versammlung verwahrte sich der Parlamentarier nun gegen solche Behauptungen.

Bei seiner Kritik an den Freien Wählern hatte Bundestagsabgeordneter Alois Karl (vorne rechts) auch Bürgermeister Norbert Bücherl (im Hintergrund rechts am Tisch der Interessengemeinschaft Tanzfleck) im Visier. Bild: usc
von Autor USCProfil

MdB fordert Kooperation

Dreieinhalb Seiten lang war die stichpunktartige Auflistung seiner Aktivitäten, die Karl bei der öffentlichen Parteiveranstaltung im Schützenheim als "Beweis" für seine Bemühungen vorlegte. "Wer als Freier Wähler nicht bereit ist, mit mir in der Angelegenheit zusammenzuarbeiten, der tut der Sache keinen guten Dienst", sagte Karl auch in Richtung des anwesenden Bürgermeisters. Dieser wies die Darstellung zurück, er habe den Abgeordneten in der Öffentlichkeit kritisiert. Bücherl betonte seinerseits: "Ich muss mir in Sachen Engagement für die Umgehungsstraße, die ich schon früh angeregt habe, nichts vorwerfen lassen."

"Ich verbitte mir dumme Sprüche", schimpfte der Abgeordnete angesichts einer bestimmten Mail aus den Reihen der Freien Wähler weiter. "Ich glaube, dass sich niemand mehr einsetzt für dieses Jahrhundertbauwerk als ich." Schon 2005 habe er sich beim damaligen Bundesverkehrsminister Tiefensee für eine vordringliche Förderung der Umgehungsstraße stark gemacht. Bei der Maßnahme sollten aber Nachteile für andere möglichst vermieden werden.

Nach Einreichen einer Klage von drei Gemeindebürgern nach der Planfeststellung vom 30. September 2015 habe der Europäische Gerichtshof entschieden, dass auch die Umweltverträglichkeit des Projekts zu prüfen sei. Das Staatliche Bauamt habe deshalb die Planung nach diesen Gesichtspunkten nachgebessert. Karl hoffte, dass die Regierung der Oberpfalz bis zum Herbst die geänderte Fassung neu auslegt.

Es habe keinen Sinn, die Kläger zu verteufeln, meinte der MdB, sondern man müsse mit ihnen reden. Franz Böhm, einer von ihnen, nahm die Diskussion zum Anlass, seine Bedenken gegen die ursprüngliche Straßenplanung P-Ost darzulegen. Es sei infrage zu stellen, ob nur wegen der Klagen das Durchziehen einer Umweltverträglichkeitsprüfung zum Bau der Umgehung erforderlich ist. Aufgrund der Bleivorkommen im Gemeindegebiet müssten wahrscheinlich in jedem Fall Bodenproben aus den betroffenen Grundstücken entnommen werden.

Weiter 3000 Autos täglich

Wäre man der Einwendung gefolgt, die Straßentrasse weiter nach Osten zu rücken, hätte man jetzt nicht die Probleme, für die Fledermäuse Schutzmaßnahmen treffen zu müssen, so Böhm. Und man müsste sich auch nicht den "Vorwand" anhören, dass durch die Planungstrasse der Ortsteil im Osten wesentlich stärker von Lärm belastet werde als vorher, insbesondere durch den Bau der Brücken. Die Straße liege infolgedessen quasi oberhalb des Ortskerns. Durch die Anbindungen ist nach Böhms Ansicht wohl davon auszugehen, dass von Norden kommend weiterhin viele Fahrzeuge durch die Ortschaft fahren würden, da diese Strecke kürzer ist, um Richtung Amberg zu kommen, als direkt auf die Umgehungsstraße abzubiegen. Im Bundesverkehrswegeplan sei von einem Planungsbüro ausgearbeitet worden, dass rund 3000 Fahrzeuge weiter durch den Ort steuern werden.

Durch die Umgehung werde die erst 2000 abgeschlossene Felderneuerung im Zuge des Flurbereinigungsverfahrens wieder völlig zerstört. Es wäre nach Meinung des Klägers Böhm besser, den derzeitigen Planfeststellungsbeschluss aufzuheben, um die festgelegte Trasse durch eine "sinnvollere neue" zu ersetzen.

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