31.01.2014 - 00:00 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Freudenberger Skisprungschanze vor 60 Jahren eröffnet: Die Adler vom Johannisberg

Es war ein Festtag mitten im Winter: Drüben auf dem Johannisberg flatterten die Fahnen im eiskalten Ostwind, das Musikkorps des Bundesgrenzschutzes war angetreten. Per Megafon schallten die Reden der Honoratioren ins Tal. Unten säumten mehr als 1200 Schaulustige die Absperrungen. Sie alle wollten zusehen, wie die mutigen "Adler" vom neu erbauten Schanzentisch abhoben.

Über die ideale Körperhaltung der Springer wurde viel diskutiert. Einige ruderten, andere streckten ihre Arme nach vorne aus, wieder andere schworen auf Flugtechniken wie diese.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Gestern vor 60 Jahren eröffnete die Skivereinigung Amberg die Sprungschanze in Freudenberg - mit ihrem 13,6 Meter hohen Turm damals eine der größten und modernsten in Nordbayern.

Schnee zusammengekratzt

Trotz widriger Wetterbedingungen reisten 42 Skispringer an. Einer nahm den Weg aus Oberkochen (Württemberg) auf sich, einige kamen aus Bischofsgrün, Zwiesel und Straubing. Viele aus Amberg und dem Raum Weiden. Und dann waren da noch die Lokalmatadore wie etwa Alois Knab aus Lintach, der kaum trainiert hatte, aber seinen ganzen Mut zusammennahm und die Konkurrenz in der "Jungmann-Leistungsklasse" hinter sich ließ.

Über die 24-Meter-Marke kam beim Eröffnungsspringen keiner hinaus. Das lag, so berichtete die "Amberger Zeitung" damals, vor allem daran, dass Anlaufspur und Hang mit Altschnee präpariert werden mussten. Bauern aus Freudenberg, Lintach und Geiselhof hatten für das große Ereignis den wenigen Schnee im ganzen Umkreis zusammengekratzt und an die Schanze gefahren. 150 Kubikmeter einer Mischung aus Raureif und Graupel türmten sie auf.

Der Altschnee konnte Alois Knab nicht aufhalten und auch die Sieger der anderen vier Leistungsklassen nicht: den Windischeschenbacher Josef Manl (Jugend), den Amberger Hans Wunsch (Männer-Altersklasse I), Alfred Wanner aus Oberkochen (Männer-Altersklasse II) und Sepp Matejka aus Weiden (Männer-Altersklasse III). Sie und all die anderen wagemutigen "Adler", die auf den bis zu zweieinhalb Meter langen Brettern durch den rauen Wind segelten, waren natürlich die Helden beim "Brettlhupferball", zu dem für den Abend in die Gasthäuser Dotzler und Märkl geladen wurde.

Bereits wenige Monate nach der Eröffnung begannen die Arbeiten für den Ausbau der Schanze. Der Tisch wuchs um einen halben, der Turm um einen ganzen Meter. Danach erreichten die Springer Weiten von 30 Metern und mehr. Einer der unerschrockensten Skispringer war Erich Ehmer aus Ammersricht. Am 16. Februar 1960 segelte er 33 Meter von der Johannisbergschanze herab: ein Rekord, den ihm keiner mehr nehmen konnte. Vier Jahre später musste die Holzkonstruktion wegen statischer Mängel abgerissen werden. Für eine Instandsetzung fehlte das Geld.

Angst um das Paar Skier

"O mei", sagt Ehmer nur, wenn er sich heute die Schwarz-Weiß-Bilder von damals anschaut. "Wenn du Angst gehabt hast, dann hattest du schon verloren!" Im Wohnzimmer des 77-Jährigen stehen noch all die Pokale, die er einst gewann. Zu dritt seien sie damals gesprungen, seine zwei Brüder und er. Und immer, wenn einer vom Schanzentisch abhob, zitterten die anderen beiden unten im Tal - wegen der Skier. Sie hatten nur dieses eine Paar.

Ehmer und seine Sportkameraden waren Idealisten. Draufgänger, wie sie heute mit Multivisions-Shows die Säle füllen. Von seinen Abenteuern erzählen keine HD-Filme, sondern ein paar vergilbte Fotografien, die er aus seinem Geldbeutel holt. Wie jene, die die Zwieselbergschanze im Bayerischen Wald zeigt. Beim Probedurchgang am Vormittag stürzte Ehmer so schwer, dass seine Hose zerriss. Am Nachmittag sprang er den Schanzenrekord, der bis heute Bestand hat. Der Pokal, den er dafür bekam, ist Nebensache. Vom Springen in Zwiesel brachte der Sportler eine ganz andere Trophäe mit, die ihm unendlich viel mehr bedeutet: seine Frau Eva.

Weitere Infos zur Freudenberger Skisprungsachnze sowie eine 3D-Animation von der Anlage gibt es auf den Internetseiten des Heimat- und Kulturvereins Freudenberg.

 

 

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